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Marktnachrichten

Brüderle: Müssen Handelskrieg mit Hilfe Chinas vermeiden

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle während einer Bundestagsrede in Berlin am 1. Juli 2010. REUTERS/Tobias Schwarz

Berlin (Reuters) - Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat auf seiner China-Reise davor gewarnt, dass aus dem “Währungskrieg kein Handelskrieg” wird.

“China trägt viel Verantwortung, dass es nicht zur Eskalation kommt”, sagte der FDP-Politiker dem “Handelsblatt” vom Mittwoch. “Schuldzuweisungen, protektionistische Schnellschüsse und einseitige Sanktionen sind Irrwege”, betonte Brüderle. China steht in der Kritik, seine Währung künstlich niedrig zu halten und damit das eigene Exportgeschäft anzukurbeln. Chinas Notenbank legte die heimische Währung Yuan am Mittwoch zum Dollar so hoch fest wie noch nie. Ein Regierungsvertreter betonte allerdings, dass die jüngste Aufwertung des Yuan nichts mit den Forderungen der USA oder anderer Länder zu tun habe.

Exportweltmeister China hat signalisiert, seine Währung aufzuwerten, will dabei aber nur schrittweise vorgehen. Chinas Verhandlungsführer in der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), Cui Tiankai, sagte, die Volksrepublik habe kein spezielles Kursziel. Der Dollar-Kurs lag am Mittwoch bei 6,6693 (Vortag: 6,6775) Yuan. Auf Basis dieses Mittelwerts kann der Yuan 0,5 Prozent nach oben und nach unten schwanken. Einen Währungskrieg wolle das Land vermeiden, betonte Cui.

EXPERTE: CHINA STECKT IM DILEMMA

Chinas Handelsüberschuss sank im September zwar leicht auf 17 von 20 Milliarden Dollar, die Kritik von außen dürfte aber kaum abflauen. “Der Handelsüberschuss ist geringer als erwartet, aber der Druck der USA für eine Yuan-Aufwertung wird stark bleiben”, sagte Thio Chin Thio, Devisenstratege bei BNP Paribas.

Nicht zuletzt wegen des schwachen Dollars kletterten Chinas Devisenreserven zwischen Juli und September um 194 Milliarden Dollar auf 2,65 Billionen Dollar. Es war der stärkste Anstieg in einem Quartal. Analyst Liu Dongliang von der China Merchants Bank sprach von einem Dilemma: “Wenn der Yuan-Wechselkurs weiter steigt, wird mehr heißes Geld reinkommen.” Aber es gebe derzeit keine bessere Alternative, und der Yuan werde weiter zulegen.

Der Währungsstreit zieht immer weitere Kreise. Japan warf Südkorea regelmäßige Interventionen am Devisenmarkt vor. Das könnte die Führungsrolle Südkoreas in der G20-Gruppe infrage stellen, sagte Finanzminister Yoshihiko Noda vor dem Parlament in Tokio. Südkorea hat derzeit den Vorsitz der G20 inne und ist Gastgeber des nächsten Gipfels im November. Japan hatte allerdings selbst im vergangenen Monat erstmals seit über sechs Jahren am Devisemarkt eingegriffen, um die eigene Exportwirtschaft zu stützen.

Brüderle warnte, generell seien Interventionen kein probates Mittel, denn sie hätten in der Regel allenfalls kurzfristige Effekte. Auch Strafzölle, wie sie die USA gegen China prüfen, hält er für falsch. “Strafzölle als Reaktion auf Währungsmanipulationen führen nur zu Gegenmaßnahmen. Durch protektionistische Maßnahmen können wir alle nur verlieren.”

Die aktuelle Stärke des Euro gegenüber dem Dollar hält Brüderle für kaum bedenklich. Schließlich liege der Wechselkurs des Euro mit knapp 1,40 Dollar noch unter dem Niveau zu Jahresbeginn. Langfristig allerdings würde sich eine massive Aufwertung negativ bemerkbar machen. “Kurzfristige mache ich mir keine Sorgen”, sagte Brüderle. Slowenien und Zypern hingegen sorgen sich wegen des gestiegenen Euro um das Exportgeschäft und die Wettbewerbsfähigkeit des Währungsgebietes. Größere Euro-Länder wie Deutschland sollten deshalb ihre Defizite ausweiten, um die Wirtschaft in der Euro-Zone anzukurbeln, sagte Zyperns Finanzminister Charilaos Stavrakis.

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