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Weltnachrichten

Immer mehr Proteste gegen syrische Führung

Damaskus (Reuters) - Nach den Zusammenstößen in Syrien mit vielen Toten gibt es immer mehr Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad.

Syrer aus dem Süden des Landes auf dem Weg nach Deraa, zu einer Demonstration gegen die Regierung am 25. März 2011. REUTERS/Khaled al-Hariri

Auch am Freitag trugen viele Menschen ihren Zorn auf die Straße. In der Hauptstadt Damaskus wurden Augenzeugen zufolge drei Menschen von Sicherheitskräften getötet, als Gegner und Anhänger des Präsidenten aufeinandertrafen. Die US-Regierung forderte die syrische Regierung auf, umgehend die Gewalt gegen Demonstranten einzustellen. Auch die willkürliche Festnahme von Menschenrechtsaktivisten müsse aufhören, erklärte das Präsidialamt.

In der Stadt Hama skandierten einige Demonstranten nach dem Freitagsgebet: “Die Freiheit ruft.” Dieselben Rufe erklangen auch in Deera bei Trauerfeiern für einige der mindestens 40 am Mittwoch getöteten Regierungsgegner. Dort gingen Tausende Teilnehmer einer Protestkundgebung fluchtartig in Deckung, nachdem plötzlich Schüsse zu hören waren. Einige Demonstranten hatten zuvor unter einer Statue des früheren Präsidenten Hafes al-Assad ein Feuer entzündet. Der derzeitige Präsident Baschir al-Assad hatte im Jahr 2000 die Macht von seinem verstorbenen Vater übernommen. Deera ist eine Hochburg der sunnitischen Mehrheit in Syrien, die gegen die Herrschaftselite rund um Assad aufbegehrt. Assad gehört der Minderheit der Alawiten an.

Der Fernsehsender Al-Dschasira berichtete unter Berufung auf einen Augenzeugen, mindestens 20 Menschen seien am Freitag in der Ortschaft Sanamein im Süden des Landes erschossen worden. Der syrische Informationsminister Muhsin Bilal sagte dem Fernsehsender Al-Arabija zufolge, die Lage in ganz Syrien sei ruhig. Es blieb zunächst unklar, wann sich der Minister äußerte.

Angesichts der zunehmenden Proteste forderte die Türkei Syrien auf, die Versprechen für Wirtschafts- und Sozialreformen schnellstmöglich umzusetzen. Das Außenministerium in Ankara erklärte, die Forderungen und Erwartungen der syrischen Bevölkerung seien legitim. Die Todesfälle bei den Protesten seien bedauerlich. Die Türkei grenzt im Südosten an Syrien.

JEMENS PRÄSIDENT WILL KRITIKER BESÄNFTIGEN

Im Jemen signalisierte unterdessen Präsident Ali Abdullah Saleh Bereitschaft zu Zugeständnissen. Auch Saleh steht seit Wochen unter dem Druck von Massenprotesten. Am Freitag erklärte er in einer Fernsehansprache, um weiteres Blutvergießen zu verhindern, sei er unter gewissen Bedingungen zu einem Rücktritt bereit. “Wir wollen keine Macht”, sagte der autokratisch regierende Staatschef. “Aber wir müssen die Macht in sichere Hände übergeben, nicht in kranke, aufgebrachte oder korrupte Hände.” In der Hauptstadt Sanaa versammelten sich Zehntausende Regierungsgegner. Sie hatten zu einem “Tag des Abgangs” nach den Freitagsgebeten aufgerufen, um Saleh zu einem sofortigen Rücktritt zu bewegen.

Bei einer ähnlichen Kundgebung vor einer Woche waren 52 Menschen getötet worden. Vermutlich wurden sie von Scharfschützen in Zivilkleidung erschossen. Danach sagten sich Generäle, Diplomaten und Stammesanführer von der Regierung los. Die USA und das benachbarte Saudi-Arabien hatten sich besorgt gezeigt, dass bei einem Rückzug Salehs ein Machtvakuum entstehen könnte, das die im Land aktive Extremistengruppe Al-Kaida weiter stärken könnte.

PROTESTE AUCH IN JORDANIEN UND BAHRAIN

In Jordanien starb am Freitag ein Mann, als Sicherheitskräfte bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der Monarchie einschritten. Der 57-Jährige hatte sich Augenzeugen zufolge nicht an den Protesten in Amman beteiligt, sondern wollte nach seinem Sohn Ausschau halten. Er sei von Polizisten mit Schlagstöcken verprügelt worden und später im Krankenhaus gestorben, sagte der Sohn des Toten.

Auch im Golfstaat Bahrain hatten Regierungsgegner am Freitag zu einem “Tag des Zorns” aufgerufen. Tausende nahmen an einem Gebet des einflussreichen schiitischen Geistlichen Issa Kassim teil. Doch nach den Freitagsgebeten gab es zunächst nur kleinere Proteste gegen die sunnitische Staatsführung. In Bahrain, wo 60 Prozent der Bevölkerung Schiiten sind, herrscht Ausnahmezustand. Alle Protestaktionen sind verboten. Auch die Demonstrationen am Freitag wurden im Keim erstickt. Viele Oppositionelle verlangen von der Herrscherfamilie die Umwandlung des Staates in eine konstitutionelle Monarchie. Die Regierung beschuldigte unterdessen die vom Iran gestützte Organisation Hisbollah, hinter den Unruhen in dem Inselstaat zu stecken.

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