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Unternehmensnachrichten

Kreise: RWE und Iberdrola haben Fusion abgeblasen

Frankfurt (Reuters) - Der Energiekonzern RWE und der spanische Versorger Iberdrola haben vor wenigen Monaten Kreisen zufolge kurz vor einer 60 Milliarden Euro schweren Fusion gestanden.

Iberdrola habe im Februar unmittelbar vor der geplanten Bekanntgabe des Zusammenschlusses aber einen Rückzieher gemacht, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen. “Die Gespräche waren ernst und weit fortgeschritten”, sagte eine Person aus der Finanzbranche mit Kenntnis der Verhandlungen. Iberdrola habe die Verhandlungen abgebrochen, da der Konzern die Vorteile eines Zusammenschlusses als eher gering betrachtet habe, sagte eine der Personen.

Die Konzerne wollten zu den Informationen keine Stellung nehmen. RWE ist der fünftgrößte und Iberdrola der sechstgrößte Versorger in Europa.

RWE erwartet in den kommenden Jahren sinkende Gewinne und bangt angesichts der Energiewende in Deutschland um seine Atomkraftwerke. Eventuelle Fusionsbemühungen des Essener Konzerns gelten allgemein als wenig aussichtsreich, da die kommunalen RWE-Aktionäre mit ihrer Beteiligung von rund 25 Prozent über eine Sperrminorität verfügen und somit solche Pläne stoppen können. Auch im Fall Iberdrola sei ungewiss gewesen, ob sie hätten überzeugt werden können, sagten zwei Personen. Auch rechtliche Fragen seien nicht ausreichend geklärt gewesen.

Iberdrola-Chef Ignacio Sanchez Galan hatte am Mittwoch kurzfristige Zukäufe ausgeschlossen. Der Versorger mit Sitz in Bilbao im Baskenland wehrt sich gegen eine Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS, der auch Hochtief schlucken will. ACS hält 20 Prozent an Iberdrola. Ein Zusammenschluss mit RWE hätte diesen Anteil halbieren können, sagte eine Person.

Iberdrola sei in einer schwierigen Situation und schließe gar nichts aus, sagte ein Analyst in London. “Ich erwarte nicht, dass sie sich selber zum Verkauf stellen, aber wenn da ein Partner ist, der eine Menge anzubieten hat - warum nicht?” Die RWE-Aktie legte um bis zu 0,4 Prozent auf 43,70 Euro zu, während der Kurs von Iberdrola um bis zu 0,8 Prozent auf 6,19 Euro nachgab.

TREIBHAUSGAS KOHLENDIOXID ALS FUSIONSTREIBER

Ab 2013 drohen RWE - mit zahleichen Kohlekraftwerken der größte Kohlendioxid-Emittent in Europa - hohe Zusatzbelastungen. Ab dann müssen die Versorger die Verschmutzungsrechte komplett erwerben. Konzernchef Jürgen Großmann will unter anderem mit dem Verkauf von Beteiligungen im Volumen von acht Milliarden Euro gegensteuern. RWE hatte zuletzt den niederländischen Versorger Essent übernommen. Medienberichten zufolge standen die Essener in der Vergangenheit auch in Gesprächen mit dem tschechischen Versorger CEZ und der französischen EDF.

In den Gesprächen zwischen RWE und Iberdrola sei es um den Zusammenschluss der beiden Unternehmen zu einem neuen Konzern mit Sitz in den Niederlanden gegangen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Den bisherigen Anteilseignern hätten Aktien angeboten werden sollen. Der Börsenwert der Spanier ist Reuters-Daten zufolge mit 36 Milliarden Euro ein Drittel höher als der von RWE. Die Essener hatten im vergangenen Jahr einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 10,3 Milliarden Euro eingefahren - drei Milliarden mehr als Iberdrola.

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