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Weltnachrichten

Trauer um Chavez in Venezuela - USA hoffen auf Neustart

Caracas (Reuters) - Nach dem Tod des sozialistischen Präsidenten Hugo Chavez hoffen westliche Staaten auf eine Verbesserung der Beziehungen zu Venezuela.

Supporters of Venezuela's President Hugo Chavez react to the announcement of his death outside the hospital where he was being treated, in Caracas, March 5, 2013. REUTERS/Carlos Garcia Rawlins

Die USA wollten ein konstruktives Verhältnis mit der venezolanischen Regierung aufbauen, kündigte Präsident Barack Obama am Dienstag in Washington an. In dem lateinamerikanischen Land gingen Tausende Anhänger von Chavez auf die Straßen, um den Tod des charismatischen Linkspolitikers zu betrauern. Mit seiner Politik der Umverteilung und Verstaatlichung regierte Chavez das ölreiche Land 14 Jahre und stieg zu einem im ganzen Kontinent populären Politiker auf. Der 58-Jährige war einem zweijährigen Krebsleiden erlegen.

“Venezuela schlägt nun ein neues Kapitel seiner Geschichte auf”, sagte Obama. “Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre Unterstützung für das venezolanische Volk und ihr Interesse an der Entwicklung einer konstruktiven Beziehung zur Regierung Venezuelas.” Chavez hatte sein Image als antiimperialistischer Politiker und Erzfeind der USA leidenschaftlich gepflegt. So beschimpfte er den früheren US-Präsidenten George W. Bush in der UN-Vollversammlung als Teufel. Außenminister Guido Westerwelle sprach von einer historischen Zäsur in Venezuela und erklärte: “Wir wünschen uns, dass Venezuela nach Tagen der Trauer den Aufbruch in eine neue Zeit schafft.”

Als wahrscheinlichster Nachfolger von Chavez gilt Vizepräsident Nicolas Maduro. Der 50 Jahre alte ehemalige Busfahrer und Gewerkschaftsführer war noch von Chavez selbst zum Wunschnachfolger ausgewählt worden. Ob ein Kurswechsel sowohl innen- wie außenpolitisch mit ihm eingeleitet werden könnte, ist fraglich. Noch Stunden vor dem Tod von Chavez warf Maduro “imperialistischen” Feinden vor, den Präsidenten vergiftet zu haben, und verwies zwei US-Diplomaten des Landes, weil sie mit Oppositionellen konspiriert haben sollen.

Als voraussichtlicher Herausforderer von Maduro gilt Henrique Capriles, der 40 Jahre alten Gouverneur des Staates Miranda. Wie Maduro rief auch der Zentrumspolitiker, der ein Bündnis von rund 30 Oppositionsgruppen anführt, die Bevölkerung zur Ruhe auf. Sollte er der Nachfolger von Chavez werden, wird ein vorsichtiger Kurswechsel in der venezolanischen Politik erwartet. In Umfragen führt Maduro deutlich vor Capriles.

GENAUER WAHLTERMIN ZUNÄCHST UNKLAR

Nach offiziellen Angaben soll in 30 Tagen gewählt werden. Allerdings war zunächst unklar, ob innerhalb dieser Frist der Wahltermin angegeben werden soll oder ob in 30 Tagen tatsächlich gewählt wird. Für Chavez ordneten die Behörden eine siebentägige Staatstrauer an. “Chavistas” schlugen vor, den Präsidenten symbolträchtig neben dem südamerikanischen Freiheitshelden Simon Bolivar zu beerdigen.

In der Nacht hatten Hunderte seiner Anhänger vor dem Militärkrankenhaus ausgeharrt, in dem Chavez behandelt wurde. Als sich dann die Nachricht von seinem Tod verbreiteten, strömten Tausende seiner Anhänger auf die Straßen. “Er war unser Vater”, sagte die 56 Jahre alte Nancy Jotiya auf dem zentralen Simon-Bolivar-Platz in Caracas schluchzend. “Er brachte uns bei, uns selbst zu verteidigen.” In den wohlhabenderen Vierteln blieben dagegen die Geschäfte aus Angst vor Plünderungen geschlossen.

Chavez hat mit seiner Verstaatlichungspolitik die venezolanische Bevölkerung tief gespalten. Anhänger verweisen auf einen Rückgang der Armut und einen besseren Zugang einkommensschwacher Familien zu Bildung und Gesundheit. Der 58-Jährige hatte einen großen Rückhalt unter den Armen in der Bevölkerung. Kritiker warfen ihm dagegen diktatorische Züge vor. Außerdem habe er den Ölreichtum des Landes für unproduktive Sozialmaßnahmen verschleudert. Das Resultat sei Arbeitslosigkeit, zunehmende Kriminalität, Inflation und Vetternwirtschaft.

Mit dem Tod von Chavez verliert die Linke in Südamerika einen ihrer bekanntesten Wortführer. In vielen lateinamerikanischen Staaten löste der Tod des populären Politikers Betroffenheit aus. Der ebenfalls linksgerichtete Präsident Boliviens, Evo Morales, kam mit versteinertem Gesicht in Caracas an. Auch die Regierungschefs von Argentinien und Uruguay flogen nach Venezuela. Zu den engen politischen Freunden von Chavez zählte auch das sozialistische Kuba, wo er sein Krebsleiden behandeln ließ.

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