for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Wirtschaftsnachrichten

IWF blickt mit Sorge auf die Euro-Zone

Washington/Berlin (Reuters) - Die lodernde Schuldenkrise im Euro-Raum lässt beim Internationalen Währungsfonds (IEF) die Alarmglocken schrillen.

The Euro currency sign is seen in front of the European Central Bank (ECB) headquarters in Frankfurt April 4, 2013. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS) - RTXY7ZC

Ein Grund dafür ist das drohende Abgleiten Frankreichs in die Rezession, wie der IWF am Dienstag im Weltwirtschaftsausblick betonte. Dem Schwergewicht in der Euro-Zone sagt der Fonds 2013 eine um 0,1 Prozent schrumpfende Wirtschaftsleistung voraus: “Dies könnte Fragen aufwerfen hinsichtlich der Fähigkeit der Kernländer, den Randstaaten bei Bedarf zu helfen.” Mittelfristig drohe der Euro-Zone eine andauernde Stagnationsphase. EZB-Chef Mario Draghi rechnet erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer konjunkturellen Erholung: “Aber dieses Szenario ist mit Abwärtsrisiken behaftet”, warnte der oberste Hüter des Euro vor dem Europäischen Parlament und ließ die Tür für eine Zinssenkung weiter offen.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) legt der IWF eine geldpolitische Lockerung nahe, da in etlichen Krisenländern am Rande der Euro-Zone die Zinsen noch zu hoch seien. Der EZB-Rat hatte auf der jüngsten Zinssitzung Anfang April intensiv über eine Senkung gesprochen, aber im Konsens entschieden, die Zinsen vorerst nicht anzufassen. Die Betonung der Abwärtsrisiken für den Konjunkturausblick beim Auftritt Draghis in Straßburg lässt darauf schließen, dass das Thema Zinssenkung für die EZB weiter aktuell ist.

Sie wird auf ihrer nächsten Sitzung am 2. Mai darüber entscheiden müssen, ob sie den Leitzins bei 0,75 Prozent belässt oder zum Ankurbeln der Konjunktur weiter senkt. Die Ruhe an der Preisfront bietet zumindest Spielraum dafür: Die Inflation in der Euro-Zone ist wegen sinkender Benzinpreise auf dem Rückmarsch. Die Jahresteuerung fiel im März auf 1,7 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit August 2010. Damit herrscht weitgehend Preisstabilität, die die EZB bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet sieht.

Der IWF empfiehlt Staaten wie Deutschland, denen es finanzpolitisch relativ gut gehe, ihre Spielräume zu nutzen. Er schraubte seine Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 0,6 Prozent nach oben und rechnet für 2014 mit plus 1,5 Prozent.

Die vom IWF erwartete Rezession im Euro-Raum von 0,3 Prozent in diesem Jahr spiegelt dem Fonds zufolge nicht nur Schwächen am Rande des Währungsraumes wider. Mit Blick auf Frankreich hieß es, inzwischen habe “eine gewisse Schwäche” auch den Kern der Euro-Zone erreicht. Frankreich macht derzeit die hohe Arbeitslosigkeit zu schaffen, die Wirtschaft steht bereits mit einem Bein in der Rezession.

FRANKREICH DRINGT AUF LOHNERHÖHUNGEN IN DEUTSCHLAND

Die Regierung in Paris hat Reformbedarf eingeräumt und will sich dabei von den vor zehn Jahren in Deutschland eingeleiteten Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 anregen lassen. Dennoch sieht Industrieminister Arnaud Montebourg zur Überwindung der wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa primär Deutschland am Zug: Dort müsse es kräftige Lohnerhöhungen geben, forderte der sozialistische Politiker in der “Rheinischen Post”. Die deutsche Wirtschaft habe sich über viele Jahre mit Lohnzurückhaltung einen Wettbewerbsvorteil verschafft und heute einen gewaltigen Exportüberschuss gegenüber seinen Partnern. Das Thema ökonomische Ungleichgewichte dürfte auch bei der Frühjahrstagung des IWF und der Weltbank am Wochenende in Washington zur Sprache kommen.

Laut IWF führt der Weg in Italien und Spanien dieses Jahr noch tiefer in die Rezession. Die Anleger halten Spanien trotz der düsteren Konjunkturaussichten jedoch weiter die Stange: Das Land kam so günstig an frisches Geld wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Renditen für Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von sechs Monaten sowie einem Jahr sanken auf 0,53 Prozent beziehungsweise 1,235 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Frühjahr 2010.

Anders als Europa sagte der IWF den USA ein solides Wachstum voraus. Japan werde wegen seiner extrem expansiven Geld- und Fiskalpolitik deutlich an Wachstumskraft gewinnen. In China bleibe es trotz minimaler Einbußen bei hohen Zuwachsraten. Das Bruttoinlandsprodukt im Reich der Mitte wuchs von Januar bis März allerdings nur um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit nicht so stark wie erwartet. Diese Schwäche des fünftgrößten Handelspartners von Deutschland bekamen auch die hiesigen Exporteure zu spüren, deren Umsätze im Februar um 1,5 Prozent fielen.

Enttäuschende Daten wie diese haben dem Konjunkturoptimismus der Börsianer einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten fiel im April um 12,2 auf 36,3 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mitteilte. Dennoch herrsche keine Skepsis vor, betonte ZEW-Präsident Clemens Fuest.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up