July 27, 2010 / 9:34 AM / 9 years ago

Cameron - Will für türkischen EU-Beitritt kämpfen

Der britische Premier David Cameron und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan in Ankara am 27. Juli 2010. REUTERS/Umit Bektas

Ankara (Reuters) - Der britische Premierminister David Cameron hat sich entschieden für einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union (EU) ausgesprochen.

Aufgrund seines immensen wirtschaftlichen Potenzials und seines wachsenden Einflusses im Nahen Osten würde ein Beitritt des Landes größeren Wohlstand und politische Stabilität für alle EU-Mitglieder bedeuten, sagte Cameron am Dienstag bei seinem ersten Türkei-Besuch seit seinem Amtsantritt im Mai. Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der am Abend ebenfalls in der Türkei erwartet wurde, lehnte dagegen einen baldigen EU-Beitritt des Landes ab.

“Dies ist eine Sache, in der ich sehr leidenschaftliche Gefühle hege”, sagte Cameron vor der türkischen Handelskammer. “Ich will, dass wir zusammen eine Straße von Ankara nach Brüssel bauen.” Cameron betonte die Bedeutung der Türkei als strategischer Partner der EU im Nahost-Konflikt und im Atomstreit mit dem Iran.

In der “Bild”-Zeitung zeigte sich Westerwelle skeptisch zu einem raschen EU-Beitritt der Türkei: “Müsste die Frage heute entschieden werden, wäre die Türkei nicht beitrittsfähig und die Europäische Union nicht aufnahmefähig.” Westerwelle wies auf den stockenden Verlauf der Verhandlungen hin. “Wer den Eindruck erweckt, der Beitritt stünde vor der Tür, liegt also gänzlich falsch”, sagte Westerwelle.

Aus den Reihen der CSU bekam Westerwelle Zuspruch für seine Äußerungen. Bayerns Europaministerin Emilia Müller sagte, die Vorbehalte Westerwelles müssten Konsequenzen für das Beitrittsverfahren haben und forderte eine Aussetzung der Verhandlungen mit der Türkei.

Insbesondere in Deutschland und Frankreich bestehen große Vorbehalte gegenüber einer Vollmitgliedschaft des muslimisch geprägten Landes. Kritiker argumentieren unter anderem, die Türkei würde sich nicht in die christlich geprägte Kultur der EU einfügen. Nach einem einstimmigen Beschluss der EU-Mitglieder wird seit 2005 über einen türkischen Beitritt verhandelt. Seitdem bemängelt die EU regelmäßig mangelnde Fortschritte bei demokratischen Reformen und bei Menschenrechten in dem Land.

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