June 1, 2013 / 10:53 AM / 6 years ago

Proteste gegen türkischen Regierungschef weiten sich aus

Demonstrators shout slogans against Turkey's Prime Minister Tayyip Erdogan and his ruling Ak Party at a rally in Ankara May 19, 2013. REUTERS/Umit Bektas

Istanbul (Reuters) - In der Türkei weiten sich die Proteste gegen Politik und Führungsstil von Ministerpräsident Tayyip Erdogan aus.

In Istanbul lieferten sich am Samstag den zweiten Tag in Folge Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Steine werfende junge Männer vor. Auch in der Hauptstadt Ankara und der Küstenstadt Izmir demonstrierten Menschen gegen Erdogan und seine islamistische Regierungspartei AKP. Der Ministerpräsident bekräftigte die Pläne zum Umbau des Taksim-Platzes in Istanbul, die Auslöser der seit Jahren heftigsten Auseinandersetzungen waren. SPD und Grüne warfen der Polizei unangemessene Härte vor.

Die Sicherheitskräfte waren am Samstag im Stadtzentrum darum bemüht, ein Vordringen der zumeist jungen und vermummten Demonstranten zum Taksim-Platz zu verhindern. Die Protestierer riefen “Gemeinsam gegen den Faschismus” und forderten den Rücktritt der Regierung. Auch zum Schutz gegen das Tränengas hatten sie sich Taschentücher und chirurgische Masken umgebunden. Im Stadtteil Besiktas kam es ebenfalls zu Zusammenstößen, als Demonstranten über eine Bosporus-Brücke zum Taksim-Platz marschieren wollten.

Die Proteste hatten am Montag begonnen, als für den Umbau des Taksim-Plaztes Bäume gefällt wurden. Sie weiteten sich dann gegen Pläne der Regierung aus, den Verkauf von Alkohol einzuschränken und öffentliche Liebesbekundungen zu ächten. Allgemein werfen die Regierungsgegner Erdogan einen autoritären Führungsstil vor. Am Freitag kam es dann zu Zusammenstößen, bei denen nach Angaben von Rettungssanitätern an die 1000 Menschen verletzt wurden. Einer Übersicht der Türkischen Ärztevereinigung zufolge verloren sechs Personen das Augenlicht, weil sie von Tränengasgranaten getroffen wurden.

Erdogan bekräftigte die Pläne zum Umbau des Taksim-Platzes. Für die Demonstranten seien sie nur ein Vorwand, Spannungen auszulösen, sagte der konservative Regierungschef und forderte ein Ende der Demonstrationen. Allerdings gab es nahezu zeitgleich Aufrufe zu Protestkundgebungen in mehr als einem Dutzend türkischer Städte.

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, appellierte an die Türkei, sich um Deeskalation zu bemühen. “Die Härte, mit der die Polizei vorgeht, ist völlig unangemessen und führt zu einer Ausweitung der Proteste”, erklärte das Mitglied des SPD-Präsidiums. Grünen-Chefin Claudia Roth forderte das sofortige Ende der “Gewaltexzesse der Istanbuler Polizei gegen die Demonstranten”. Die Regierung müsse den Sicherheitskräften Einhalt gebieten, sagte Roth der “Bild am Sonntag” laut Vorabmeldung vom Samstag.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below