January 14, 2018 / 12:40 PM / 8 days ago

Präsidentenwahl in Tschechien nach erster Runde noch offen

Prag (Reuters) - Die Wiederwahl des tschechischen Präsidenten Milos Zeman ist trotz eines Erfolgs in der ersten Runde nicht gesichert.

Der pro-russische Zeman vereinigte am Samstag knapp 39 Prozent der Stimmen auf sich, verfehlte damit aber die nötige absolute Mehrheit. In zwei Wochen kommt es nun zur Stichwahl mit seinem EU-freundlichen Herausforderer Jiri Drahos. Der Professor kam in der ersten Runde auf knapp 27 Prozent. Auf den Plätzen drei bis sechs folgten Kandidaten, die politisch näher an Drahos als an Zeman dran sind. Sie kommen zusammen auf etwa ein Drittel der Stimmen.

“Das sieht hoffnungsvoll aus”, sagte Drahos zu Anhängern und Reportern in einem Theater in Prag, nachdem die meisten Stimmen ausgezählt waren. “Das mit Abstand härteste Spiel wartet jetzt auf Milos Zeman und seine Berater”, ergänzte der 68-Jährige. “Kommt zur Abstimmung, kommt zur Abstimmung, kommt zur Abstimmung.”

Der Politologe Josef Mlejnek sagte, Zeman habe zwar formell die erste Runde gewonnen. Es sei für ihn aber trotzdem ein schwerer Rückschlag. Es sei nicht klar, woher er noch Stimmen bekommen könne. Das Zeman-Lager werde Drahos nun wahrscheinlich als Freund von Einwanderern darstellen und als Erfüllungsgehilfen der EU.

Zeman regiert seit 2013. Der 73-jährige ehemalige Ministerpräsident einer Mitte-Links-Regierung ist nach rechts gerückt und ein Kritiker der Einwanderung aus muslimischen Ländern nach Europa. Deutschland hat er vorgeworfen, zu viele Schutzsuchende aufzunehmen. Auch kritisierte er die westlichen Sanktionen gegen Russland und umwarb rechte Gruppen.

Viele Tschechen teilen zwar Zemans Positionen in der Flüchtlingspolitik, die Annäherung an Russland und China spaltet aber das Land mit seinen 10,6 Millionen Einwohnern. Ein Wahlsieg Drahos’ würde Tschechien wieder näher an viele EU-Positionen heranführen.

Das Präsidentenamt ist in Tschechien, anders als etwa in den USA oder Frankreich, nicht mit viel Macht ausgestattet. Allerdings haben die Amtsinhaber großen Einfluss auf die öffentliche Debatte. Auch bei der Regierungsbildung haben sie ein Wörtchen mitzureden.

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