January 11, 2018 / 5:35 PM / in 9 months

Proteste in Tunesien weiten sich aus - Regierung ruft Armee zur Hilfe

Tunis (Reuters) - In Tunesien hat die Regierung die Armee in Marsch gesetzt, um die anschwellenden Proteste gegen Preissteigerungen und höhere Steuern unter Kontrolle zu bekommen.

Police officers fire tear gas to break up a protest during demonstrations against rising prices and tax increases, in Tunis, Tunisia, January 10, 2018. Picture taken January 10, 2018. REUTERS/Zoubeir Souissi

An der algerischen Grenze in Thala setzten Demonstranten nach Augenzeugenberichten das regionale Hauptquartier der Sicherheitskräfte in Brand. Die Polizei habe sich aus dem Ort zurückziehen müssen. Die Regierung mobilisierte im Urlaubsort Sousse, in Kebeli, Bizerte und anderen Städten Soldaten, um Verwaltungsgebäude zu schützen, die zu Angriffszielen der Demonstranten geworden sind. Allein in der Nacht zum Donnerstag seien 330 Menschen wegen Sabotage-Akten und Raubtaten festgenommen worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Damit stieg die Zahl der Festnahmen seit Beginn der Proteste auf etwa 600.

“Was da stattfindet sind Verbrechen und keine Proteste”, sagte der Ministeriumssprecher. “Sie stehlen, schüchtern Leute ein und bedrohen privates sowie öffentliches Eigentum.”

In Tunesien hatte 2011 der sogenannte Arabische Frühling mit dem Sturz des Autokraten Zine El-Abidine Ben Ali seinen Ursprung genommen. Sieben Jahre später sind viele Tunesier jedoch wütend und frustriert über zunehmende wirtschaftliche Probleme. “Es ist wahr, dass einige Demonstranten vergangene Nacht gebrandschatzt und gestohlen haben, aber die Herrschenden bestehlen und zerstören Tunesien Tag und Nacht mit ihren empörenden Entscheidungen”, sagte Mohamed, ein Lehrer in Tunis. “Wir hatten gehofft, dass sich die Dinge nach Ben Alis Sturz verbessern. Aber sieben Jahre nach der Revolution schaut es so aus, als würden wir Ministerpräsident (Youssef) Chahed jeden Monat unseren Lohn geben, damit er ihn verplempern kann.”

Die Unruhen 2011 und zwei schwere Anschläge 2015 haben dem Tourismus in Tunesien geschadet, die ausländischen Investitionen schrumpften. Die Arbeitslosenquote liegt über 15 Prozent, in abgelegenen Regionen im Landesinneren ist sie noch sehr viel höher. Im Dezember stieg die Inflation auf 6,4 Prozent, den höchsten Wert seit 2014.

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