May 4, 2014 / 1:32 PM / 6 years ago

Ukraine macht Russland für Tote von Odessa verantwortlich

Odessa/Moskau (Reuters) - Die ukrainische Regierung macht Russland für die Straßenschlachten mit über 40 Toten in Odessa verantwortlich.

A woman reacts outside a trade union building, where a deadly fire occurred, during a rally in Odessa, May 3, 2014. At least 42 people were killed in street battles between supporters and opponents of Russia in southern Ukraine that ended with pro-Russian protesters trapped in a flaming building, bringing the country closer to war. The riot in the Black Sea port of Odessa that ended in a deadly blaze in a trade union building was by far the worst incident in Ukraine since a February uprising that ended with a pro-Russian president fleeing the country. REUTERS/Yevgeny Volokin (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

“Dutzende Tote sind das Resultat eines gut vorbereiteten und organisierten Angriffs auf das Volk, auf die Ukraine und auf Odessa”, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Sonntag in Odessa. Angesichts der Ausschreitungen in der Hafenstadt am Schwarzen Meer und weiterer Kämpfe in der Ostukraine am Wochenende hält Russlands Präsident Wladimir Putin die für den 25. Mai geplante Präsidentenwahl für undurchführbar. In der Separatistenhochburg Slawjansk ließen prorussische Kräfte am Samstag eine OSZE-Beobachtergruppe - darunter vier Deutsche - nach acht Tagen Geiselhaft frei.

Am Sonntag blieb es in Odessa vergleichsweise ruhig. Vor einer Polizeistation versammelten sich Hunderte prorussische Demonstranten und forderten die Freilassung ihrer Gesinnungsgenossen. Sie warfen Fensterscheiben ein. Nach Polizeiangaben waren 50 von 170 Festgenommenen wieder auf freiem Fuß. Vor dem ausgebrannten Gewerkschaftsgebäude lagen Blumen. Dort hatten sich am Freitag prorussische Demonstranten nach Straßenschlachten mit Anhängern der Regierung in Kiew verbarrikadiert. Das Gebäude war mit Brandsätzen beworfen worden. In den Flammen kamen viele Menschen um.

Jazenjuk warf der Polizei in der Hafenstadt im Süden Versagen vor. Er deutete an, sie sei eher interessiert an korrupten Machenschaften als an Sicherheit und Ordnung. Wenn die Polizei ihre Pflicht getan hätte, “wären die terroristischen Organisationen gescheitert”. Bereits am Samstag hatte die russische Regierung die Führung in Kiew und ihre westlichen Unterstützer für den gravierendsten Zwischenfall seit dem Sturz des von Russland unterstützten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch verantwortlich gemacht.

LAGE AUCH IM OSTEN DER UKRAINE RUHIG

Auch im Osten des Landes blieb es am Sonntag weitgehend ruhig, nachdem sich ukrainische Kräfte am Samstag heftige Gefechte mit Separatisten geliefert hatten. Ein Reuters-Reporter meldete jedoch Schusswechsel an der Straße zwischen Charkiw und Isjum, wo die ukrainischen Truppen eine Straßensperre der prorussischen Kräfte einnahmen. Am Samstag konzentrierten sich die Kämpfe auf die Stadt Kramatorsk, südlich von Slawjansk. Dort ließen die prorussischen Kräfte die OSZE-Beobachtergruppe frei. Die sieben Männer kamen am Samstagabend in Berlin an.

US-Außenminister John Kerry begrüßte die Freilassung als ersten Schritt zur Entspannung der Lage, dem aber weitere folgen müssten. Sein deutscher Amtskollege Frank-Walter Steinmeier hob die Rolle Russlands bei der Freilassung der Geiseln hervor. Er wolle sich “ganz herzlich für den persönlichen Einsatz von Wladimir Lukin” bedanken, sagte er in Berlin. Putin hatte seinen Unterhändler Lukin nach Slawjansk geschickt, um zu vermitteln.

Der Westen wirft Russland seit Wochen vor, seinen Einfluss auf prorussische Militante nicht für eine Entspannung der Lage zu nutzen. Am Freitag hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama in Washington Russland aufgefordert, sich für die Wahl Ende Mai einzusetzen. Sollte Russland dies unterlaufen, werde das Sanktionen nach sich ziehen. Der Westen wertet die Wahl als Schritt zu einer legitimen Regierung, was zur Befriedung der Lage beitragen werde. Dagegen erklärte der Sprecher des Präsidialamtes in Moskau, Wahlen unter den jetzigen Umständen seien absurd.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte die USA auf, ihren Einfluss geltend machen, damit das “Regime in Kiew” sofort seinen Militäreinsatz in der Ostukraine beende. Russland erklärte, es habe seien Einfluss auf die Selbstverteidigungskräfte” in der Ostukraine verloren.

In Donezk, dem industriellen Zentrum im Osten des Landes, haben Separatisten ein Referendum für den 11. Mai über eine Abtrennung ihrer Region von der Ukraine angekündigt. Auch der Abspaltung der Halbinsel Krim ging eine Volksabstimmung voraus. Russland rechtfertigt seine Interventionen damit, die vielfach russisch-stämmige Bevölkerung in der Ostukraine schützen zu wollen.

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