May 31, 2018 / 11:28 AM / 25 days ago

Journalist Babtschenko verteidigt vorgetäuschte Ermordung

Kiew/Berlin (Reuters) - Der russische Journalist Arkadi Babtschenko hat seine vorgetäuschte Ermordung gegen Kritik verteidigt.

Russian dissident journalist Arkady Babchenko speaks during an interview with foreign media in Kiev, Ukraine May 31, 2018. REUTERS/Valentyn Ogirenko

“An alle, die sagen, dass dies das Vertrauen in Journalisten untergräbt: Was hätten Sie an meiner Stelle gemacht?” fragte er am Donnerstag. Der Fall des vergifteten russischen Ex-Spions Sergej Skripal habe gezeigt, dass man sich nicht verstecken könne. Babtschenko gab zudem Einzelheiten der Täuschung vom Dienstag bekannt, bei der er mit Schweineblut übergossen worden und dann in eine Leichenhalle gebracht worden sei. Bundesaußenminister Heiko Maas forderte kurz vor seiner Ukraine-Reise von der Regierung in Kiew Aufklärung.

Babtschenkos angebliche Ermordung war von den ukrainischen Behörden verbreitet worden, die für die Tat Russland verantwortlich machten. Am Mittwoch erschien der regierungskritische Journalist dann überraschend wohlbehalten auf einer Pressekonferenz. Sein Tod sei vorgetäuscht worden, um die Verantwortlichen fassen zu können. Die Regierung in Moskau wies jede Beteiligung zurück.

SCHWEINEBLUT UND DURCHLÖCHERTES T-SHIRT

Als die ukrainische Polizei auf ihn zugekommen sei mit der Nachricht, dass jemand ihn töten wolle, habe er zuerst abweisend reagiert, sagte Babtschenko. “Meine erste Reaktion war, zur Hölle mit euch, ich will eine Tasche packen und zum Nordpol verschwinden.” Der Fall Skripal habe jedoch gezeigt, dass es sinnlos sei, sich zu verstecken. Der Ex-Agent und seine Tochter waren vergiftet worden. Die britische Regierung macht dafür Russland verantwortlich, was die Regierung in Moskau zurückweist.

Am Abend der Täuschung sei ein Maskenbildner in seine Wohnung gekommen und habe ihn wie einen Erschossen geschminkt, erzählte Babtschenko weiter. Er habe ein T-Shirt mit fingierten Schlusslöchern bekommen und sei mit Schweineblut übergossen worden. Die herbeigerufenen Sanitäter seien eingeweiht gewesen und hätten ihn im Krankenhaus für tot erklärt. “Nachdem sich die Türen der Leichenhalle hinter mir schlossen, bin ich auferstanden”, sagte er. “Dann habe ich die Nachrichten geschaut und gesehen, was für ein toller Typ ich gewesen war.” Zu seinen Zukunftsplänen sagte Babtschenko: “Ich will anständig schlafen, mich vielleicht betrinken und dann in zwei oder drei Tagen aufwachen.”

Maas sollte am Donnerstag zu einer zweitägigen Ukraine-Reise aufbrechen. Der Fall Babtschenko werfe viele Fragen auch zum Thema Glaubwürdigkeit auf, sagte er zuvor. “Ich habe schon die Erwartung, dass, wenn ich heute Abend in Kiew bin, ich die noch notwendigen Informationen erhalte, um mir daraus dann eine Meinung zu bilden.”

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