May 30, 2018 / 5:36 AM / in 5 months

Russischer Journalist und Kreml-Kritiker in Kiew erschossen

Kiew (Reuters) - Der russische Journalist und Kreml-Kritiker Arkadi Babtschenko ist in der Ukraine erschossen worden.

Ukrainian police officers guard as flowers are placed near the entrance to a house where Russian journalist Arkady Babchenko was shot and died of his wounds in an ambulance, in Kiev, Ukraine May 29, 2018. REUTERS/Valentyn Ogirenko

Die Polizei sprach von Mord. Der 41-Jährige sei vermutlich aufgrund seiner professionellen Aktivitäten umgebracht worden. Babtschenko war einer der bekanntesten Kriegskorrespondenten Russlands. Er war aus seiner Heimat geflohen, weil er nach eigenen Angaben um sein Leben fürchtete, nachdem er die russische Ukraine- und Syrien-Politik kritisiert hatte.

Der ukrainische Abgeordnete Anton Geraschtschenko, ein Berater des Innenministers, machte auf Facebook Russland verantwortlich. Das “Regime” von Präsident Wladimir Putin nehme diejenigen ins Visier, die nicht gebrochen oder eingeschüchtert werden könnten. Babtschenko sei “ein Gegner des Putin-Regimes und ein Freund der Ukraine” gewesen. Das russische Außenministerium erklärte dagegen, in der Ukraine würden Journalisten getötet, ohne dass die Taten bestraft würden. “Blutige Verbrechen und totale Straffreiheit sind für das Kiew-Regime zur Routine geworden.” Die Ukraine müsse den Fall umgehend untersuchen. Die russischen Behörden hätten ein Strafverfahren im Fall Babtschenko eröffnet. Vor zwei Jahren war der weißrussische Journalist Pawel Scheremet, ein Kritiker der Regierung seines Heimatlandes und ein Freund des erschossenen russischen Oppositionsführers Boris Nemzow, bei einem Autobombenanschlag in Kiew getötet worden.

“MEHRMALS IN DEN RÜCKEN GESCHOSSEN”

Babtschenko war am Dienstag nach Angaben Geraschtschenkos noch einmal nach draußen gegangen, weil er kein Brot mehr hatte. Auf der Eingangstreppe zu seinem Haus habe ihm jemand aufgelauert, der ihm mehrmals in den Rücken geschossen habe. Laut Polizei fand seine Frau Babtschenko blutüberströmt. Er sei seinen Verletzungen in einem Krankenwagen erlegen. Die Frau befinde sich im Schockzustand und habe noch nicht befragt werden können. Die Behörden veröffentlichten eine Phantombildzeichnung des 40- bis 45-jährigen verdächtigen Täters.

Babtschenko hatte als Soldat im Tschetschenien-Krieg gekämpft. Anschließend berichtete er für mehrere russische Zeitung aus Kriegsgebieten. Ende Februar vergangenen Jahres teilte er auf Facebook mit, dass er seine Heimat verlassen habe. In seinem letzten Eintrag in dem Online-Netzwerk vor seiner Tötung schrieb er über einen Vorfall vor vier Jahren, als er in einem ukrainischen Militärhubschrauber im umkämpften Donbass mitfliegen sollte. Da der Helikopter jedoch überladen gewesen sei, habe er nicht an Bord gedurft. Der Hubschrauber sei abgeschossen worden. 14 Insassen seien gestorben. “Und ich hatte Glück. Ein zweiter Geburtstag, wie sich herausstellte.”

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