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Weltnachrichten

Ausweitung von Tigray-Konflikt droht - UN rechnen mit 200.000 Flüchtlingen

A logo is pictured on a banner at the UNHCR headquarters in Geneva, Switzerland June 13, 2018. REUTERS/Denis Balibouse

Addis Abeba (Reuters) - In Äthiopien haben Streitkräfte der Region Tigray im Konflikt mit der Zentralregierung die Hauptstadt der Nachbarregion Amhara beschossen.

In Bahir Dar seien Raketen eingeschlagen, teilte die dortige Regionalregierung am Freitag per Facebook mit. Opfer habe es nicht gegeben. Augenzeugen berichteten von zwei Explosionen, mindestens eine Rakete sei in der Nähe des Flughafens von Bahir Dar eingeschlagen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Kämpfe zwischen Soldaten der Zentralregierung in Addis Abeba und den Streitkräften in Tigray ausweiten. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) rechnet damit, dass bis zu 200.000 Menschen in Äthiopiens Nachbarland Sudan fliehen.

Flüchtlinge berichteten, Milizionäre aus Amhara unterstützten die von Ministerpräsident Abiy Achmed entsandten Truppen im Kampf gegen die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF. Zudem liegen Tigray und Amhara seit längerem im Streit über den Verlauf ihrer Grenze. Die Regionalregierung in Amhara erklärte, die Raketen seien von “der illegitimen TPLF” abgefeuert worden. Bahir Dar liegt Hunderte Kilometer entfernt von den Kämpfen in Tigray.

In den mittlerweile über zwei Wochen anhaltenden Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und Streitkräften der TPLF sind Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen getötet worden. Derzeit seien bereits gut 31.000 Menschen auf der Flucht, sagte der UNHCR-Vertreter, Axel Bisschop, in Genf. “Die neue Zahl, mit der wir planen, ist 200.000.” Das UNHCR forderte eine sofortige Waffenruhe, um Korridore für benötigte Hilfen zu ermöglichen. Um Hilfe zu leisten seien dringend 200 Millionen Dollar nötig. In Tigray waren schon vor Beginn der Kämpfe Hunderttausende Menschen abhängig von Hilfslieferungen.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef befürchtet den Ausbruch von Krankheiten angesichts der schlechten sanitären Bedingungen. Die Hälfte der Geflohenen seien Kinder, sagte der Unicef-Vertreter im Sudan, Abdullah Fadil. Er zeigte sich besorgt, dass die Fluchtbewegung sich massiv auf den Sudan auswirken könne, der bereits eine Million Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten aufgenommen hat und vor erheblichen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen steht.

Auslöser der Kämpfe in Tigray ist nach Darstellung der Regierung in Addis Abeba ein bewaffneter Angriff von TPLF-Kräften auf in Tigray stationierte Regierungstruppen. Ministerpräsident Abiy wirft der in Tigray regierenden TPLF vor, einen bewaffneten Aufstand angezettelt zu haben. Die Partei dagegen hält Abiy vor, er verfolge sie und vertreibe ihre Politiker von Regierungs- und Sicherheitsposten.

In dem Konflikt spielen ethnische Gruppen eine große Rolle. Äthiopien, eine Föderation aus zehn ethnischen Regionen, wurde jahrzehntelang von Tigray dominiert, bis Abiy vor zwei Jahren Ministerpräsident wurde. Er gehört der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an und hat auch familiäre Wurzeln in Amhara.

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