June 19, 2018 / 7:16 AM / a month ago

Flüchtlingszahlen in Deutschland sinken gegen weltweiten Trend

Genf (Reuters) - Während in Deutschland seit dem Rekordjahr 2015 immer weniger Flüchtlinge ankommen, steigt weltweit die Zahl der Hilfesuchenden an.

The UNHCR headquarters are pictured before an interview with United Nations High Commissioner for Refugees Filippo Grandi in Geneva, Switzerland June 13, 2018. Picture taken June 13, 2018. REUTERS/Denis Balibouse

Vergangenes Jahr wurden hierzulande 186.644 Asylsuchende erfasst, wie aus dem am Dienstag vorgelegten Jahresbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervorgeht. 2016 passierten noch gut 280.000 Asylsuchende die deutschen Grenze. 2015 waren es fünfmal mehr. Der globale Trend ist gegenläufig: 2017 waren 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht, knapp drei Millionen mehr als im Vorjahr.

Zwar hat sich die Union in einen heftigen Streit über den Umgang mit Asylbewerbern verstrickt, an den deutschen Grenzen aber nimmt der Druck ab. Im ersten Quartal 2018 sank nach UNHCR-Angaben erneut die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent. Der UNHCR-Vertreter in Deutschland, Dominik Bartsch, mahnte zur Sachlichkeit in der Flüchtlingsdebatte: “Leider wird kaum über die Chance gesprochen, das Potenzial dieser Menschen zu nutzen.” Es liege an Deutschland selbst, ob diese Menschen eine Bürde oder eine Bereicherung seien.

In der Rangfolge der Länder, die die meisten Flüchtlinge anerkannt haben, belegt Deutschland mit über 970.000 Menschen den sechsten Platz. Die Türkei bietet im internationalen Vergleich bei weiten mit 3,5 Millionen den meisten Menschen Schutz. Die Plätze zwei und drei teilen sich Pakistan und Uganda mit jeweils 1,4 Millionen Personen. Vor Deutschland liegen mit etwas unter einer Million aufgenommener Flüchtlinge der Libanon und der Iran.

IM LIBANON IST JEDER SECHSTE BEWOHNER EIN FLÜCHTLING

Ende 2017 schob allerdings Deutschland im Vergleich zu den anderen fünf Ländern mit knapp 430.000 Fällen den größten Berg noch unentschiedener Asylanträge vor sich her. Im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung hat der Libanon die meisten Menschen aufgenommen. Dort ist jeder sechste Einwohner ein Flüchtling aus Syrien.

Ein besonderes Augenmerk legte der UNHCR auf die Entwicklung in den USA, die unter Präsident Donald Trump die Aufnahme von Flüchtlingen drastisch eingeschränkt haben. UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi kritisierte die Trennung von Kinder von ihren asylsuchenden Familien. Die US-Regierung dürfe nicht die Menschen bestrafen, die oft aus stichhaltigem Grunde Schutz suchten. Grandi mahnte, Regierungen müssten den Menschen erklären, warum es richtig sei, Flüchtlingen zu helfen. Stattdessen sei häufig das Gegenteil eingetreten. Es würden Ängste geschürt, um die eigene Wählerschaft zu stärken.

Zwei Drittel der Flüchtlinge kommen aus fünf Ländern: Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia. Die meisten der vom UNHCR erfassten 68,5 Millionen Flüchtlinge sind im eigenen Land geblieben. Über 25 Millionen haben dagegen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt in den vergangenen Jahren die Heimat verlassen. 2017 waren es knapp drei Millionen Menschen, die sich auf den Weg in ein anderes Land machten - der größte Anstieg grenzüberschreitender Fluchtbewegungen seit UNHCR-Gründung 1951. Im vergangenen Jahr war es vor allem die Krise im Kongo, der Krieg im Südsudan und die Vertreibung der Rohingya aus Myanmar, die die meisten Menschen zum Verlassen ihrer Heimstätten zwangen.

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