October 5, 2016 / 1:17 PM / in 3 years

Deutsche Bank unter Beschuss - IWF und Blackrock poltern

Washington/Frankfurt (Reuters) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Deutsche Bank in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert.

The BlackRock logo is seen outside of its offices in New York January 18, 2012. B REUTERS/Shannon Stapleton/File Photo GLOBAL BUSINESS WEEK AHEAD PACKAGE - SEARCH "BUSINESS WEEK AHEAD JULY 11" FOR ALL IMAGES

“Die Deutsche Bank gehört zu den Banken, die weiter Anpassungen vornehmen müssen, um Investoren davon zu überzeugen, dass ihr Geschäftsmodell für die Zukunft tragfähig ist”, sagte IWF-Geld- und Kapitalmarkt-Experte Peter Dattels am Mittwoch in Washington. Zudem müssten die Anleger überzeugt werden, dass Deutschlands größtes Geldhaus seine Risiken aus diversen Rechtsstreitigkeiten im Griff habe.

Für Deutsche-Bank-Chef John Cryan kommen die mahnenden Worte zu einem kritischen Zeitpunkt: Das renditeschwache Institut steckt gerade mitten im Verhandlungspoker mit den US-Behörden, um eine 14-Milliarden-Dollar-Strafe im Streit um faule Hypothekenpapiere abzuwenden. Das Thema dürfte auch bei der Herbsttagung des IWF in Washington im Mittelpunkt stehen. Dort versammeln sich Ende der Woche zahlreiche hochkarätige Banker, Notenbanker und Politiker, um unter anderem über die Lage an den Finanzmärkten zu diskutieren. Cryan ist auch dabei. Der Deutschen Bank - vom IWF als gefährlichste Bank der Welt eingestuft - haben die Anleger zuletzt massiv das Vertrauen entzogen: Die Aktie stürzte vor wenigen Tagen auf ein neues Rekordtief von 9,90 Euro. Die ersten Kunden ziehen Gelder ab. Manch einer fühlt sich bereits an den Vorabend der Finanzkrise 2007 erinnert.

Die Deutsche Bank selbst argumentiert, sie habe genug Liquidität, eine dicke Kapitaldecke und sei in Sachen Bilanzrisiken noch nie so sicher gewesen wie heute. Doch so lange der Hypothekenstreit nicht gelöst ist, bleibt die Unsicherheit, wie widerstandsfähig das Institut wirklich ist. Denn es schwelen noch viele andere Rechtsstreitigkeiten, die viel Geld kosten können. Hinzu kommen die Niedrigzinsen, die sich bei allen europäischen Banken tief in die Bilanz fressen. Darauf ging der IWF in seinem Bericht zur globalen Finanzstabilität ein: Die allgemeine Ertragsschwäche der hiesigen Institute in einem Umfeld niedriger Zinsen und geringen Wirtschaftswachstums könnte die Kapitalpuffer mit der Zeit aufzehren, hieß es. Hinzu kämen faule Kredite im Gesamtvolumen von schätzungsweise 900 Milliarden Euro.

Die Europäische Zentralbank (EZB) als Aufseherin über die Großbanken auf dem Kontinent ging in Verteidigungsstellung. “Es gibt einzelne Fälle von Banken mit Problemen, aber das System ist solide”, sagte EZB-Bankenwächter Ignazio Angeloni in Mailand. Die Voraussetzungen für eine systemische Krise seien nicht gegeben.

BLACKROCK: “ES IST FRUSTRIEREND”

Größter Investor der Deutschen Bank ist neben dem Emirat Katar der US-Fondsriese Blackrock. Dessen Vize-Chef Philipp Hildebrand meldete sich in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” zu Wort und warb dort ebenfalls ungewohnt offen für Fusionen unter Europas Großbanken, und zwar grenzüberschreitend. “Wenn wir über einen Konsolidierungsbedarf sprechen, dann sollten wir das nicht im nationalen Rahmen tun”, betonte er. Die Politik müsse dafür aber endlich klare Signale senden.

Auch Hildebrand kritisierte, viele europäische Banken wüssten immer noch nicht, wie man nachhaltig Geld verdiene. Auf die Deutsche Bank ging er zwar nicht explizit ein. Der Blackrock-Manager übte aber grundsätzliche Kritik am Zustand der Branche: “Es ist frustrierend, dass sich in einer Reihe großer europäischer Banken trotz aller Rhetorik noch immer nicht klar genug die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass eine radikale Neuorientierung des Geschäftsmodells notwendig ist.”

Die Deutsche Bank gerät Finanzkreisen zufolge in ihren Gesprächen mit wichtigen Investoren schon seit einiger Zeit unter Druck, sich angesichts ihrer nicht enden wollenden Aufräumarbeiten nach einem potenziellen Fusionspartner umzuschauen. “Das wurde schon im Frühjahr angeregt und stieß damals bei der Bank auf wenig Interesse”, berichtete ein Insider von einem Top-10-Aktionär. Von einem anderen Investor hieß es: “Das Fusionsthema wird unter den Aktionären inzwischen offen diskutiert.” Die Deutsche Bank wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Aus Aufsichtskreisen hieß es zuletzt, vor allem die französischen Großbanken scharrten mit den Hufen und wollten grenzüberschreitende Deals vorantreiben.

Wer auch immer als Käufer einer Deutschen Bank infrage käme - er bräuchte wohl grünes Licht aus Berlin. Und in der deutschen Politik gibt es momentan eine Präferenz für eine nationale Lösung: einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank. Gespräche zwischen beiden Instituten hatte es im August denn auch kurz gegeben, wie Insider berichteten. Sie wurden allerdings sehr schnell wieder beendet.

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