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Unternehmensnachrichten

Regierung verweigert Billigflieger Norwegian weitere Finanzhilfe

FILE PHOTO: Norwegian Air Sweden Boeing 737-800 plane SE-RRJ approaches Riga International Airport in Riga, Latvia January 17, 2020. REUTERS/Ints Kalnins/File Photo

Frankfurt (Reuters) - Für die norwegische Billigairline Norwegian wird der Überlebenskampf in der Corona-Krise immer härter.

Die norwegische Regierung in Oslo verweigerte am Montag weitere Kredithilfe. Das sei enttäuschend und ein Schlag in die Magengrube, erklärte Norwegian-Chef Jacob Schram. “Das Unternehmen und der Aufsichtsrat werden jeden Stein umdrehen, um die Lage zu meistern”, sagte er. Die Airline brauche Hilfe, um durch den Winter zu kommen. Eine Pleite wollte Schram auf eine entsprechende Frage nicht ausschließen. Zuvor hatte die Regierung mitgeteilt, sie werde Norwegian keine weitere Finanzhilfe über die erste Kreditgarantie für umgerechnet 280 Millionen Euro hinaus mehr leisten. “Das ist eine harte Botschaft”, erklärte Industrieministerin Iselin Nyboe. Aber die Finanzstruktur von Norwegian sei zu riskant, weitere Hilfe wäre kein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln. Der Aktienkurs rauschte um 23 Prozent in die Tiefe, sodass der Wert der Papiere seit Jahresbeginn fast ausradiert wurde. Norwegian hatte sich um weitere Unterstützung des Staates bemüht, weil der Airline nach frührer Aussage sonst Anfang 2021 das Geld ausgehen würde. Die Gesellschaft war wegen ihrer starken Expansion in den vergangenen Jahren schon vor Ausbruch der Corona-Krise hoch verschuldet. Als einzige europäische Billigfluglinie bot sie Transatlantikflüge an, obwohl die Kosten für die Langstreckenflüge hoch sind. Mitte des Jahres lag die Verschuldung bei acht Milliarden Dollar. Das erweise sich jetzt, wo sie vom Staat gestützt werden wolle, als Nachteil, erklärte Bertrand Grabowski, ein Luftfahrt-Berater. “Man kann norwegisches Steuerzahlergeld vielleicht nutzen, um einer regionalen Airline zu helfen, aber nicht einer mit Flügen wie Paris-New York oder London-Buenos Aires.” Die Corona-Krise bringt die Luftfahrt weltweit mit dem massiven Geschäftseinbruch aufgrund von Reisebeschränkungen an den Rand des Kollaps. Im Oktober hatte Norwegian nur 21 Flugzeuge im Einsatz. Mehr als 100 blieben am Boden, einschließlich der Langstreckenflotte. Im Mai übernahmen die größten Gläubiger, darunter ein chinesischer Flugzeugleasing-Anbieter, die Kontrolle. Sie wandelten milliardenhohe Schulden der Airline in Eigenkapital um. Das verschaffte Norwegian Zugriff auf umgerechnet 280 Millionen Euro staatlich verbürgten Kredit. Die Mitte-Rechts-Regierung in Oslo hält nichts von einer Verstaatlichung der Fluggesellschaft. Die Luftfahrt werde wahrscheinlich ein ausreichendes Flugangebot liefern können, erklärte die Industrieministerin. Verkehrsminister Knut Hareide sagte, Norwegian habe finanzielle Probleme in der Vergangenheit meistern können. Er wolle nicht spekulieren, ob sie dazu jetzt auch noch in der Lage sei. Hauptkonkurrenten von Norwegian sind die schwedisch-dänische SAS und der ungarische Billigflieger Wizz. Die Pläne der Ungarn zu Inlandsflügen in Norwegen könnten eine Rolle gespielt haben bei dem Beschluss der Regierung, “kein gutes Geld mehr schlechtem hinterherzuwerfen”, erklärte Daniel Röska, Analyst von Bernstein Research. Airline-Chef Schram will jetzt versuchen, Geld durch den Verkauf von Flugzeugen hereinzuholen oder noch mehr Schulden in Eigenkapital umzuwandeln. Für die Leasingfirmen steht viel auf dem Spiel - sie würden auf einem großen Flugzeugbestand bei einem ohnehin schon schwachen Leasingmarkt sitzen bleiben.

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