June 30, 2010 / 5:57 AM / 9 years ago

Petraeus dämpft Hoffnung auf raschen Afghanistan-Sieg

Washington (Reuters) - Der designierte Kommandeur der ausländischen Truppen in Afghanistan hat Hoffnungen auf einen raschen Erfolg am Hindukusch einen Dämpfer versetzt.

“Nach meiner Einschätzung werden die schweren Kämpfe andauern und in den nächsten Monaten sogar an Intensität zunehmen”, sagte General David Petraeus bei seiner Anhörung im Senat am Dienstag. In dem Maße wie die amerikanischen und anderen ausländischen Truppen Rückzugsgebiete der Taliban angriffen und deren Bewegungsfreiheit einschränkten, reagiere der Gegner. Die Sicherheitslage in Afghanistan sei dürftig, und die Taliban seien zuversichtlich, die USA und ihre Verbündeten besiegen zu können.

Präsident Barack Obama hat Petraeus zum Nachfolger von Stanley McChrystal ernannt, den er wegen kritischer Äußerungen entlassen hatte. In seiner schriftlich vorgelegten Erklärung für die Senatoren kündigte Petraeus eine Überprüfung der Kriegführung an. Auch die Einsatzregeln kämen auf den Prüfstand. Kritiker sehen in dem darin formulierten Vorrang für den Schutz der afghanischen Zivilbevölkerung eine Gefährdung der amerikanischen Truppen. Das zuständige Senats-Komitee segnete seine Nominierung ab und machte damit den Weg für eine Zustimmung der gesamten Kammer frei. Die Abstimmung wurde noch für diese Woche erwartet.

Petraeus bekundete seine Unterstützung für Obamas Strategie, den Afghanen schrittweise die Verantwortung für die Sicherheit zu übertragen. Im Irak-Krieg hat diese Vorgehensweise zusammen mit einer zeitweiligen Verstärkung der US-Truppen Früchte getragen. Die Strategie hatte damals Petraeus erarbeitet. Allerdings schwindet unter Obamas Demokraten die Unterstützung für den Krieg in Afghanistan.

KEINE HINDERNISSE FÜR BERUFUNG PETRAEUS’ ERWARTET

Für Petraeus ist der neue Posten technisch gesehen ein Abstieg, führt er doch bislang das Central Command, dem alle US-Truppen in dem Gebiet vom Nahen Osten bis nach Zentralasien unterstehen. In Amerika, wo er große Hochachtung wegen seiner Leistungen im Irak-Krieg genießt, könnte ihm dies aber weitere Pluspunkte einbringen. Dazu muss er es aber schaffen, die Sicherheitslage in Afghanistan soweit zu stabilisieren, dass die US-Truppen wie von Obama vorgesehen ab 2011 abziehen können.

Was Petraeus im Irak gelang, scheint in Afghanistan jedoch deutlich schwieriger. Das entscheidende Problem, der Aufbau funktionsfähiger Polizei- und Armee-Einheiten, verläuft nur schleppend und einem jüngsten Bericht zufolge nur mit mäßigem Erfolg. “Stand heute wissen wir nicht, was die afghanischen Sicherheitskräfte wirklich können”, sagte Arnold Fields, der Chefinspekteur im Büro des Sondergeneralinspekteurs für den Aufbau in Afghanistan, am Montag in Washington. Die Truppenstärke werde übertrieben und die Abwesenheit von Soldaten ignoriert.

Eigentlich sollte die afghanische Armee bis Oktober 2010 über 134.000 Soldaten verfügen, bis Oktober 2011 sollten 171.000 Soldaten bereitstehen. Die Zielstärken für die Polizei sind 109.000 für 2010 und 134.000 für 2011. Insgesamt 27 Milliarden Dollar wurden für den Aufbau von Polizei und Armee bisher ausgegeben. Alle Bemühungen würden jedoch durch die weit verbreitete Korruption und den Drogenmissbrauch bei den Sicherheitskräften behindert, schrieben die Prüfer. Es gebe außerdem zu wenige Ausbilder, die manchmal selbst schlecht ausgebildet seien.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below