November 17, 2014 / 1:33 PM / 4 years ago

Neue Milliardenfusion in Pharmabranche

New York/Frankfurt (Reuters) - In der Pharmabranche steht die nächste große Milliardenübernahme an: Der als Generikaproduzent groß gewordene US-Konzern Actavis will für rund 66 Milliarden Dollar den kalifornischen Botox-Hersteller Allergan schlucken, wie beide Unternehmen am Montag ankündigten.

Allergan Chief Executive David Pyott speaks during an interview in New York July 8, 2014. REUTERS/Shannon Stapleton

Die Führungspitzen der Konzerne verständigten sich auf eine entsprechende Vereinbarung. Durch die Übernahme entsteht ein Arzneimittelriese mit einem Jahresumsatz von rund 23 Milliarden Dollar, der zu den zehn weltweit größten zählt. Actavis wirft mit dem Vorstoß den kanadischen Konkurrenten Valeant aus dem Rennen, der weniger für Allergan bot. Die Kanadier kündigten an, ihren Übernahmeversuch nun aufzugeben.

An der Börse kam die Ankündigung gut an: Allergan-Aktien kletterten im US-Börsenhandel mehr als sechs Prozent auf 212,25 Dollar - auch Actavis-Aktien legten mehr als vier Prozent zu. “Wir werden eine unerreichte Grundlage für langfristiges Wachstum schaffen”, umwarb Actavis-Chef Brent Saunders die Allergan-Aktionäre. Allergan habe eine starke Marktposition in der Augenheilkunde, in der Bekämpfung von Nervenleiden sowie bei Medikamenten gegen Hautkrankheiten. Actavis wiederum sei beispielsweise bei Arzneien gegen Magendarm-Erkrankungen und in der Gynäkologie stark. Zudem besitze das kombinierte Unternehmen künftig mehrere Blockbuster-Präparate.

Actavis bietet den Allergan-Aktionären 129,22 Dollar in bar sowie 0,3683 Actavis-Aktien je Allergan-Anteilsschein. Das entspricht 219 Dollar je Allergan-Aktie. Der fusionierte Konzern besitze eine starke Bilanz, wachsende Produkte und sei in mehr als 100 Märkten aktiv, erklärte Saunders. Die Übernahme soll innerhalb der ersten zwölf Monate nach Abschluss zum Gewinn von Actavis beitragen. Saunders stellte außerdem einen jährlichen Umsatzanstieg von im Schnitt mehr als zehn Prozent in Aussicht. Der Zusammenschluss soll ab 2016 jährliche Einsparungen von mindestens 1,8 Milliarden Dollar ermöglichen.

Der Deal hat auch Konsequenzen für eine mögliche weitere milliardenschwere Transaktion. Banker hatten zuletzt gesagt, der US-Pharmakonzern Pfizer habe nach dem Scheitern der Übernahme des britisch-schwedischen Arzneimittelherstellers AstraZeneca weitere Ziele ins Visier genommen - darunter auch Actavis. Gelingt Actavis jetzt der Kauf von Allergan, wäre der Generikakonzern für Pfizer ein weitaus größerer Brocken. Pfizer kündigte unterdessen am Montag eine umfassende Allianz mit dem Darmstädter Merck-Konzern in der Immuntherapie von Krebs an. Actavis selbst ist schon seit einiger Zeit auf Einkaufstour. Erst vor wenigen Monaten hatte Actavis die Übernahme des US-Pharmaunternehmens Forest Labs für 25 Milliarden Dollar abgeschlossen.

VALEANT STREICHT DIE SEGEL

Der Vorstoß von Actavis bedeutet das Aus für den Rivalen Valeant. Der Konzern aus Quebec, der den Hersteller des bekannten Faltenglätters im Verbund mit dem Allergan-Großaktionär William Ackman schlucken wollte, kündigte an, nicht mit Actavis gleichzuziehen. Die Kanadier hatten zuletzt eine Aufstockung ihrer Offerte auf rund 60 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt - sechs Milliarden weniger als Actavis nun bietet. Die Allergan-Führung hatte die Übernahmepläne von Valeant allerdings von Anfang an abgelehnt. Ein monatelanger Abwehrkampf entbrannte. Zuletzt beschäftigte das Ringen sogar die Gerichte. Allergan-Chef David Pyott hatte die Aktionäre unter anderem vor einem massiven Sparkurs in der Forschung unter einer Führung durch die Kanadier gewarnt.

Dagegen stellte sich Pyott nun klar hinter die Offerte von Actavis. Die Übernahme durch den Konzern mit Sitz in Dublin schaffe erheblichen und sofortigen Wert für die Allergan-Aktionäre. “Wir schließen uns mit einem Partner zusammen, der ideal passt, um unser ganzes Potenzial in unserem Geschäft umzusetzen.” Auch Allergan-Großaktionär Ackman wird profitieren: Er kann jetzt die starken Kursgewinns der Allergan-Aktie für seine fast zehnprozentige Beteiligung einstreichen.

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