October 30, 2010 / 1:08 PM / 9 years ago

Paketbomben-Anschläge kurz vor US-Wahlen vereitelt

Washington (Reuters) - Wenige Tage vor den Kongresswahlen in den USA haben Sicherheitsbehörden zwei Anschläge mit Paketbomben auf jüdische Einrichtungen in Chicago vereitelt.

Cargo labeled with the Emirates logo sits on the tarmac at JFK International Airport after Emirates flight 201 was escorted in by fighter jets because of cargo from Yemen in its hold in New York October 29, 2010. Two suspicious packages being flown from Yemen to the United States were found in Britain and Dubai on Friday after a tip prompted authorities to search cargo planes on both sides of the Atlantic. The U.S. Department of Homeland Security said it was stepping up aviation security measures as a result of the scare. REUTERS/Lucas Jackson (UNITED STATES - Tags: TRANSPORT CRIME LAW)

Ermittler vermuten hinter den im Jemen aufgegeben Sendungen die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel. Der Sprengstoff wurde am Freitag auf dem Weg in die USA in zwei Frachtflugzeugen in England und Dubai entdeckt, woraufhin die Sicherheitsvorkehrungen in den USA verstärkt wurden. Ermittler schließen nicht aus, dass Extremisten mit den Sprengstoffsendungen die Frachtkontrollen testen wollten. Die Bundesregierung sieht unterdessen für Deutschland keine neue Bedrohungslage.

Das auf dem Flughafen in Dubai entdeckte Paket enthielt nach Angaben der örtlichen Polizei einen Computerdrucker, in dem die Chemikalie PETN versteckt war, die auch als Sprengstoff verwendet wird und schon bei einem vereitelten Anschlag auf ein Verkehrsflugzeug in den USA zu Weihnachten 2009 zum Einsatz kam. Gefunden wurden auch die SIM-Karte eines Mobiltelefons und der Stoff Bleiazid, der in Zündern zum Einsatz kommt. Das andere Paket wurde in einem Flugzeug auf dem englischen Flughafen East Midlands nördlich von Birmingham entdeckt.

US-Präsident Barack Obama sprach am Freitag von einer “glaubhaften terroristischen Bedrohung”. Nach Angaben seiner Regierung halfen neben Großbritannien und Dubai auch Behörden aus Saudi-Arabien beim Fund der Sendungen, die über die US-Paketdienste United Parcel Service (UPS) und FedEx verschickt wurden. Sicherheitskräfte suchten auch am Samstag nach weiteren Paketen, die möglicherweise in die USA geschickt werden sollten.

US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano sagte dem Sender ABC, die Pakete deuteten auf die Al-Kaida hin. Nach ihren Worten müssen Reisende damit rechnen, auf amerikanischen Flughäfen etwa mit Hilfe von Spürhunden strenger kontrolliert zu werden. Unklar ist nach ihren Worten, ob die Bomben noch an Bord der Flugzeuge oder an den Zielorten explodieren sollten. Geklärt werden soll auch, ob ähnliche Pakete verschickt worden waren, um Sicherheitskontrollen auszutesten.

UPS und FedEx stoppten alle Lieferungen aus dem Jemen. Auch die Deutsche-Post-Frachttochter DHL ist von den verschärften Sicherheitsvorkehrungen betroffen und muss alle Sendungen aus dem Jemen in die USA stoppen, wie eine Post-Sprecherin sagte. Befänden sich die Sendungen an Bord, müssten die Frachtmaschinen den nächstmöglichen Flughafen anfliegen. Die Frachttochter der Deutschen Lufthansa, die in der Regel größere Güter transportiert, war nach Angaben eines Sprechers nicht betroffen.

Auch Großbritannien kündigte an, alle Paketlieferungen aus dem Jemen zu stoppen. Innenministerin Theresa May sagte, der auf dem englischen Flughafen gefundene Sprengsatz hätte ein Flugzeug zum Absturz bringen können. Die Warnstufe für Anschläge solle aber nicht erhöht werden. Für Deutschland ändert sich nach den Bombenfunden nichts an der Bedrohungslage, wie Mays Kollege Thomas de Maiziere erklärte. Es gebe keine konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen. Die Bundespolizei will nach eigenen Angaben wegen ohnehin hoher Sicherheitsstandards die Kontrollen nicht verschärfen.

Im Jemen suchten unterdessen Sicherheitskräfte nach den Tätern. In der Hauptstadt Sanaa wurden Kontrollpunkte errichtet. Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, dass auch die Vorkehrungen an Flug- und Seehäfen verschärft wurden.

SCHRECK VOR DEN WAHLEN

Die Anschlagsversuche schrecken die US-Bürger kurz vor den Kongresswahlen am Dienstag auf. Der Wahlkampf wurde bislang nicht vom Thema Terrorismus bestimmt, sondern von der schwachen Konjunktur und der hohen Arbeitslosigkeit. Experten rechnen bisher damit, dass die Demokraten im Repräsentantenhaus die Mehrheit verlieren werden. Die Republikaner könnten nach der Wahl auch den Senat dominieren. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die jüngsten Anschlagsplanungen die Wahl entscheidend beeinflussen. “Die Wahl ist durch”, sagte der Politologe Larry Sabato von der University of Virgina. Nur ein Militäreinsatz könnte die Entscheidung noch beeinflussen.

Die Arabische Halbinsel gilt als neue Hochburg der in Afghanistan und Pakistan militärisch unter Druck geratenen Al-Kaida. Dessen Gruppe im Jemen gilt schon länger als der aggressivste Arm der Extremistenorganisation, die am 11. September 2001 die Anschläge in den USA verübte.

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