October 31, 2010 / 9:11 AM / 8 years ago

Paketbombe aus Jemen nahm Weg über Deutschland

Sanaa/Berlin (Reuters) - Die auf dem Weg in die USA abgefangenen Paketbomben haben Deutschland in größere Gefahr gebracht als zunächst angenommen.

An United Parcel Service (UPS) advertising board is seen at the Cologne/Bonn airport near Cologne October 31, 2010. REUTERS/Ina Fassbender

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere bestätigte am Sonntag, dass das in England sichergestellte Paket am Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden war. “Die Umstände deuten nicht darauf hin, dass Deutschland das Ziel des Anschlages sein sollte”, fügte de Maiziere hinzu, der wegen der Ereignisse eine Israel-Reise absagte. Nach Angaben des britischen Premierministers David Cameron hätte der Sprengsatz im Flugzeug gezündet werden können. Die Bombe hätte somit in oder über Deutschland explodieren können. Der erste Hinweis auf die Bomben kam laut de Maiziere aus Saudi-Arabien. Das Bundeskriminalamt (BKA) habe dann das konkrete Paket ermittelt.

Als Konsequenz aus den Paketfunden darf keine Fracht aus dem Jemen mehr nach Deutschland gebracht werden. Der Minister sprach in Dresden angesichts des ähnlichen Bombenfundes in Dubai von einem “größeren abgestimmten Vorgehen” der Hintermänner. Alle aus dem Jemen kommenden Frachtflüge seien bis auf weiteres gestoppt worden. Dies sei ein gemeinsames Vorgehen mit den USA, Großbritannien und Frankreich.

DE MAIZIERE: ERSTE HINWEISE IN DER NACHT AUF FREITAG

Die Sprengsätze werden der Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel zugeschrieben. Die Pakete waren an jüdische Einrichtungen in Chicago adressiert. In den USA wurden nach der Entdeckung wenige Tage vor den Kongresswahlen am Dienstag die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Präsident Barack Obama sprach von einer “glaubhaften terroristischen Bedrohung”. Zunächst hatten US-Behörden nicht ausgeschlossen, dass die Pakete benutzt wurden, um die Sicherheitskontrollen zu testen.

Die mit den Paketdienstleistern UPS und FedEx verschickten Sendungen wurden am Freitag in England und Dubai sichergestellt. “In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben wir von einem befreundeten Dienst den Hinweis bekommen, dass in Paketen, die an die USA gerichtet seien und in denen Kopiergeräte seien, Sprengstoff enthalten sei”, sagte de Maiziere dem MDR. Zu dem Zeitpunkt seien die Pakete bereits auf dem Weg nach Großbritannien gewesen. “Das Bundeskriminalamt hat dann sofort die Ermittlungen aufgenommen”, sagte der Minister. Es habe die Nummer des Pakets ermittelt und die britischen Behörden unterrichtet. “Durch diese schnelle Ermittlungsarbeit konnte Großbritannien diese Pakete aufklären, ermitteln und sicherstellen”, bevor sie auf den Weg in die USA gebracht wurden. “Nach den bisherigen Ermittlungen spricht alles dafür, dass es sich hierbei um vorbereiteten Sprengstoff handelte”, sagte de Maiziere. Die genaue Zusammensetzung “und welcher Schaden hätte angerichtet werden können, wird noch untersucht”.

Beide Pakete enthielten de Maiziere zufolge “einen Computer-Drucker, in dessen Tonerpatrone ein weißes Pulver” eingefüllt worden war. Neben technischen Bauteilen sei der Sprengstoff Nitropenta gefunden worden, auch bekannt als PETN. “Ob die konkrete bauliche Zusammensetzung (...) tatsächlich geeignet war, einen funktionsfähigen Sprengsatz herzustellen, wird derzeit noch geklärt”, sagte der Minister. Hingegen hatte der britische Premierminister Cameron am Samstag erklärt, die Bombe sei funktionsfähig gewesen. “Wir glauben, dass der Sprengsatz darauf ausgelegt war, in dem Flugzeug zu explodieren”, sagte er vor einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

AUS JEMEN GELAGERTES FRACHTGUT WIRD GEPRÜFT

Die Bundesregierung untersagte die Einfuhr jeglicher Fracht aus dem Jemen. “Wir lassen keinerlei Luftpostpakete und Fracht aus dem Jemen mehr nach Deutschland”, sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer. Das Luftfahrt-Bundesamt wies alle Fluggesellschaften, Expressdienstleister und andere Unternehmen an, bereits gelagerte Fracht aus dem Jemen zu 100 Prozent zu kontrollieren. Das gelte besonders für Sendungen, die nicht für Deutschland bestimmt seien, sondern das Land nur passierten. Auch alle Fracht aus dem Jemen, die auf der Straße oder per Schiene transportiert wird, muss kontrolliert werden. Davon ist auch die Deutsche-Post-Tochter DHL betroffen. Nach Angaben des Verkehrsministeriums wird die DHL-Fracht auf dem Flughafen Leipzig/Halle verwahrt. Aus Branchenkreisen verlautete, dass im Ausland abgeschickte Sendungen, die dort die Sicherheitskontrolle durchlaufen hätten, in Deutschland nicht nochmals überprüft werden müssten, wenn es nur Transitgut sei.

Ein Vertreter der US-Regierung sagte, der saudiarabische Extremist Ibrahim Hassan Al-Asiri sei ein Hauptverdächtiger wegen seiner Erfahrung mit Sprengstoffen. Er arbeite vermutlich mit dem Ableger des Extremistennetzwerkes Al-Kaida im Jemen zusammen. Es gebe Hinweise, dass Al-Asiri womöglich an der Herstellung der Bomben für zwei andere Anschlagversuche beteiligt gewesen sei. Im Jemen nahm die Polizei am Samstag eine Medizinstudentin der Universität in der Hauptstadt Sanaa unter dem Verdacht fest, am Versand der Pakete beteiligt gewesen zu sein. Ihr Anwalt sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er gehe davon aus, dass seine Mandantin Opfer sei.

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