July 25, 2012 / 6:23 AM / 7 years ago

Apple zeigt Schwäche - iPhone5 zum Erfolg verdammt

San Francisco (Reuters) - Auch Apple ist verwundbar: Bereits zum zweiten Mal binnen einen Jahres verfehlte der iPhone-Hersteller mit seinen Quartalszahlen die hochgesteckten Erwartungen.

People take pictures in front of an Apple Store shop under construction at Passeig de Gracia in Barcelona July 19, 2012. The banner reads "Apple Store, Passeig the Gracia. Apple Store custom made for Barcelona. Next opening". Picture taken July 19, 2012. REUTERS/Albert Gea

Der erfolgsverwöhnte Technologieriese aus dem Silicon Valley muss der Krise in Europa Tribut zollen sowie den Produktzyklen der Smartphone-Branche, unter denen bereits die Konkurrenz leidet. Die Kunden warteten mit dem Kauf von iPhones, weil im Herbst eine komplett neue Variante des Absatzschlagers auf den Markt kommt, erläuterte das Management. Konzernchef Tim Cook machte zudem eine schleppende Nachfrage in Deutschland und Frankreich für die dürftigen Ergebnisse verantwortlich.

An der Börse wurden die Erklärungen nicht akzeptiert. “Das war ganz klar eine Enttäuschung”, konstatierte Channing Smith von Capital Advisors Growth Fund. Die Anleger watschten Apple ab und schickten die Aktie auf Talfahrt. Im vorbörslichen Handel brach der Kurs am Mittwoch um fünf Prozent ein und riss auch die Titel wichtiger Zulieferer mit nach unten.

Aus Sicht von Analysten sind die Schwierigkeiten des wertvollsten Technologiekonzerns der Welt zwar Luxusprobleme - doch sie bleiben Probleme. “Apple ist in der ganz seltenen Situation, dass es von der Wall Street abgestraft wird, wenn es nicht exzessiv erfolgreich ist”, sagte John Jackson von CCS Insight. Im vergangenen Quartal erzielte das Unternehmen durchaus beachtliche Zuwächse. Der Umsatz von 35 Milliarden Dollar lag 23 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, der Nettogewinn legte 21 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar zu. Doch im Vergleich zum Vorquartal gingen Umsätze und iPhone-Verkäufe kräftig zurück. Sie fielen wie der Gewinn außerdem erheblich schwächer aus als von Analysten prognostiziert. Auch für das aktuelle Vierteljahr gibt sich die mit Prognosen traditionell vorsichtige Apple-Führung sehr zurückhaltend. Ihr Umsatzziel von 34 Milliarden Dollar ist deutlich pessimistischer als das der Experten, ebenso der Gewinnausblick.

RIESIGER HYPE

“Wenn es etwas Positives an den Erklärungen von Apple gibt, dann ist das der Nachfragestau”, sagte Experte Jackson. Doch die große Frage ist, wie viele Kunden sich tatsächlich um das neue iPhone5 reißen werden, das eine komplett überarbeitete Version mit einem größeren Bildschirm werden soll und im Oktober in den Läden erwartet wird. Denn wegen der weltweiten konjunkturellen Abschwächung sitzt den Verbrauchern das Geld nicht mehr so locker, und der Wettbewerb ist gnadenlos. Smartphone-Primus Samsung Electronics mit seinem Flaggschiffprodukt Galaxy und andere Rivalen schnappen Apple Marktanteile weg. Während der US-Konzern im abgelaufenen Quartal lediglich 26 Millionen iPhones auslieferte, kamen die Südkoreaner auf fast das Doppelte. Die Fallhöhe ist also groß für Apples neuen Hoffnungsträger. “Der Hype um das iPhone5 ist bereits so stark wie bei keinem anderen Gerät”, sagte Analyst Colin Gillis von BGC Partners. “Es wird wirklich schwer, die Erwartungen hier zu übertreffen.”

Das gilt vor allem in China, wo die Marke laut Analysten etwas an Glanz verliert. Zwar begründete Konzernchef Cook den dortigen Absatzrückgang mit den extrem hohen Lagerbeständen im Vorquartal. Aber Branchenexperten äußerten die Einschätzung, dass Apple-Produkte für Chinas Trendsetter den Rang als unverzichtbare Statussymbole verlieren. Die Verbraucher kauften mittlerweile auch gerne schicke und günstigere Smartphones von Rivalen statt auf das neue iPhone zu warten. Apple könne sich insgesamt dazu veranlasst sehen, eine größere Preisflexibilität zu testen, erklärte JP-Morgan-Experte Mark Moskowitz.

MAUERBLÜMCHEN IPAD

Mit dem Hauptgewinnbringer iPhone erwirtschaftet Apple mehr als die Hälfte des Umsatzes. Verkaufserfolge mit dem iPad treten da in den Hintergrund. Der Quartalsabsatz von 17 Millionen Stück des Tablet-PC übertraf die Erwartungen. Auf diesem Markt gibt Apple den Ton an mit einem weltweiten Anteil von mehr als 50 Prozent. “Es ist wirklich das iPhone-Unternehmen”, sagte Gillis. “Das iPad ist nicht stark genug.” Von seinen Mac-Computern verkaufte Apple vier Millionen Stück, ungefähr so viele wie im vorangegangenen Quartal.

Auch asiatische Zulieferfirmen wie Hon Hai aus Taiwan, LG Display aus Südkorea und Toshiba aus Japan hängen stark am iPhone. Im Sog von Apple rutschten ihre Aktienkurse kräftig ab. Dagegen schossen die Titel des britischen Chipdesigners ARM um gut sechs Prozent in die Höhe, nachdem das Unternehmen die Markterwartungen übertraf. ARM-Prozessoren kommen ebenfalls im iPhone und iPad zum Einsatz.

- von Poornima Gupta

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