May 4, 2018 / 12:51 PM / 18 days ago

US-Arbeitslosenquote sinkt auf tiefsten Stand seit Ende 2000

Washington (Reuters) - Die Arbeitslosigkeit in den USA ist auf das niedrigste Niveau seit Ende 2000 gefallen. Damit wird eine baldige Zinserhöhung immer wahrscheinlicher.

The U.S. flag decorates a building in downtown Memphis, Tennessee, U.S. March 27, 2018. Picture taken March 27, 2018. REUTERS/Jonathan Ernst

Die Regierung in Washington gab am Freitag für April eine Erwerbslosenquote von 3,9 Prozent bekannt, nach 4,1 Prozent im März. “Die Vier-Prozent-Marke ist gefallen”, twitterte US-Präsident Donald Trump in einer ersten Reaktion. Zwar entstanden mit 164.000 neuen Jobs fast 30.000 weniger als von Experten erwartet. Doch reichen einer Faustregel zufolge bereits 100.000 Arbeitsplätze pro Monat aus, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Die Notenbank (Fed), die zuletzt im März die Zinszügel angezogen hatte, könnte bereits in wenigen Wochen ihre Geldpolitik weiter straffen. “Der nächste Schritt kommt im Juni”, sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel voraus.

Der etwas enttäuschende Stellenzuwachs sei kein Grund zur Besorgnis. “Das spiegelt ein wenig die jüngste Konjunkturschwäche wider, ist aber keine Trendwende zum Schlechteren”, führte Bargel aus. Die amerikanische Konjunktur hatte in den vielerorts von Eis und Schnee geprägten Wintermonaten an Schwung eingebüßt. Zwischen Januar und März stieg das Bruttoinlandsprodukt nur noch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,3 Prozent nach plus 2,9 Prozent Ende 2017.

Bargel geht davon aus, dass das Wachstum im zweiten Quartal wieder zulegt. “Ein Ende des Aufschwungs am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht.” Die Notenbank, die Vollbeschäftigung anstrebt, ist bei der Arbeitslosenquote praktisch am Ziel. Womöglich muss die Fed ihre Prognosen bald anpassen, die erst für das Jahresende eine Quote von 3,8 Prozent vorsehen.

“KEIN DEUTLICHER LOHNDRUCK”

Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell hatten im März den Leitzins auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent erhöht. US-Händler sehen die Wahrscheinlichkeit, dass schon im nächsten Monat eine Anhebung auf 1,75 bis 2,0 Prozent kommen wird, mittlerweile bei 95 Prozent. Danach könnte die Fed die Zügel dieses Jahr noch ein bis zwei Mal straffen. Denn die Notenbank erwartet, dass sich die Inflation 2018 um das von der Fed angepeilte Ziel von 2,0 Prozent einpendeln wird.

Im April legten die für die Preisentwicklung wichtigen Stundenlöhne im Schnitt jedoch nur um 0,1 Prozent zum Vormonat zu. Experten hatten mit 0,2 Prozent gerechnet. “Trotz einer guten Beschäftigungssituation kommt kein deutlicher Lohndruck auf. Genau dies spricht dafür, dass die Fed vorerst auf ihrem eingeschlagenen Weg bleibt und mit moderaten Zinsanhebungen fortfährt”, äußerte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. Auch Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe erwartet nicht, dass es zu einer Überhitzung am Arbeitsmarkt und damit zu einer merklich höheren Inflationsrate kommen wird. “Stärkere Bremsmanöver seitens der Fed sind somit nicht notwendig.”

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