December 7, 2018 / 1:48 PM / 2 days ago

Job-Boom in USA ebbt ab - Fed vor ruhigerer Gangart bei Zinsen

Employees work at packing stations on the main floor at the Amazon fulfillment center in Kent, Washington, U.S., October 24, 2018. REUTERS/Lindsey Wasson

Washington (Reuters) - Der Boom am US-Arbeitsmarkt schwächt sich ab und lässt auf ein langsameres Tempo bei künftigen Zinserhöhungen schließen.

Im November wurden nur 155.000 neue Stellen geschaffen und damit weit weniger als erwartet, wie aus den am Freitag vorgelegten Daten der US-Regierung hervorgeht. Die Arbeitslosenquote verharrte jedoch mit 3,7 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit fast 50 Jahren. Darauf hatte Notenbankchef Jerome Powell wenige Stunden vor der Veröffentlichung der Job-Daten nochmals hingewiesen. Er schürte damit Erwartungen an den Finanzmärkten, dass die Fed am 19. Dezember die vierte Zinserhöhung in diesem Jahr wagen wird. “Danach könnte dann aber erst einmal eine längere Zinspause anstehen”, prognostizierte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Die US-Wirtschaft dürfte perspektivisch nicht mehr in der Lage sein in größerer Regelmäßigkeit mehr als 200.000 neue Jobs pro Monat zu schaffen, sagte Tobias Basse von der NordLB. “Der auch in den USA zunehmend zu beobachtende Fachkräftemangel spricht eindeutig dagegen.” Der US-Währungshüter Raphael Bostic hat bereits signalisiert, dass es die Fed künftig bei Zinserhöhungen wohl etwas ruhiger angehen wird. Die Notenbank solle ein “neutrales Niveau” erreichen, bei dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst werde, sagte der Chef der Fed von Atlanta. Er sieht das neutrale Niveau bei rund 2,75 Prozent. Das würde gegenüber der aktuellen Spanne zwei weitere Zinserhöhungen bedeuten.

Dies deckt sich weitgehend mit den Erwartungen der Finanzmärkte. Fed-Chef Powell hatte erst kürzlich betont, der aktuelle Leitzins sei nur noch knapp unterhalb der Schätzungen des neutralen Niveaus. Er dämpfte damit Sorgen, dem Aufschwung drohe durch eine zu straffe Geldpolitik das Aus. “Aus den Reihen der US-Notenbank sind zudem vermehrt Stimmen zu vernehmen, die den “Autopiloten” – also alle drei Monate eine Leitzinserhöhung – ausschalten und weitere Schritte noch stärker von den Daten abhängig machen möchten”, sagte Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

FURCHT VOR DEM KONJUNKTURKILLER

Die meisten Experten rechnen zugleich damit, dass die Fed in diesem Monat nochmals nachlegt - zum Leidwesen von US-Präsident Donald Trump, der die Zinserhöhungen mehrfach als potenziellen Konjunkturkiller kritisiert hat. Sein Wirtschaftberater Larry Kudlow geht allerdings davon aus, dass der Arbeitsmarktboom noch nicht seinen Zenit überschritten hat, wie er dem Sender CNBC sagte. Die Fed will mit ihrem Kurs eine Überhitzung der Wirtschaft verhindern, die durch die von Trump angestoßene radikale Steuerreform befeuert wird. Zugleich sind aber auch Befürchtungen aufgekommen, der von ihm angezettelte Handelsstreit könnte der US-Konjunktur schaden.

Doch die verhängten Sonderzölle wirken sich laut Währungshüter John Williams bislang auf die Wirtschaft nur in “relativ geringem” Maß aus. Das gelte sowohl für Wachstum als auch für die Inflation, sagte der Chef des New Yorker Fed-Ablegers. Der wichtigere Effekt sei aber die höhere Unsicherheit für Unternehmen, von denen einige Investitionen aufschieben wollten. Auf kurze Sicht sei dies schlecht für Jobs “und ein Faktor, der die Wirtschaft im Verhältnis zu dem, was sie sein könnte, verlangsamt”.

Die Stimmung der US-Konsumenten hat sich unterdessen stabilisiert. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen verharrte im Dezember auf dem Vormonatswert von 97,5 Punkten, wie die Universität Michigan mitteilte. Die Verbraucher bewerteten ihre derzeitige Lage besser, schauten aber skeptischer nach vorn. Der private Konsum ist eine Stütze der US-Konjunktur. Er steht für etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung.

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