May 8, 2020 / 2:41 PM / 21 days ago

US-Arbeitslosigkeit auf höchstem Stand seit Zweitem Weltkrieg

Washington (Reuters) - Die Coronavirus-Pandemie sorgt in den USA für den massivsten Jobabbau seit der Zeit der Großen Depression in den 1930er Jahren.

FILE PHOTO: Women stand in front of closed and shuttered businesses during the outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in the Queens borough of New York City, New York, U.S., May 7, 2020. REUTERS/Shannon Stapleton/File Photo

Allein im April wurden 20,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft gestrichen, wie die Regierung am Freitag mitteilte. Die in einer getrennten Umfrage ermittelte Arbeitslosenquote schnellte auf 14,7 Prozent von 4,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand in der Nachkriegszeit. “Das Echo der Corona-Krise wird am Arbeitsmarkt noch lange Zeit nachhallen. Gerade deshalb wird eine Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump im November schwierig werden”, sagte der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel. Trump selbst sagte dem US-Sender Fox News, all die verlorenen Jobs würden sehr bald zurückkommen.

Die Pandemie hat dem jahrelangen Boom am US-Jobmarkt ein jähes Ende bereitet und Massenarbeitslosigkeit ausgelöst. “Das in den vergangenen 20 Jahren erreichte Beschäftigungsniveau ist mit einem Schlag weggebrochen”, sagte Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. “Es wird noch dauern, bis sich die US-Wirtschaft richtig erholt.” Seit dem 21. März hatten rund 33 Millionen Menschen in den USA einen Erstantrag auf Arbeitslosengeld gestellt. Allerdings nimmt die Zahl der Anträge seit fünf Wochen wieder ab. Der Höhepunkt wurde in der Woche bis zum 28. März mit 6,86 Millionen erreicht.

Anleger ließen sich von den Job-Daten nicht die Laune verderben, zumal die schlimmsten Befürchtungen aus blieben und blickten eher auf positive Signale im Handelsstreit zwischen den USA und China. Die US-Börsen starteten mit Gewinnen in den Handel.

SINNBILD FÜR DAS AUSMASS DER PANDEMIE-KRISE

Der Arbeitsmarktbericht von April werde in die Wirtschaftsgeschichte eingehen, sagte VP-Experte Gitzel. “Er versinnbildlicht das ganze Ausmaß der Pandemie.” Es stelle sich die Frage, ob Trump trotz gegenwärtiger Massenarbeitslosigkeit im November wiedergewählt werde. “Derzeit sinkt der Stern des US-Präsidenten selbst bei seinen Anhängern.”

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit geht mit Ausgangsbeschränkungen in weiten Teilen der USA einher. Die meisten US-Bundesstaaten haben ihre Bürger wegen der Ansteckungsgefahr aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Dennoch breitet sich das Corona-Virus rasant aus. Die USA sind weltweit mit Abstand das Land mit den meisten Infektionsfällen und Toten - bisher gab es mehr als 75.000 Covid-19-Todesopfer.

TRUMP-BERATER - ARBEITSLOSENQUOTE IM MAI WOHL BEI 20 PROZENT

Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett rechnet für Mai mit einer noch höheren Arbeitslosenquote. Sie dürfte wahrscheinlich bei rund 20 Prozent liegen, sagte Hassett in einem CNN-Interview.

Der Arbeitsmarktbericht bildet jedoch Experten zufolge noch nicht einmal die ganze Misere ab. Denn viele Arbeitslose würden nicht aktiv nach einem Job und so aus dem Raster der Statistik fallen. “Viele Entlassene dürften sich aufgrund der empfundenen Aussichtslosigkeit nicht um eine neue Anstellung bemüht haben”, sagte Konjunkturexperte Dirk Chlench von der LBBW. “Damit werden diese Personen in der amtlichen Statistik jedoch nicht als Arbeitslose erfasst.” Die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen zwar mit 4,7 Prozent zum Vormonat an. Die sei aber kein Hinweis auf erhöhten Lohndruck, sagte Hepperle. “Vor allem im Niedriglohnsektor sind überproportional viele Jobs weggefallen, wodurch der Durchschnittswert automatisch steigt.”

Die Commerzbank geht davon aus, dass die US-Wirtschaft vom ersten auf das zweite Quartal um neun Prozent schrumpft. Nach der für die USA üblichen Hochrechnung auf die Jahresrate wäre dies ein Minus von 31 Prozent. LBBW-Experte Chlench schätzt das Minus sogar auf 35 Prozent. “Für das Gesamtjahr 2020 erwarten wir einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 4,5 Prozent, gefolgt von einem Anstieg um vier Prozent im nächsten Jahr”, sagte Commerzbank-Experte Christoph Balz.

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