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Weltnachrichten

Fast 900.000 US-Arbeitslosenanträge - "Es kommt wieder zu größeren Entlassungen"

Job seekers apply for the 300 available positions at a new Target retail store in San Francisco, California August 9, 2012. The number of Americans filing new claims for jobless benefits unexpectedly fell last week, offering hope that some of last month's improvement in job growth could be sustained and give the U.S. economy a lift. REUTERS/Robert Galbraith (UNITED STATES - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT)

Washington/Berlin (Reuters) - Vor der US-Präsidentenwahl gerät der Jobmarkt nach einer Phase der Erholung von der Corona-Krise überraschend wieder unter Druck.

Insgesamt stellten vorige Woche 898.000 Amerikaner einen Erstantrag auf staatliche Arbeitslosenhilfe und damit 53.000 mehr als zuletzt, wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Die Zahl der Anträge auf staatliche Stütze bleibt für amerikanische Verhältnisse sehr hoch: Vor Ausbruch der Corona-Pandemie zu Jahresbeginn waren es kaum mehr als 200.000 Anträge, bevor die Zahl im März sprunghaft in die Höhe schnellte.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nähmen nun wieder zu, so das Fazit von VP Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel. “In den USA kommt es nun wieder zu größeren Entlassungen. Viele Unternehmen werfen in Anbetracht einer mauen Geschäftslage die Flinte ins Korn.” Vor allem die finanziellen Mittel kleinerer Betriebe seien strapaziert. Die Verabschiedung eines zweiten US-Rettungspaketes sei dringend notwendig, um weiteren größeren Schaden von der Wirtschaft abzuwenden.

UMSTRITTENES KONJUNKTURPAKET

Doch genau hier hakt es so kurz vor der Wahl am 3. November: US-Finanzminister Steve Mnuchin räumte ein, ein Paket noch vorher zu schnüren, sei schwierig. Er und Präsident Donald Trump seien jedoch entschlossen, auf einen Deal mit den Demokraten hinzuarbeiten, sagte er im CNBC-Interview. Mitch McConnell, Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, hatte jüngst eine Abstimmung über ein abgespecktes 500-Milliarden-Dollar-Paket in der kommenden Woche angekündigt. Die Demokraten fordern jedoch ein weit umfangreicheres Paket.

Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner sieht für neue Konjunkturspritzen in großer Dosis keinen Bedarf: Befürchtungen um eine zu schwache Stimulierung der Wirtschaft seitens des Staates seien wohl übertrieben. Corona-Pakete befeuerten eher das Sparen als den Konsum. Die Wirtschaft werde auch ohne staatliche Hilfen weiter wachsen. “Das Einzige, was sie daran hindern könnte, ist ein Wiederaufflammen der Pandemie mit Lockdowns und erneuten freiwilligen Einschränkungen.”

Der um seine Wiederwahl kämpfende und in Umfragen zurückliegende US-Präsident Trump steht bei seinen Wählern im Wort. Er hatte einst versprochen, der größte Jobproduzent zu werden, “den Gott je geschaffen hat”. Im Zuge der Corona-Pandemie gingen jedoch mehr als 22 Millionen Jobs verloren, von denen bislang nur gut die Hälfte zurückgewonnen wurde.

“Der rückläufige Trend bei den Arbeitslosenanträgen ist unterbrochen”, sagte Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg. Insofern bestehe kein Zweifel daran, dass die US-Notenbank die ultralockere Geldpolitik bis auf weiteres fortsetzen werde.Der Vizechef der US-Notenbank Fed, Richard Clarida, erwartet, dass die in der Krise stark angestiegene Arbeitslosenquote erst in drei Jahren wieder Vorkrisenniveau erreichen dürfte.

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