June 7, 2019 / 12:56 PM / 19 days ago

US-Jobmotor stottert - "Zölle belasten Wirtschaft"

Line workers spot weld parts of the frame on the flex line at Nissan Motor Co's automobile manufacturing plant in Smyrna, Tennessee, U.S., August 23, 2018. Picture taken August 23, 2018. REUTERS/William DeShazer

Washington (Reuters) - Der Handelskonflikt mit China lässt die US-Wirtschaft deutlich zurückhaltender bei Neueinstellungen werden.

Im Mai entstanden nur noch 75.000 Jobs, wie die US-Regierung am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen mit einem deutlich größeren Plus von 185.000 gerechnet. Zudem fiel der Zuwachs im April mit 224.000 um fast 40.000 geringer aus als zunächst gemeldet. Die Arbeitslosenquote verharrte im vergangenen Monat bei 3,6 Prozent.

“So, Herr Trump, die Zollstreitigkeiten belasten nun auch die US-Wirtschaft”, kommentierte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, die an den Finanzmärkten stark beachteten Daten. “Der industrielle Sektor und der Technologiebereich drücken mit Neueinstellungen bereits auf die Bremse oder streichen auch schon Jobs. Der Hintergrund ist klar: Die Zölle belasten die US-amerikanische Wirtschaft.” Ähnlich schätzt das der Chefvolkswirt von Fannie Mae, Doug Duncan, ein, der mit Blick auf den Handelskrieg sagte: “Die Arbeitgeber sind risikoscheu”, was zu weniger Neueinstellungen führe.

XI: “WIR SOLLTEN EINE LÖSUNG FINDEN”

Die Spannungen zwischen den USA und China sind nach dem Scheitern der Handelsgespräche Anfang Mai stark gestiegen. Chinas Präsident Xi Jinping sagte in St.Petersburg mit Blick auf den Handelsstreit, es sei wichtig, das weltweite Handelssystem zu schützen. “Wir sollten trotz unserer Differenzen eine Lösung finden.”

Doch seit dem 10. Mai gibt es keine persönlichen Treffen zwischen beiden Seiten mehr. Damals wurden die Zölle für chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar auf 25 Prozent erhöht, was Peking zu Vergeltungsmaßnahmen veranlasste. Nicht nur mit China liegen die USA im Clinch, sondern auch mit Mexiko. US-Präsident Donald Trump wiederholte erst am Donnerstag seine Drohung, ab kommender Woche Aufschläge von zunächst fünf Prozent auf Importe aus dem südlichen Nachbarland zu verhängen, sollte dessen Regierung nicht stärker gegen Einwanderer vorgehen. “Treten nun am Montag die Strafmaßnahmen gegenüber Mexiko in Kraft, fängt es richtig an zu schmerzen”, sagte Gitzel.

EXPERTE: ARBEITSMARKT SENDET WARNSIGNAL FÜR KONJUNKTUR

An den Märkten sorgten die Arbeitsmarktdaten für erheblichen Wirbel. Der Dollar wertete merklich ab, während der Euro über die Marke von 1,13 Dollar kletterte. “Der US-Aufschwung beruht vor allem auf einem kräftig expandierenden privaten Konsum, der wiederum von dem starken Stellenaufbau und den steigenden Löhnen angeschoben wird”, sagte Commerzbank-Experte Christoph Balz. “Insofern sendet der Arbeitsmarktbericht ein eindeutiges Warnsignal hinsichtlich der Konjunktur aus.”

Viele Investoren sehen sich deshalb in ihren Spekulationen bestärkt, dass die US-Notenbank (Fed) ihren Leitzins senken könnte. Sie hat angesichts der globalen Konjunkturabkühlung und der gedämpften Inflation in den USA bereits eine längere Leitzinspause eingelegt. 2018 hatte sie den Schlüsselsatz vier Mal angehoben - zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Die einflussreiche Direktorin Lael Brainard sagte kürzlich, die Währungshüter seien darauf vorbereitet, die Geldpolitik bei Bedarf zur Stützung des Wachstums anzupassen. Auch wenn die Wirtschaft rund laufe, gingen von der Handelspolitik Risiken für die Konjunktur aus. Niedrigere Zinsen machen Kredite billiger, was Konsum und Investitionen und damit die Konjunktur anschieben kann.

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