July 5, 2019 / 12:46 PM / in 18 days

US-Jobmotor läuft wieder rund - Rätselraten über Timing der Zinswende

A worker walks with the crawler transporter as it carries NASA's Space Launch System mobile launcher to Launch Pad 39B for months of testing before it will carry the SLS rocket and Orion spacecraft for the launch of Artemis 1 at the Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida, U.S., June 27, 2019. REUTERS/Joe Skipper

Washington/Berlin (Reuters) - Der US-Arbeitsmarkt hat sich mit einem überraschend kräftigen Stellenaufbau zurückgemeldet und Befürwortern einer raschen Zinswende etwas Wind aus den Segeln genommen.

Die Regierung in Washington meldete am Freitag für Juni 224.000 neue Arbeitsplätze und damit 64.000 mehr als von Ökonomen erwartet. Der maue Jobaufbau von 72.000 im Mai kann damit als Ausrutscher gelten. Um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten, gilt ein Stellenplus von 100.000 pro Monat als ausreichend. Ökonomen rätseln nun, ob die Notenbank Fed die von den Märkten erwartete erste US-Zinssenkung seit der Finanzkrise Ende Juli vollziehen wird.

“Diese Zahlen nehmen etwas Druck von der Fed, eine baldige Zinssenkung bleibt gleichwohl wahrscheinlich”, meint Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe verweist darauf, dass in den USA praktisch Vollbeschäftigung herrsche - das erklärte Ziel der Fed: “Sollte die Fed den Leitzins im Juli dennoch senken, dann aufgrund von politischem Druck.” US-Präsident Donald Trump hat sich bereits seit längerem auf die unabhängigen US-Währungshüter und insbesondere Fed-Chef Jerome Powell eingeschossen. Ihnen wirft der frühere Immobilienmogul Ahnungslosigkeit vor. Er hält die Zinsen für “viel zu hoch” und fordert eine geldpolitische Lockerung.

“JULI ODER SEPTEMBER”

2018 hatte die Fed sehr zum Leidwesen Trumps den Schlüsselsatz vier Mal angehoben - zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent, bevor sie eine Pause einlegte. Angesichts der globalen Konjunkturabkühlung und der gedämpften Inflation signalisierte sie mittlerweile Bereitschaft zu einer Senkung. Spekulationen über eine Kappung um einem halben Prozentpunkt dürften aber nach den relativ starken Zahlen vom Arbeitsmarkt laut dem Ökonomen Scott Brown vom US-Finanzhaus Raymond James vom Tisch sein, auch wenn die Arbeitslosenquote im Juni um einen Tick auf 3,7 Prozent anstieg.

Die Fed soll neben Vollbeschäftigung auch stabile Preise fördern. Dabei achtet sie besonders auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher - ohne Energie- und Nahrungsmittelkosten. Diese Rate dümpelte zuletzt bei 1,6 Prozent und damit für Zeiten des Aufschwungs relativ weit entfernt vom Ziel der Notenbank von zwei Prozent.

Entsprechend dürfte die Fed enttäuscht auf die Entwicklung der Stundenlöhne blicken, deren Anstieg im Juni zum Vormonat nur bei 0,2 Prozent lag. Im Mai waren es noch 0,3 Prozent: “Der Lohnauftrieb enttäuschte erneut, so dass ein echter Preisdruck nicht nur bei Gütern, sondern auch am Arbeitsmarkt weiterhin auf sich warten lässt”, sagte Charlotte Heck-Parsch von der BayernLB. Da die Fed einen Zinsschritt schon in Aussicht gestellt habe, sei höchstens das genaue Timing noch fraglich, so Commerzbank-Experte Weidensteiner: “Juli oder September. Weiteren Aufschluss könnte der Auftritt von Fed-Chef Powell vor dem Kongress in der nächsten Woche geben.”

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