July 23, 2020 / 1:09 PM / in 17 days

Erholung am US-Arbeitsmarkt stockt - Wieder mehr Anträge auf staatliche Stütze

People wearing protective face masks wait, as the global outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) continues, outside a testing center in the Bay Ridge section of the Brooklyn borough of New York, U.S., July 21, 2020. REUTERS/Shannon Stapleton

Washington/Berlin (Reuters) - Inmitten einer Welle von Neuinfektionen mit dem Corona-Virus gerät die Erholung am US-Arbeitsmarkt ins Stocken.

Die Zahl der wöchentlichen Anträge auf staatliche Arbeitslosenhilfe stieg erstmals seit fast vier Monaten wieder. Insgesamt beantragten vorige Woche 1,416 Millionen Bürger erstmals staatliche Stütze, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 1,3 Millionen gerechnet, womit das Niveau der vorangegangenen Woche in etwa gehalten worden wäre.

In den USA haben sich rund vier Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, zuletzt kamen pro Tag mehr als 60.000 Neuinfektionen hinzu. Insbesondere die Bundesstaaten Alabama, Kalifornien, Nevada und Texas gelten derzeit als stark betroffen. Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba wertet den überraschenden Anstieg der Erstanträge als mögliches Indiz dafür, dass sich in den USA die zweite Welle der Corona-Pandemie negativ am Arbeitsmarkt bemerkbar mache. “Der Erholungspfad ist holprig und es wird noch eine lange Zeit dauern, bis von einer Art Normalität am Arbeitsmarkt gesprochen werden kann.”

TRUMP STEHT BEI WÄHLERN Im WORT

Da das soziale Netz in den USA nicht so dicht geknüpft ist wie vielfach in Europa, hat der Staat neben billionenschweren Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft unter anderem 100 Milliarden Dollar für erweitertes Arbeitslosengeld und Lebensmittelhilfen lockergemacht. Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner verweist darauf, dass bisher insgesamt vier Corona-Hilfspakete im Gesamtvolumen von 2,5 Billionen geschnürt wurden. “Wichtige Hilfsmaßnahmen wie das erweiterte Arbeitslosengeld laufen zwar Ende Juli aus. Sie dürften aber aller Voraussicht nach verlängert werden, wenn auch in veränderter Form.”

Der Rahmen dafür ist ein fünftes staatliches Hilfspaket von über einer Billion Dollar, das laut Finanzminister Steve Mnuchin möglichst bald auf den Weg gebracht werden soll. Er bestätigte, dass dabei auch eine Verlängerung der Arbeitslosenleistungen im Gespräch sei. Er machte zugleich deutlich, dass es nicht infrage komme, dass Amerikanern ein Anreiz gegeben werde, zu Hause zu bleiben statt zu arbeiten. Er habe dabei eine Lohnersatzleistung von etwa 70 Prozent im Kopf. Details müssten noch ausgearbeitet werden.

Präsident Donald Trump hatte einst versprochen, der größte Jobproduzent zu werden, “den Gott je geschaffen hat”. Nun steht er bei seinen Anhängern im Wort, bis zu seiner angestrebten Wiederwahl im November zu liefern. Doch die Virus-Pandemie hat die in den ersten Jahren seiner Amtszeit herrschende Vollbeschäftigung jäh in Massenarbeitslosigkeit umschlagen lassen.

Der Ökonom Bob Doll vom US-Vermögensverwalter Nuveen erinnert daran, dass zu Beginn der Krise 22 Millionen Jobs verloren gingen, dann aber “erstaunlicherweise” binnen zwei Monaten wieder acht Millionen geschaffen wurden: “Ich denke, wir werden noch weitere sieben bis acht Millionen zurückbekommen. Doch nicht binnen zwei Monaten.” Dafür werde man wohl das ganze Jahr brauchen. Bis schließlich das noch verbleibende letzte Drittel der verloren gegangenen Stellen zurückkehre, werde es aber “weit länger” dauern, prophezeit der Experte.

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