April 13, 2018 / 2:00 PM / 5 months ago

JP Morgan und Citi profitieren von Steuerreform und Zinsanstieg

New York (Reuters) - Bei den großen US-Banken klingeln zu Jahresbeginn die Kassen.

FILE PHOTO: A sign outside the headquarters of JP Morgan Chase & Co in New York, U.S., September 19, 2013. REUTERS/Mike Segar/File Photo

Steigende Zinsen, niedrigere Steuern und ein florierender Aktienhandel beleben das Geschäft. Die größte US-Bank JP Morgan steigerte ihren Gewinn im ersten Quartal um 35 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar, die Citigroup erhöhte ihr Ergebnis um 13 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Selbst die von mehreren Skandalen erschütterte Wells Fargo verbesserte ihr Ergebnis um fünf Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon äußerte sich am Freitag hochzufrieden: “2018 hat gut begonnen, alle unsere Geschäftsfelder haben sich gut entwickelt.” Auch Citi-Chef Mike Corbat zeigte sich zuversichtlich: “Wir sind in einer guten Ausgangsposition für den Rest des Jahres.”

Die US-Institute profitieren nicht zuletzt von der größten Steuerreform in den USA seit 30 Jahren, wodurch die Körperschaftssteuer seit Jahresbeginn auf 21 Prozent von 35 Prozent gesunken ist. Zudem steigen die Zinsen jenseits des Atlantiks. Die US-Notenbank dürfte nach Einschätzung von Experten auch unter dem neuen Chef Jerome Powell am Kurs der behutsamen Zinsanhebungen festhalten. Das treibt den Zinsüberschuss der Banken kräftig an. Zuletzt hatte die Fed im März ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf 1,5 bis 1,75 Prozent angehoben.

Die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump und die höheren Zinsen helfen den US-Instituten ihren ohnehin großen Vorsprung auf die europäischen Wettbewerber weiter auszubauen. In Europa liegt der Leitzins seit Jahren auf dem Rekordtief von Null Prozent, für Einlagen bei der Europäischen Zentralbanken (EZB) müssen sie sogar einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen.

Auch der seit einigen Quartalen darbende Handel mit Aktien belebte sich. Die Angst vor steigender Inflation und stark steigenden Zinsen sowie die Furcht vor einem Handelskrieg mit China - nicht zuletzt befeuert durch Trumps Tweets - sorgten im ersten Quartal für Turbulenzen an den Finanzmärkten. Sowohl bei JP Morgan als auch bei der Citigroup kurbelte das die Erträge im Aktienhandel kräftig an - JP Morgan erlöste in diesem Bereich zwei Milliarden Dollar, so viel wie nie zuvor. Dabei hatte bereits im Vorjahreszeitraum der Amtsantritt von Trump als US-Präsident für boomende Börsengeschäfte gesorgt. JP Morgan konnte die Erträge im ersten Quartal um zehn Prozent auf 28,5 Milliarden Dollar steigern, bei der Citigroup kletterten sie um drei Prozent auf 18,9 Milliarden.

Während die Deutsche Bank und andere europäische Institute im Investmentbanking seit Jahren Federn lassen müssen, ist JP Morgan mit einem globalen Marktanteil von rund acht Prozent weiterhin die Nummer eins in dem prestigeträchtigen und margenstarken Geschäft. Doch selbst für die erfolgsverwöhnten US-Amerikaner wachsen im Investmentbanking nicht überall die Bäume in den Himmel. Bei JP Morgan stagnierten die Erträge im Anleihenhandel, bei Citigroup gingen sie zurück - ein schlechtes Omen für die Deutsche Bank, die in dem Geschäft traditionell stark ist. Der heimische Marktführer legt seine Bilanz für das erste Vierteljahr am 26. April vor. Nach jüngsten Äußerungen von Finanzchef James von Moltke rechnen die Anleger mit mauen Ergebnissen.

WELLS FARGO DROHT MILLIARDENSTRAFE

Während die Erträge bei JP Morgan und Citigroup stiegen, gingen sie bei Wells Fargo um zwei Prozent auf 21,9 Milliarden Dollar zurück. Das Institut aus San Francisco steht wegen eines Phantomkonten-Skandals in der Kritik. Über mehrere Jahre sollen rund zwei Millionen Konten ohne Genehmigung der Kunden eröffnet worden sein. Damit wollten Bankmitarbeiter offenbar hochgesteckte Verkaufsvorgaben erreichen. Die Behörden haben Wells Fargo vorgeschlagen, den Skandal wegen mutmaßlich unrechtmäßiger Baudarlehen und anderen Vergehen mit einer Strafzahlung von einer Milliarde Dollar beizulegen, wie das Geldhaus am Freitag mitteilte und damit Informationen von Reuters bestätigte. Doch eine Einigung steht noch aus. Den für das erste Quartal ausgewiesene Gewinn von 5,9 Milliarden Dollar muss Wells Fargo möglicherweise noch nach unten korrigieren.

JP Morgan, Citi und Wells Fargo eröffneten den Bilanzreigen der US-Großbanken. In der kommenden Woche folgen dann die Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley.

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