October 15, 2019 / 12:57 PM / a month ago

JPMorgan mit Gewinnsprung - Goldman Sachs enttäuscht

- von Elizabeth Dilts Marshall und Patricia Uhlig

The J.P.Morgan logo is seen at their offices at Canary Wharf financial district in London,Britain, March 3, 2016. REUTERS/Reinhard Krause

New York/Frankfurt (Reuters) - JPMorgan hat die Latte hoch gelegt: Die größte Bank der USA verdiente im dritten Quartal trotz der niedrigeren Dollar-Leitzinsen und der weltweiten Börsenturbulenzen mehr als erwartet.

Die Rivalin Goldman Sachs, die im Gegensatz zu JPMorgan kein Geschäft mit Privatkunden hat, um Einbußen im Investmentbanking auszugleichen, musste dagegen Federn lassen. Anleger griffen bei Aktien von JPMorgan zu und warfen Goldman-Titel aus ihren Depots. Investoren der Deutschen Bank dürften die Ergebnisse der US-Geldhäuser genau unter die Lupe nehmen, um Rückschlüsse auf den Geschäftsverlauf des Frankfurter Instituts zu ziehen.

JPMorgan verdiente von Juli bis September 9,1 Milliarden Dollar, das waren gut acht Prozent mehr als im selben Zeitraum vor einem Jahr, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Die Erträge stiegen ebenfalls um acht Prozent auf 30,1 Milliarden Dollar. Etwa die Hälfte davon lieferte der Zinsüberschuss, der trotz der jüngsten Zinssenkungen der US-Notenbank Fed zulegte. “Dass wir trotz niedriger Zinsen im vergangenen Quartal Rekord-Einnahmen hatten, zeigt die Widerstandsfähigkeit unseres Geschäftsmodells”, sagte JPMorgan-Chef Jamie Dimon.

Zuwächse erzielte das Institut aber nicht nur im Geschäft mit Privatkunden, auch im Investmentbanking lief es rund. Vor allem im Anleihehandel, der auch für die Deutsche Bank von großer Bedeutung ist, stiegen die Erträge deutlich an. Hier legte auch Goldman Sachs zu. Allerdings nahm der JPMorgan-Rivale im klassischen Beratungsgeschäft für Kapitalmarktdeals viel weniger ein. Der Gewinn brach deshalb im Berichtszeitraum um gut ein Viertel auf 1,8 Milliarden Dollar ein. Die Erträge fielen mit 8,3 Milliarden Dollar sechs Prozent niedriger aus.

Die Aktien von JPMorgan legten an der Wall Street um 1,6 Prozent zu, Goldman-Titel gaben gut drei Prozent nach. “JPMorgan Chase hat ein Tempo vorgegeben, das für andere Banken sehr schwierig zu erreichen sein wird”, sagte Analyst Octavio Marenzi vom Brokerhaus Opimas. Goldman Sachs habe dagegen auf breiter Front enttäuscht. “Die Erwartungen waren schon sehr niedrig und selbst diese wurden jetzt nicht erfüllt.” Goldman habe speziell in den Bereichen schlecht abgeschnitten, in denen JPMorgan gute Ergebnisse erzielt habe.

Die Unsicherheiten wegen des Handelsstreits zwischen Peking und Washington und politische Spannungen im Nahen Osten hatten das Geschehen an den weltweiten Kapitalmärkten im dritten Quartal belastet. Mehrere Firmen wie der Büroflächen-Vermieter WeWork begruben Pläne für Börsengänge - den Investmentbanken gingen so wichtige Erträge durch die Lappen.

DEUTSCHE-BANK-ANLEGER REIBEN SICH DIE AUGEN

Auch die US-Institute Citigroup und Wells Fargo gewährten Einblicke in die Bilanzen des dritten Quartals. Dank geringerer Kosten und Zuwächsen im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden stieg der Gewinn der Citigroup um sechs Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. Das auf Konsumentenkredite fokussierte Institut Wells Fargo musste dagegen einen Gewinneinbruch um 26 Prozent auf vier Milliarden Dollar hinnehmen. Ein Grund dafür waren milliardenhohe Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten.

Investoren der Deutschen Bank dürften sich angesichts der Milliardengewinne ihrer US-Rivalen die Augen reiben. Das Frankfurter Institut steckt mitten im größten Umbau seiner Geschichte, weltweit werden rund 18.000 Stellen gestrichen. Bankchef Christian Sewing hat für die Umstrukturierung mehr als sieben Milliarden Euro veranschlagt. Für das Gesamtjahr werden deshalb tiefrote Zahlen erwartet.

Der brummende Handel der Amerikaner mit festverzinslichen Wertpapieren stimmt Analysten immerhin zuversichtlich, was den operativen Geschäftsverlauf der Frankfurter angeht. “Dass es bei den US-Banken im vergangenen Quartal im Anleihehandel ordentlich gelaufen ist, macht Hoffnungen, dass auch die Deutsche Bank solide Zahlen liefert in dem Bereich”, sagte Analyst Philipp Häßler vom Brokerhaus Pareto Securities. Die Deutsche Bank stutzt derzeit ihr Investmentbanking zurecht, das ihr jahrelang hohe Verluste eingebrockt hat. Den Aktienhandel macht sie komplett zu, der Anleihehandel wird verkleinert. Das Institut spielt hier dennoch im globalen Umfeld eine wichtige Rolle.

Am Mittwoch legt noch Bank of America ihre Ergebnisse vor, am Donnerstag folgt Morgan Stanley.

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