October 30, 2019 / 3:14 PM / 14 days ago

US-Wirtschaft wächst überraschend kräftig - Fed dennoch vor Zinssenkung

A worker builds a 2020 Ford Explorer car at Ford's Chicago Assembly Plant in Chicago, Illinois, U.S. June 24, 2019. Ford invested 1 billion dollars in Chicago Assembly and Stamping plants and added 500 jobs to expand capacity for the production of all-new Ford Explorer, Explorer Hybrid, Police Interceptor Utility and Lincoln Aviator. REUTERS/Kamil Krzaczynski

Washington/Berlin (Reuters) - Trotz des schwelenden Zollstreits mit China hat die US-Wirtschaft ein überraschend hohes Wachstumstempo im Sommer angeschlagen.

Zwischen Juli und September stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 1,9 Prozent, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Volkswirte hatten lediglich 1,6 Prozent auf dem Zettel. Dennoch gehen die meisten Fachleute davon aus, dass die US-Notenbank Fed am Abend (19.00 MEZ) die Zinsen erneut senken wird. Denn auch wenn der Konsum weiter floriert und die Exporte trotz des Zollstreits mit China anzogen, gibt es ein dickes Manko: Die Firmen kappten ihre Investitionen um 3,0 Prozent - das dickste Minus binnen dreieinhalb Jahren.

“Aufgrund der mit den Zollkonflikten einhergehenden Unsicherheiten nehmen die Unternehmen weniger Geld in die Hand”, so die Erklärung von Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Das BIP-Wachstum sei zwar höher als erwartet, doch die Zuwachsraten würden im Trend kleiner. Zu Jahresbeginn legte die weltgrößte Volkswirtschaft noch um 3,1 Prozent zu, im Frühjahr waren es 2,0 Prozent. Für das Jahresende und das Auftaktquartal 2020 rechnen die Volkswirte der BayernLB mit einer weiteren Eintrübung der Wirtschaft: “Wir erwarten deshalb eine weitere Leitzinssenkung sowie eine offensivere Kommunikation, die weitere Zinssenkungen in Aussicht stellt”, so Volkswirtin Charlotte Heck-Parsch von der BayernLB.

Viele Experten erwarteten für den Abend eine Kappung um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Die Fed um ihren Chef Jerome Powell hatte die Finanzmärkte auf eine solche Zinssenkung vorbereitet. Als Hauptgrund dafür gelten die vom Zollstreit ausgelösten Unsicherheiten im Handel: Sie werden laut einer Fed-Studie die Welt 850 Milliarden Dollar an Wirtschaftskraft kosten - allein 200 Milliarden davon die USA.

WACHSTUMSTREIBER KONSUM

Trotz des Zollkonflikts mit China stiegen die Exporte im dritten Quartal allerdings um 0,7 Prozent, nachdem sie im Frühjahr um 5,7 Prozent eingebrochen waren. Und auch die Verbraucher erwiesen sich erneut als Stütze des Wachstums: Der private Konsum, der für zwei Drittel des BIP steht, legte um 2,9 Prozent zu. “Die Konsumenten werden den historisch bislang längsten US-Aufschwung wohl weiter am Leben halten. Dennoch: Grund für große konjunkturelle Zuversicht besteht nicht”, sagte Volkswirt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Die Schwäche in der Industrie dürfte seiner Meinung nach anhalten, Firmen dürften sich bei Investitionen und Neueinstellungen weiter zurückhalten.

US-Präsident Donald Trump, der die unabhängige Notenbank Fed immer wieder zu drastischen Zinssenkungen aufruft, sieht hingegen alles im Lot: “Die großartigste Wirtschaft in der amerikanischen Geschichte!”, twitterte er noch vor der Veröffentlichung der BIP-Zahlen.

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