August 2, 2019 / 5:18 AM / 3 months ago

Trump eskaliert Handelsstreit mit China - Angst vor globaler Rezession

- von Huizhong Wu und Andrea Shalal und Alexandra Alper

U.S. President Donald Trump meets with China's President Xi Jinping at the start of their bilateral meeting at the G20 leaders summit in Osaka, Japan, June 29, 2019. REUTERS/Kevin Lamarque

Washington/Peking (Reuters) - Der Handelskonflikt zwischen den weltgrößten Volkswirtschaften USA und China spitzt sich zu und nährt die Furcht vor einer globalen Rezession.

US-Präsident Donald Trump kündigte an, ab 1. September Sonderzölle auch auf bisher davon verschonte chinesische Waren im Volumen von 300 Milliarden Dollar verhängen zu wollen. Dies könnte Handys, Laptops, Spielzeug und Schuhe treffen. Die Reaktion aus Peking ließ nicht lange auf sich warten. “Wenn Amerika diese Zölle durchsetzt, dann muss China die notwendigen Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Kern- und Grundinteressen des Landes zu schützen”, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums am Freitag. “Wir werden keinen maximalen Druck, Einschüchterung oder Erpressung akzeptieren.”

An den Finanzmärkten führte die Eskalation zu Sorgen, die ohnehin schwächelnde globale Konjunktur könne sich weiter eintrüben. Der deutsche Leitindex Dax fiel um rund 2,5 Prozent, auch die asiatischen Börsen gaben merklich nach. Die Ölpreise fielen zeitweise um sieben Prozent. “An den Finanzmärkten haben die Tweets von Donald Trump fast schon so etwas wie eine kleine Panik ausgelöst”, sagte NordLB-Analyst Tobias Basse.

Statt der bereits angedrohten Abgaben von 25 Prozent brachte Trump auf Twitter zunächst zehn Prozent ins Gespräch. Diese könnten aber schrittweise erhöht werden und auch 25 Prozent übersteigen, sagte er später vor Journalisten. Der chinesische Präsident Xi Jinping bewege sich bei den Handelsgesprächen nicht schnell genug. Die USA würden China so lange “besteuern”, bis eine Einigung im Handelsstreit erzielt sei. Trump reagierte mit den ersten Tweets zu seinen Zollplänen nach Angaben des Präsidialamtes direkt auf ein Treffen, bei dem ihn der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin über die jüngsten Gespräche in Shanghai unterrichtet hatten. Dort waren am Mittwoch die erst zuletzt wieder aufgenommenen Verhandlungen mit China ohne erkennbare Fortschritte zu Ende gegangen.

Die deutsche Industrie kritisierte Trump: “Es ist besorgniserregend, wie die US-Regierung die Risiken einer globalen Rezession in Kauf nimmt”, sagte das Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Stefan Mair. Die Verschärfung des Handelskonflikts trübe die Weltwirtschaft ein. “Unsere Unternehmen sind durch ihre globalen Wertschöpfungsketten von amerikanisch-chinesischen Sonderzöllen direkt betroffen”, sagte Mair. “Die Zuspitzung schwächt das weltwirtschaftliche Wachstum zusätzlich, bremst den Welthandel aus und beeinträchtigt die Investitionstätigkeit noch stärker.”

Die beiden größten Wirtschaftsmächte haben sich bereits gegenseitig mit milliardenschweren Zöllen überzogen, was die Weltwirtschaft bremst. Trump wirft China Dumpingpreise, Technologieklau und andere unfaire Handelspraktiken vor. Die Volksrepublik weist die Anschuldigungen zurück. Die Regierung in Peking kritisiert ihrerseits geschäftliche Beschränkungen für chinesische Konzerne in den USA - etwa für den Netzwerkausrüster Huawei, gegen den die Regierung in Washington Sicherheitsbedenken vorbringt.

TRUMP KRITISIERT CHINAS PRÄSIDENTEN XI PERSÖNLICH

Der US-Präsident kritisierte, die Chinesen hätten ihre Zusage aus früheren Gesprächen nicht eingehalten, mehr US-Agrarprodukte zu kaufen. In einer Reihe von Tweets ging Trump Xi auch persönlich an. Er warf ihm vor, zu wenig gegen chinesische Exporte des Opioids Fentanyl in die USA getan zu haben. In den USA ist die Zahl der Todesfälle durch Überdosen des Schmerzmittels stark gestiegen. Die Handelsgespräche mit China gingen weiter, erklärte Trump zugleich. “Wir freuen uns darauf, den positiven Dialog mit China über eine umfassende Handelsvereinbarung fortzusetzen.”

Einzelhandelsverbände liefen Sturm gegen Trumps Pläne. Die Vereinigung, in der Riesen wie Walmart und Amazon vertreten sind, sprach von einer verfehlten Strategie, die schon jetzt das Wirtschaftswachstum bremse, für Unsicherheit sorge und vor Investitionen zurückschrecken lasse. Ein anderer großer Verband warnte vor steigenden Preisen für Kleidung, Spielzeug, Haushaltswaren und Elektronik. “Präsident Trump benutzt amerikanische Familien als Geisel in seinen Verhandlungen über den Handelskrieg”, sagte Matt Priest, Präsident der Footwear Distributors and Retailers of America.

Neue Zölle könnten nach Einschätzung von Experten die US-Notenbank Fed unter Druck setzen, die Zinsen weiter zu senken. “Für die Fed erhöht sich durch die Trumpschen Maßnahmen der Handlungsdruck”, schrieben die Commerzbank-Ökonomen Bernd Weidensteiner und Christoph Balz. “Sollte sich durch eine neue Runde von Handelsstreitigkeiten der US-Ausblick eintrüben, würde sie die Leitzinsen rasch weiter senken.” Trump fordert bereits lautstark niedrigere Zinsen, die die Wirtschaft ankurbeln. Die laut Gesetz vom Präsidenten unabhängige Zentralbank hatte den Schlüsselsatz erst am Mittwoch erstmals seit der Finanzkrise von 2008 wieder gesenkt.

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