October 16, 2008 / 3:14 PM / 11 years ago

Citigroup und Merrill Lynch stecken in Verlusten fest

New York (Reuters) - Die beiden US-Banken Citigroup und Merrill Lynch haben im dritten Quartal wegen der weltweiten Finanzkrise erneut Milliardenverluste eingefahren.

Die Citigroup verbuchte ein Minus von 2,8 Milliarden Dollar und damit den vierten Quartalsverlust in Folge. Bei Merrill Lynch, die derzeit von der Bank of America übernommen werden, stand ein Fehlbetrag von 7,5 Milliarden Dollar in den Büchern. Beide Häuser mussten erneut milliardenschwere Abschreibungen auf Wertpapiere und faule Kredite vornehmen, wie sie am Donnerstag mitteilten. Ihre US-Konkurrenten JPMorgan Chase und Wells Fargo verbuchten im vergangenen Quartal ebenfalls starke Ergebniseinbrüche, schrieben aber dennoch einen Gewinn.

Die Citigroup lag mit ihrem Verlust in etwa im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Die Aktie der ehemals größten Bank der Welt gewann kurz nach Handelsbeginn an der Wall Street rund zwei Prozent an Wert. Die Papiere von Merrill Lynch legten sogar um über fünf Prozent zu - obwohl Experten mit einem geringeren Verlust gerechnet hatten.

Citigroup-Vorstandschef Vikram Pandit erklärte, mit dem Verkauf von Vermögenswerten gut voranzukommen. Auch der Verkauf des Filialgeschäfts in Deutschland verlaufe planmäßig. Jedoch könnten schärfere Kreditkonditionen und eine globale Rezession bestimmte Geschäftsbereiche der Bank beeinträchtigen.

Experten sind ebenfalls zurückhaltend: “Es wird künftig zwei Arten von Banken geben: Diejenigen, die überleben und Marktanteile hinzugewinnen und diejenigen, die umfallen”, sagte Portfoliomanager Matt McCormick von Bahl & Gaynor. “Die Citigroup versucht sich auf die Seite des starken Lagers zu schlagen. Aber das macht ihr das Leben nicht leichter. Sie haben scharfen konjunkturellen Gegenwind und immer noch ein großes Volumen an illiquiden Wertpapieren.”

TAUSENDE ARBEITSPLÄTZE FIELEN WEG

Im dritten Quartal musste die Citigroup über vier Milliarden Euro unter anderem auf Engagements bei Anleiheversicherern oder strukturierten Wertpapieren vornehmen. Hinzu kamen gut neun Milliarden Euro für Wertkorrekturen bei Krediten und höheren Vorsorgen für ausfallgefährdete Darlehen.

Die Citigroup ist mit Abschreibungen von gut 60 Milliarden Dollar von der weltweiten Finanzkrise am stärksten betroffen. Selbst ihre ehemalige Position als größte US-Bank musste sie inzwischen an JPMorgan abgeben. Seit Juni gingen bei der Citi 11.000 Stellen der insgesamt 363.000 Arbeitsplätze verloren.

Für den Konkurrenten Merrill Lynch bedeutete die seit über einem Jahr andauernde Finanzkrise beinahe das Aus. An dem Tag, als die Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen war, flüchtete sich Merrill in die Arme der Bank of America. Im Juli hatte das Brokerhaus ein Portfolio von 30 Milliarden Dollar an riskanten Wertpapieren für einen Spotpreis an die Beteiligungsfirma Lone Star verkauft. Das hatte zu Abschreibungen von fast sechs Milliarden Dollar geführt.

Auch auf europäische Banken dürften in den nächsten Monaten neue Milliardenabschreibungen zukommen. Die Analysten von JPMorgan rechnen im dritten und vierten Quartal bei den großen Instituten mit Belastungen von 28 Milliarden Euro. Allein der Deutschen Bank drohen der JPMorgan-Studie zufolge Abschreibungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro. Das größte deutsche Geldhaus will Ende Oktober Zahlen für das abgelaufene Quartal vorlegen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet weltweit mit Verlusten aus der Krise von bis zu 1,4 Billionen Dollar.

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