May 10, 2013 / 2:48 PM / 5 years ago

Cyber-Bankräuber plünderten auch deutsche Geldautomaten

New York/Frankfurt (Reuters) - Es ist einer der größten Banküberfälle aller Zeiten - und wohl auch der geräuschloseste: Ein weltumspannender Hacker-Ring hat binnen Stunden 40 Millionen Dollar durch Computer-Manipulationen mit gefälschten Kreditkarten erbeutet.

In Deutschland hoben Mitglieder der Bande dabei 1,8 Millionen Euro in einer Nacht im Februar von Geldautomaten in sieben Städten ab. In Düsseldorf wurde ein niederländisches Gangster-Pärchen auf frischer Tat ertappt, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Freitag bestätigte. Der 35-jährige Mann und die 56 Jahre alte Frau hätten 170.000 Euro und Kreditkarten-Duplikate bei sich gehabt, sagte ein Sprecher. Sie seien offenbar Teil der Bande und sitzen nun in Untersuchungshaft.

An dem weltweiten Raubzug dürften Hunderte Kriminelle beteiligt gewesen sein. Das US-Justizministerium hatte am Donnerstag in New York sieben Männer verhaften lassen, die den Kern der Organisation bildeten. Ein achter wurde angeblich Ende April in der Dominikanischen Republik in der Karibik getötet. Die Drahtzieher sitzen offenbar außerhalb der USA. Die Diebe seien mit “chirurgischer Präzision” vorgegangen, erklärte die New Yorker Staatsanwaltschaft. “Anstelle von Pistolen und Masken benutzte diese Cyber-Verbrecherbande Laptops und das Internet”, sagte die zuständige Staatsanwältin Loretta Lynch.

Laut Anklageschrift brachen die Hacker in die Computer zweier Kreditkarten-Abwickler ein: Im Dezember 2012 in Indien, im Februar 2013 in den USA. Dort setzten sie die Limits von aufladbaren Kreditkarten der Bank Muscat aus dem Oman und der Rakbank aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach oben. Anschließend fertigten sie Duplikate der Karten, die an zahlreiche Komplizen auf der ganzen Welt gingen. Die Cyber-Bankräuber zogen damit am 19. Februar los.

Mit Karten, die auf ein Konto der Bank of Muscat zugriffen, hoben sie der Anklage zufolge allein in New York binnen zehn Stunden an 2904 Geldautomaten 2,4 Millionen Dollar ab. Bei einem ähnlichen Coup waren im Dezember 2012 fünf Millionen Dollar von der Rakbank abgehoben worden. Weltweit kamen so mit 40.500 Zugriffen auf Geldautomaten 45 Millionen Dollar zusammen. Die Bank of Muscat hatte eingeräumt, dass sie mit zwölf vorbezahlten Karten um 39 Millionen Dollar gebracht worden sei - die Hälfte ihres Quartalsgewinns. Die Rakbank verlor nach eigenen Angaben 4,7 Millionen Dollar, Kunden seien nicht betroffen.

WER BLEIBT AUF DEM SCHADEN SITZEN?

Der Millionenraub wirft erneut Fragen zur Sicherheit von Kreditkarten und Geldautomaten auf. Eigentlich dürfte mit den kopierten Karten von deutschen Automaten kein Geld abgehoben werden können. Denn fälschen lässt sich nur der Magnetstreifen auf Bank- und Kreditkarten, auf dem die Information gespeichert ist, die in vielen Ländern zum Abheben nötig ist. Dagegen gilt der auf Bank- und Kreditkarten aufgedruckte goldene Chip, auf den Geldautomaten hierzulande zugreifen, als fälschungssicher. Ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft (DK), der die fünf großen Bankenverbände angehören, sagte, deutsche Karten und Banken seien nicht betroffen. Das Bundeskriminalamt wollte sich nicht äußern.

Der Kreditkartenanbieter MasterCard, von dessen Karten die Kopien gezogen worden waren, betonte, in seine Systeme sei nicht eingebrochen worden. Aufladbare Kreditkarten sind in den USA viel weiter verbreitet als etwa in Deutschland. Sie können - vergleichbar mit Telefonkarten - nur so weit genutzt werden, wie Geld auf das zugehörige Konto eingezahlt worden ist. Verwendet werden sie häufig auf Reisen, als Firmen-Kreditkarten oder beim Einkauf im Internet. “Kreditkarten-Inhaber müssen sich in jedem Fall keine Sorgen machen”, sagte ein Sprecher von Mastercard Deutschland. Den Verlust tragen je nach Verschulden der Karten-Dienstleister, der Abwickler oder die ausgebende Bank.

GELDWÄSCHE MIT MERCEDES-GELÄNDEWAGEN

Es ist nicht das erste Mal, dass Hackern ein Cyber-Bankraub mit aufladbaren Kreditkarten gelingt. 2009 war die Royal Bank of Scotland binnen zwölf Stunden um neun Millionen Dollar gebracht worden. Experten zufolge hat sich die Bande wohl Banken aus dem Nahen Osten ausgesucht, weil diese höhere Beträge auf Kreditkarten erlauben und diese weniger genau kontrollieren.

Die Ermittler scheinen die in New York Verhafteten eher für kleine Fische zu halten: Die US-Bürger, die alle aus Yonkers im Bundesstaat New York kommen, werden nicht als Drahtzieher oder Hacker angeklagt, sondern nur wegen der illegalen Abhebungen. Sie erklärten sich für nicht schuldig. Nach Angaben von Lynch haben sie 20 Prozent der Beute behalten, der Rest wurde an die Hintermänner weitergereicht. Die Behörden stellten mehrere hunderttausend Dollar auf Bankkonten und in bar sicher, daneben zwei Rolex-Uhren und ein Mercedes-Geländewagen. Mit dem Kauf von Luxusgütern wird oft versucht, das erbeutete Geld zu waschen.

Ob der Mord an dem achten Verdächtigen etwas mit der Tat zu tun hat, sei unklar, sagte die Staatsanwältin.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below