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Merkels vierter US-Präsident - Harmonischer Start in die Beziehung

German Chancellor Angela Merkel wears a protective mask before a statement on the outcome of the 2020 U.S. presidential election in Berlin, Germany, November 9, 2020. Michael Kappeler/Pool via REUTERS

Berlin (Reuters) - Der Kontrast könnte kaum größer sein: 2016 und 2020 stand Angela Merkel jeweils an einem 9. November im Kanzleramt vor der sogenannten blauen Wand, um einem US-Politiker zum Wahlsieg bei den Präsidentschaftswahlen zu gratulieren.

2016 trug Merkel mit stoischer Miene ihre Gratulation an Donald Trump vor - nur um diese Gratulation mit einer sehr ungewöhnlichen Mahnung an den künftigen Lenker der westlichen Supermacht zu verbinden: man könne nur auf der Basis gemeinsamer Werte gut zusammenarbeiten.

Genau vier Jahre später steht eine entspannte Kanzlerin am selben Ort und gratuliert Joe Biden und Kamala Harris “sehr herzlich” zum Wahlsieg, obwohl Trump seine Niederlage noch gar nicht eingestanden hat. Diesmal macht Merkel Pläne für gemeinsame Initiativen und fordert einen transatlantischen Schulterschluss. Die Erleichterung über den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl ist unüberhörbar. Sie gratuliere auch der designierten Vizepräsidentin Harris “herzlich”, die “als erste Frau in diesem Amt und als Kind zweier Einwanderer ... für viele Menschen eine Inspiration, ein Beispiel für die Möglichkeiten Amerikas ist.”

HOLPRIGER START MIT BUSH, OBAMA UND TRUMP

Damit schaut die Kanzlerin zum erstmals in ihrer 15-jährigen Amtszeit - und ein Jahr vor deren Ende - auf einen harmonischen Beginn einer Partnerschaft mit einem US-Präsidenten. Biden ist schon der vierte US-Präsident, mit dem sie es zu tun bekommt. Bisher war der Wechsel immer holprig. Als sie 2005 Kanzlerin wurde, nahm George Bush sie zwar mit offenen Armen auf. Immerhin hatte Merkel als Oppositionsführerin und CDU-Chefin den Irak-Kurs der rotgrünen Regierung attackiert. Aber die Kanzlerin musste schon zum eigenen politischen Überleben eher Distanz zu dem Republikaner suchen, der bei deutschen Wählern sehr unbeliebt war. Vor ihrem Antrittsbesuch in Washington Anfang 2006 übte sie deshalb offen Kritik wegen des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo. Der persönliche Kontakt der beiden war dennoch gut, was die Treffen beider Ehepaare im mecklenburg-vorpommern’schen Ort Trinswillerhagen und die Visite auf der Bush-Ranch in Crawford zeigten.

Mit dem bei den Deutschen sehr beliebten Barack Obama hatte Merkel einen holprigen Start, weil sie dem demokratischen Wahlkämpfer einen Auftritt am Brandenburger Tor untersagte. Die ersten Jahre waren deshalb frostig, Obama mied Berlin. 2011 stellte sich Merkel zudem gegen die Militär-Intervention der USA, Großbritanniens und Frankreichs in Libyen. Erst in den letzten Jahren der Obama-Amtszeit wurde das Verhältnis dann fast herzlich - was wiederum ihren Start mit Trump zusätzlich erschwerte. Trump sah Merkel von Anfang an als persönliche Konkurrentin und besuchte kein einziges Mal Berlin. Merkel galt auch in US-Medien als Antipode zu Trumps aggressiven Politikstil und der nationalistischen “America-First”-Haltung.

“BIDEN KENNT DEUTSCHLAND UND EUROPA GUT”

Biden hat Merkel dagegen schon als Obamas Vize kennen und schätzen gelernt. Die beiden trafen sich mehrfach bilateral, etwa auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2009 und 2015. Sie begegneten sich, als Merkel im November 2009 vor dem US-Kongress redete. Zudem sahen sich die beiden im Juni 2011 auf ihrer US-Reise. Im Februar 2013 kam Vizepräsident Biden nach Berlin. Und immer schwang gegenseitige Wertschätzung mit. “Biden kennt Deutschland und Europa gut”, freute sich die Kanzlerin am Montag. Und er sehe Europa vor allem anders als Trump nicht als Gegner, fügte Transatlantik-Koordinator Peter Beyer hinzu.

Im Kanzleramt gibt man sich deshalb ebenso wenig wie im Rest der Bundesregierung Mühe, die Erleichterung über den Wahlausgang zu verbergen. Merkel leistete ihren Beitrag, um Biden in der schwierigen Übergangsphase der Macht zu helfen: Am Samstag entschied sie mit einigen EU-Partnern, Biden ungewöhnlich schnell und auf Basis von Medienberichten zum Wahlsieg zu gratulieren. Das galt als klare Ansage an Trump, dass man ihn nach Januar nicht mehr als Partner akzeptieren werde. Nun arbeitet die Bundesregierung an der Vorbereitung europäisch-amerikanischer Initiativen - weil man erwartet, dass Biden die USA zurück in die WHO, zu einer WTO-Reform und in das Pariser Klimaabkommen führen wird. Und Merkel wolle in ihrem letzten Amtsjahr noch etwas erreichen, heißt es in ihrer Umgebung.

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