April 11, 2018 / 5:22 AM / 8 months ago

Im Anzug nach Canossa - Zuckerberg sagt vor US-Kongress aus

Facebook CEO Mark Zuckerberg listens while testifying before a joint Senate Judiciary and Commerce Committees hearing regarding the company’s use and protection of user data, on Capitol Hill in Washington, U.S., April 10, 2018. REUTERS/Leah Millis

- von Dustin Volz und David Ingram

Washington/San Francisco (Reuters) - Im Abwehrkampf gegen eine schärfere Regulierung zeigt sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg nach dem jüngsten Datenskandal tatkräftig.

“Wir durchlaufen gerade einen breit angelegten Kulturwandel im Unternehmen”, sagte Zuckerberg am Dienstag im US-Kongress bei der ersten öffentlichen Anhörung nach Bekanntwerden der unlauteren Nutzung von Informationen von bis zu 87 Millionen Facebook-Mitgliedern durch Cambridge Analytica. Der 33-Jährige, der den Frage- und Antwortmarathon der Senatoren anders als andere Auftritte im Anzug absolvierte, gab sich reumütig: “Wir haben uns die Dimension unserer Verantwortung nicht vergegenwärtigt und das war ein großer Fehler.” Doch in der fast fünfstündigen Anhörung ließ er sich keine konkreten Zusagen dafür abringen, eine stärkere Kontrolle des weltgrößten sozialen Netzwerks zuzulassen.

Die zum Teil scharfen Fragen der Senatoren des Justiz- und Handelsausschusses reichten von der jüngsten Datenaffäre, bei der die britische Firma Cambridge Analytica mit den Nutzerinformationen den Wahlkampf von Präsident Donald Trump unterstützte, über Falschnachrichten (“fake news”) bis zur russischen Einmischung in den Wahlkampf vor zwei Jahren. Für Zuckerberg, der Facebook 2004 als Harvard-Student gründete und zu einem Konzern mit einem Marktwert von mehr als 450 Milliarden Dollar machte, steht wie für die gesamte Technologiebranche viel auf dem Spiel. Angesichts des Datenskandals, mit dem sich das Unternehmen seit Mitte März herumschlägt, denkt die Politik über eine stärkere Regulierung nach. Einzelne Volksvertreter haben eine Zerschlagung von Facebook mit seinen mehr als zwei Milliarden Nutzern gefordert.

Bisher hätten viele Abgeordnete darauf vertraut, dass sich die Technologieunternehmen selbst steuerten, sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses, John Thune, zu Beginn der Anhörung. “Aber dies könnte sich ändern.” Zuckerberg erklärte, er sei per se nicht gegen eine Regulierung, wenn es die richtige sei. Details wollte er nicht nennen, versprach lediglich, entsprechende Vorschläge einzureichen. Er betonte, dass die USA nicht hinter China zurückfallen dürften, was Innovationen angehe. Für Lacher sorgte Zuckerberg mit der Antwort auf die Frage, ob Facebook ein Monopol innehabe: “Es fühlt sich für mich nicht danach an.”

Bei der Anhörung kamen 44 Senatoren zu Wort. Zuckerberg, der alle Fragen sehr konzentriert und ruhig beantwortete, schien im Verlauf der Fragerunde Selbstvertrauen zu gewinnen. Der sonst medienscheue Milliardär fährt gerade eine Charme-Offensive. Um Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen, entschuldigte er sich bereits in mehreren Interviews. Viele seiner Aussagen wiederholte er auch am Dienstag. Bei Anlegern kam der Auftritt des Amerikaners gut an: Die Facebook-Aktie baute ihre Gewinne aus und schloss mit einem Plus von 4,5 Prozent.

Im Ringen um die Gunst der Senatoren und Nutzer weltweit verwies er auf die Veränderungen, die Facebook vorgenommen hat. So gibt der Konzern aus Menlo Park Nutzern mehr Kontrolle über ihre eigenen Informationen und vereinfacht die Verwaltung der Einstellungen. Werbekunden sollen davon nicht gestört werden. Das Gros der Einnahmen des Tech-Riesen kommt aus den Anzeigen. Analysten und Anleger könnte eine Aussage Zuckerbergs noch einige Zeit beschäftigen: “Es wird immer eine Version von Facebook geben, die kostenlos ist.” Zuckerberg kündigte an, alle Apps zu untersuchen, die Zugriff auf Facebook-Nutzerinformationen haben.

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