March 17, 2008 / 2:28 PM / 11 years ago

JP Morgan kauft Bear Stearns - Fed senkt wichtigen Zins

New York/Washington (Reuters) - Die Krise an den weltweiten Finanzmärkten hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

An employee holds her hand against a door at the Bear Stearns office in Singapore March 17, 2008. JPMorgan Chase & Co set a deal to buy stricken rival Bear Stearns for a rock-bottom price, while the U.S. Federal Reserve expanded lending to securities firms for the first time since the Great Depression to prop up the financial system. REUTERS/Vivek Prakash (SINGAPORE)

Die US-Bank JP Morgan Chase kündigte am Sonntag an, für einen Spottpreis ihre schwer angeschlagene Konkurrentin Bear Stearns zu übernehmen und sie damit vor der Pleite zu bewahren. Praktisch zeitgleich drehte die US-Notenbank Fed den Geldhahn weiter auf: Sie legte ein Sonderkreditprogramm für große US-Banken auf und griff damit erstmals seit der Weltwirtschaftskrise in den 30er-Jahren in einer solchen Aktion dem Finanzsystem unter die Arme. Zudem senkte sie den Diskontsatz, zu dem sich Banken über Nacht bei der Fed Geld besorgen können, um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent.

An den Börsen herrschte am Montag regelrechte Panikstimmung. Der deutsche Leitindex Dax stürzte um über vier Prozent auf 6183 Zähler und markierte ein neues Jahrestief. In ganz Europa standen Finanztitel unter massivem Verkaufsdruck. Der Euro schnellte auf knapp 1,58 Dollar nach oben. In Asien schloss der Nikkei-Index knapp vier Prozent tiefer. Auch die US-Börsen eröffneten im Minus.

JP Morgan legt für Bear Stearns 236 Millionen Dollar oder zwei Dollar je Aktie auf den Tisch - das sind 93 Prozent weniger als der Aktienkurs der fünftgrößten US-Investmentbank vom vergangenen Freitag. Am Montag brach der Kurs um über 90 Prozent auf knapp drei Dollar ein. Vor etwa einem Jahr war das Papier noch 172 Dollar wert. Die Gesamtkosten des Geschäfts bezifferte JPMorgan auf sechs Milliarden Dollar. Zudem garantiert die Bank für sämtliche finanzielle Verpflichtungen von Bear Stearns. Die Fed unterstützt sie dabei mit bis zu 30 Milliarden Dollar.

Ein Zusammenbruch von Bear Stearns, bei der etwa 14.000 Menschen arbeiten, hätte nach Ansicht von Experten unabsehbare Folgen für das gesamte Bankensystem gehabt. Handelspartner hätten große Verluste fürchten müssen, die Kreditvergabe wäre erheblich eingeschränkt worden. JP Morgan war Bear Stearns bereits am Freitag zusammen mit der Fed in einer dramatischen Rettungsaktion zur Seite gesprungen. Das Institut hatte sich am US-Immobilienmarkt mit Ramschhypotheken verspekuliert, zwei ihrer Hedgefonds waren bereits im Sommer zusammengebrochen. Der langjährige Bankchef James Cayne musste seinen Posten abgeben.

WELCHE LEICHEN LIEGEN WEGEN KREDITKRISE NOCH IM KELLER?

Mit ihrem Sonderkreditprogramm greift die Fed sogenannten Primärhändlern unter die Arme - insgesamt 20 großen Instituten wie Bear Stearns, die an den Finanzmärkten direkt mit der Zentralbank handeln. Sie sollen für mindestens sechs Monate zum Diskontsatz von der Fed Geld bekommen können. Die Beschlüsse sollten den Geldhäusern mehr Sicherheit geben, an Kapital zu kommen, sagte US-Notenbankchef Ben Bernanke. Erst vor ein paar Tagen hatte die Fed in einer gemeinsamen Aktion mit anderen Notenbanken mehr als 200 Milliarden Dollar bereitgestellt, um einen Liquiditätsengpass an den Kapitalmärkten zu verhindern.

“Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen”, urteilte Analyst Craig James von CommSec über die jüngste Aktion der US-Notenbank. “Die Fed versucht damit die Märkte zu beruhigen. Die große Frage ist aber, welche Leichen im Keller durch die Kreditkrise noch ans Tageslicht kommen”, sagte David Cohen von Action Economics.

Die Senkung des Diskontsatzes begründete die Fed damit, dass liquide, gut funktionierende Märkte wesentlich für die Förderung des Wirtschaftswachstum seien. In mehreren Schritten hatte sie den Diskontsatz seit Sommer 2007 um über zwei Prozentpunkte reduziert. Analysten erwarten, dass sie auch den Leitzins, also den Zielsatzes für Tagesgeld, am Dienstag weiter senkt.

US-Präsident George W. Bush sagte, er habe der Fed Rückendeckung für die Zinssenkung gegeben. Die USA hätten die Lage im Griff. Auch sein Finanzminister Henry Paulson zeigte sich zufrieden über das Eingreifen der Fed und lobte zudem die Bear-Stearns-Übernahme. Diese stärkten Stabilität, Liquidität und das ordnungsgemäße Funktionieren der Märkte, erklärte Paulson. Der Minister war an den Gesprächen über die Übernahme der Investmentbank beteiligt.

Die Misere von Bear Stearns verstärkt hatte das chinesische Brokerhaus CITIC. Die Bank teilte mit, sie überdenke ihre Pläne für einen Einstieg und könne nicht garantieren, dass es zu der in Aussicht gestellten Investition von etwa einer Milliarde Dollar kommen werde.

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