March 25, 2019 / 6:18 AM / 3 months ago

US-Währungshüter hat Verständnis für Nervosität an Märkten

Chicago Federal Reserve Bank President Charles Evans visits the online music retailer Sweetwater, in Fort Wayne, Indiana, U.S. September 14 2018. REUTERS/Ann Saphir

Hongkong/London (Reuters) - Ein führender US-Währungshüter hält die Talfahrt an den Finanzmärkten rund um den Globus nach einem Rezessionsvorboten für verständlich.

Zugleich stimmte er Investoren auf eine anhaltende Zinspause ein. Die jüngste Entwicklung am US-Anleihemarkt gebe Anlass, “etwas nervös zu werden”, sagte Fed-Führungsmitglied Charles Evans am Montag in Hongkong. Die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen waren am Freitag erstmals seit zwölf Jahren wieder höher als bei den langfristigen Bonds, was Experten als ein Warnzeichen für die Gefahr eines nahenden Konjunktureinbruchs werten. Denn üblicherweise steigt die Verzinsung mit der Laufzeit. Die Investoren in den USA und auch in Asien suchten das Weite, was sich in fallenden Aktien-Kursen widerspiegelte. Zugleich deckten sich Anleger in Europa verstärkt mit als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen und der “Krisenwährung” Gold ein.

Evans, der den Notenbank-Bezirk Chicago leitet, rechnet bis zur zweiten Jahreshälfte 2020 mit keinen weiteren Zinserhöhungen in den USA. Sein Kollege Patrick Harker, Fed-Chef des Bezirks Philadelphia, hält “höchstens” einen Schritt nach oben in diesem Jahr für möglich. “Ich bin weiter im Abwartemodus”, betonte der Währungshüter in London. Anders als Evans hat er dieses Jahr in dem über die Zinspolitik entscheidenden Offenmarktausschuss kein Stimmrecht. Evans betonte ebenfalls, es sei eine gute Zeit, eine vorsichtige Haltung einzunehmen, weil die US-Wirtschaft immer noch stark sei. Mit Blick auf die jüngst gekippte Zinskurve am Anleihenmarkt sagte er dem Sender CNBC am Rande einer Konferenz, er verstehe, dass Investoren wachsam und abwartend agierten. Die Fed handele auch so.

Das Schreckgespenst des unter Fachleuten als “inverse Zinsstrukturkurve” bekannten Phänomens beschäftigt die US-Notenbank Fed bereits seit längerem: Schon Mitte vorigen Jahres hatten die Währungshüter mitten in der Zinserhöhungsphase eine breite Diskussion darüber geführt, ob sich anhand solcher Marktdaten Risiken für eine drohende Rezession ableiten ließen. Damals war der Renditeabstand zwar abgeschmolzen, hatte sich aber noch nicht zugunsten der kurzlaufenden Zinsen umgekehrt. Eine Reihe von Fed-Führungsmitgliedern plädierte seinerzeit dafür, die Kurve weiter genau im Auge zu behalten. Zuletzt hat die Fed eine Leitzins-Pause eingelegt und signalisiert, angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten 2019 stillzuhalten. Vor allem der Zollstreit zwischen den USA und China sorgt seit Monaten für Verunsicherung in der Wirtschaft.

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