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Wirtschaftsnachrichten

Fed-Vize - Strategieschwenk bedeutet Absage an überholte Lehrbuchweisheiten

The Federal Reserve seal is seen during Chairman Jerome Powell news conference following the two-day meeting of the Federal Open Market Committee (FOMC) meeting on interest rate policy in Washington, U.S., January 29, 2020. REUTERS/Yuri Gripas

Washington (Reuters) - Der Vizechef der US-Notenbank, Richard Clarida, wertet den jüngsten geldpolitischen Strategieschwenk der Fed als “Meilenstein”.

Mit der Umarbeitung trage die Fed dem Umstand Rechnung, dass die Wirtschaft nicht den “Lehrbuchweisheiten” gewisser ökonometrischer Modelle entspreche, sagte er am Montag an der US-Denkfabrik Peterson Institute for International Economics in Washington. So sei eine niedrige Arbeitslosenquote keine hinreichende Voraussetzung für eine Zinserhöhung, wenn sich nicht zugleich überhöhter Inflationsdruck aufbaue. Dies sei in der neuen Strategie berücksichtigt.

Die Fed habe ihren seit 2012 geltenden Zielkatalog überarbeiten müssen, um nicht wie etwa Japan auf eine Bahn zu geraten, die von schwachen Wachstumsraten gekennzeichnet sei. Die Forschung belege, dass sich die Wirtschaft im vorigen Jahrzehnt gewandelt habe. Hätte die Fed ihre Strategie nicht angepasst, hätte sich demnach im Hinterkopf von Investoren und Verbrauchern die Erwartung einer Inflation festsetzen können, die unter dem Fed-Ziel von zwei Prozent bliebe.

Der vorige Woche vorgestellte Strategieschwenk bietet mehr Spielraum beim Ansteuern des Inflationsziels. Demnach könnte die Fed die Teuerungsrate für einen längeren Zeitraum über dem angepeilten Idealwert halten, wenn diese zuvor geraume Zeit darunter geblieben ist. Dieses nun favorisierte Modell heißt im Fachjargon “Average Inflation Targeting”. Zugleich soll stets das Ziel der Vollbeschäftigung an erster Stelle stehen.

Die US-Notenbank hatte dieses bereits erreicht, doch haben die Corona-Krise und die dadurch losgetretene Welle von Entlassungen Massenarbeitslosigkeit ausgelöst. Bei der Inflation hat sie das Ziel von zwei Prozent jedoch über weite Strecken nicht erreicht - wohl auch, weil der Trend zur Digitalisierung und zum Online-Geschäft dem Preisauftrieb entgegenwirkt.

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