for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Wirtschaftsnachrichten

Nach EZB auch Fed auf dem Weg zu noch laxerer Geldpolitik

Washington/Berlin (Reuters) - Nach Signalen der EZB bereitet auch die US-Notenbank Fed die Finanzmärkte behutsam auf eine weitere Öffnung der Geldschleusen vor.

The European Central Bank (ECB) logo is pictured before a news conference on the outcome of the meeting of the Governing Council in Frankfurt, Germany, January 23, 2020. REUTERS/Ralph Orlowski

Sie beließ den Leitzins am Donnerstagabend (MEZ) in der Spanne von null bis 0,25 Prozent und hielt zugleich die Tür für neue Nothilfen in der Corona-Pandemie offen. Fed-Chef Jerome Powell sagte, die Währungshüter hätten auf der Sitzung ihr milliardenschweres Anleihenprogramm analysiert und breit darüber diskutiert. Sie seien entschlossen, falls nötig mit “kraftvollen Instrumenten” wie diesem die angeschlagene Wirtschaft noch stärker zu stützen. Derzeit erwirbt die Fed Monat für Monat Wertpapiere im Volumen von mindestens 120 Milliarden Dollar.

“Das Feld für weitere Stützmaßnahmen ist bereitet. Für die kommenden Monate ist mit weiteren Lockerungsmaßnahmen zu rechnen”, meint Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. NordLB-Analyst Bernd Krampen verweist darauf, dass die Fed über Volumen, Zusammensetzung und zeitlichen Umfang des Anleihenprogramms diskutiert habe: “An diesen Stellschrauben zu drehen, ist durchaus eine Möglichkeit zur weiteren geldpolitischen Unterstützung der Konjunktur.” Gleichzeitig habe Powell jedoch betont, dass die Maßnahmen aktuell adäquat seien: “Wir erkennen daraus, dass die Federal Reserve im Fall einer sich wieder verschlechternden Wirtschaftslage bereit ist, erneut einzugreifen.” Die nächste reguläre Sitzung der Fed steht am 16. Dezember an.

Auch die EZB hatte jüngst die Tür für weitere Konjunkturhilfen weit aufgestoßen. Viele Experten erwarten, dass sie auf ihrer nächsten Sitzung am 10. Dezember ein neues geldpolitisches Paket schnüren wird. Insidern zufolge loten die Hüter des Euro aus, ob sie ihr inzwischen auf 1,35 Billionen Euro angewachsenes Pandemie-Kaufprogramm PEPP erneut aufstocken sollen oder ein bereits 2015 aufgelegtes Kaufprogramm, das im Fachjargon unter dem Kürzel APP firmiert.

IM GLEICHSCHRITT

So könnte es also sein, dass die Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantiks praktisch im Gleichschritt im Dezember ihre Geldpolitik weiter lockern. In beiden Fällen könnten sie wegen der Zuspitzung der Corona-Lage als Krisenhelferinnen für die Wirtschaft gefragt sein: Die EU-Kommission in Brüssel rechnet nicht mit einer schnellen Konjunkturerholung. Die zweite Welle an Neuinfektionen sorge derzeit für noch mehr Unsicherheit, sagte Kommissionsvize Valdis Dombrovskis jüngst.

Auch den USA steht konjunkturell wohl ein harter Winter ins Haus: Zwar hat die Wirtschaft im Sommer wieder kräftig Boden gutgemacht, doch angesichts hoher Infektionszahlen hat sich der Konjunkturausblick eingetrübt. Auch der Arbeitsmarkt ist noch weit von der Normalität entfernt. Im Zuge der Pandemie gingen mehr als 22 Millionen Jobs verloren, von denen bislang nur rund die Hälfte wieder geschaffen wurde.

Dies treibt auch die US-Notenbank um, die Vollbeschäftigung sichern soll, von diesem Ziel jedoch meilenweit entfernt ist. Powell sagte, die Erholung am Jobmarkt habe sich verlangsamt. Die Fed werde die Millionen Amerikaner nicht aus dem Blickwinkel verlieren, die derzeit ohne Job seien.

Da nun die Zeichen auf beiden Seiten des Atlantiks wohl auf Lockerung stehen, dürfte ein Auftritt Powells auf dem nächste Woche anstehenden Zentralbankenforum der EZB an den Finanzmärkten mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden. An der in Corona-Zeiten im Digitalformat abgehaltenen Konferenz werden auch EZB-Chefin Christine Lagarde und Chefvolkswirt Philip Lane teilnehmen. Dabei geht es um die Zukunft der Geldpolitik in Zeiten des Nullzinses.

Neben Konjunktursorgen beschäftigt die Fed derzeit auch die Zitterpartie um den Ausgang der US-Präsidentenwahl, die wohl ein juristisches Nachspiel haben wird. Das alles kommt für die Fed zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie dringt seit langem auf ein weiteres Konjunkturpaket, damit die unter der Corona-Krise leidende Wirtschaft mehr Fahrt aufnehmen kann.

Das US-Parlament konnte sich in Wahlkampfzeiten jedoch nicht zu neuen Hilfen durchringen. Die US-Wahl hinterlasse einen gespaltenen Kongress, meint Chefökonom Samy Chaar vom Bankhaus Lombard Odier. “Dies führt unweigerlich dazu, dass das Pandemie-Konjunkturpaket kleiner ausfallen wird als erwartet.” Anstelle der zwei Billionen Dollar, die die Märkte bei einem demokratisch kontrollierten Kongress erwartet haben, seien eher staatliche Hilfen in Höhe von 500 Milliarden bis einer Billion Dollar wahrscheinlich. Die Fed stehe unter Druck, diese Lücke zu schließen.

Reporter: Howard Schneider, Ann Saphir, geschrieben von Reinhard Becker, redigiert von Sabine Ehrhardt; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up