May 2, 2019 / 5:18 AM / 25 days ago

Fed lässt Trump mit Forderung nach niedrigeren Zinsen abblitzen

U.S. President Donald Trump looks on as Jerome Powell, his nominee to become chairman of the U.S. Federal Reserve, speaks at the White House in Washington, U.S., November 2, 2017. REUTERS/Carlos Barria

Washington/Berlin (Reuters) - Die US-Notenbank Fed lässt den Leitzins konstant und erteilt damit Forderungen von Präsident Donald Trump nach einer Senkung eine Absage.

Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell beließen den geldpolitischen Schlüsselsatz am Mittwoch in der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Zugleich kündigten sie an, bei geldpolitischen Entscheidungen “geduldig” agieren zu wollen. Dieses Schlüsselwort gilt als Fingerzeig, dass die Zentralbank vorerst keine weiteren Erhöhungen plant - aber eben auch keine Senkungen, wie sie Trump fordert. “Wie Sie wissen, sind wir eine nicht-politische Institution”, betonte Powell vor der Presse. Kurzfristige Erwägungen politischer Art hätten bei der Entscheidungsfindung der Notenbank nichts verloren.

“Wir fühlen uns mit unserer geldpolitischen Haltung wohl”, sagte der Zentralbankchef. Es gebe “keine starken Argumente” dafür, das gegenwärtige Leitzinsniveau aufzugeben und sich in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Die von Trump wegen ihrer aggressiven Erhöhungen vom vorigen Jahr heftig kritisierte Notenbank fährt damit vorerst auf Sicht, während die Währungshüter in der Euro-Zone noch bis mindestens Ende dieses Jahres den Nullzins beibehalten wollen. In Japan kündigte die Notenbank sogar an, bis mindestens zum Frühjahr 2020 an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festzuhalten.

“Zinspolitisch wird die US-Notenbank wohl noch bis Frühjahr 2020 stillhalten”, meint Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Die gesunkene Kern-Inflationsrate, die auch für den Rest des Jahres deutlich unter dem Zwei-Prozent-Zielwert der Fed bleiben dürfte, sorge aber bereits bei einigen Fed-Vertretern für Unruhe: “Die Debatte um eine vorsorgliche Leitzinssenkung dürfte deshalb bald Fahrt aufnehmen”, so der Ökonom. Powell sagte, die jüngst zurückgegangene Inflationsrate sei womöglich auf “vorübergehende Faktoren” zurückzuführen. Sollte sie aber nachhaltig unter dem Ziel bleiben, würde die Fed das geldpolitisch mit ins Kalkül nehmen.

“Die offene Frage, die die Märkte in den kommenden Monaten beschäftigen wird, ist, welche Abweichungen bei der Inflation eine Zinssenkung auslösen würden und wie heftig eine Reaktion ausfallen würde”, meint Ökonom Nathan Sheets vom Vermögensverwalter PGIM. Händler haben weiterhin eine Zinssenkung für das Jahresende auf dem Zettel, auch wenn die Äußerungen Powells zur Inflation etwas mehr Zweifel daran aufkommen ließen. “Vermutlich wird die Fed nicht nur recht rasch zu Zinssenkungen greifen, wenn die Konjunktur lahmen sollte, sondern vor allem auch wenn die Finanzmärkte – die Aktien- und Kreditmärkte – in Schwierigkeiten geraten sollten”, erwartet Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel.

Die Fed achtet besonders auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher, wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten außen vor bleiben. Diese Rate sackte trotz des Wirtschaftsbooms zuletzt auf nur noch 1,6 Prozent und damit weit unter das Ziel der Notenbank von zwei Prozent ab.

US-PRÄSIDENT MACHT DRUCKDie US-Konjunktur könnte “abgehen wie eine Rakete”, wenn die Zentralbank den Schlüsselzins senken würde, schrieb der US-Präsident jüngst auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die Wirtschaft habe das Potenzial dafür, sollten die Leitzinsen um etwa einen Basispunkt reduziert und die Geldpolitik gelockert werden. Die Währungshüter sind mit der Entwicklung der Wirtschaft derzeit jedoch recht zufrieden, die nach ihrer Einschätzung “solide” wächst. Zu Jahresbeginn hatte die Konjunktur überraschend an Fahrt gewonnen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 3,2 Prozent zu. Ende 2018 war lediglich ein Plus von 2,2 Prozent herausgesprungen.

“Die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung nimmt Druck von der Fed. Sie braucht daher nicht unmittelbar mit einer weiteren Anpassung der Politik zu reagieren”, meint Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Allerdings kappte sie nun den Zinssatz für die Überschussreserven der Banken - im Fachjargon IOER genannt - auf 2,35 von 2,40 Prozent. “Am Markt könnte die nun erfolgte Senkung allerdings als Zeichen verstanden werden, dass es auch beim Leitzins zu Zinssenkungen kommen könnte”, meint Oliver Baron vom Finanzportal GodmodeTrader. Powell trat solchen Spekulationen jedoch auf der Pressekonferenz entgegen und betonte, es handle sich nur um “kleine technische Justierungen”.

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