June 16, 2020 / 4:31 PM / 22 days ago

Fed erwägt Kontrolle der Zinskurve - Banken könnten profitieren

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die US-Notenbank (Fed) blickt zurzeit nach Tokio: Die Hüter des Dollar bringen eine Kontrolle der Zinskurve ins Gespräch, die in Japan bereits seit Jahren praktiziert wird.

The seal for the Board of Governors of the Federal Reserve System is displayed in Washington, U.S., June 14, 2017. REUTERS/Joshua Roberts - RC18FB5E1BA0

In den USA könnte das Beispiel Schule machen, falls die Folgen der Coronavirus-Pandemie die Wirtschaft noch lange belasten. Bei der Kontrolle der Zinskurve - im Fachjargon als Yield Curve Control (YCC) bekannt - geht es darum, neben kurzfristigen auch längerfristige Zinsen zu steuern.

Dies wurde bislang den Märkten überlassen, durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage. Laut US-Notenbankchef Jerome Powell hat die Fed intern über YCC gesprochen, die Wirksamkeit bleibe jedoch eine offene Frage. Ökonom Christoph Balz von der Commerzbank sagt dazu: “Wir interpretieren dies so, dass ein solcher Schritt wahrscheinlich nicht unmittelbar bevorsteht, aber YCC ein Kandidat sein könnte, wenn die Fed in Zukunft etwas Aktionismus zeigen will.”

Experten gehen davon aus, dass durch YCC Investitionen in der Rezession gefördert würden und das Geschäft der Geldhäuser stabilisiert würde. “Es wäre dann einfacher für die Banken, Gewinne zu machen”, sagt Ökonom Tobias Basse von der NordLB.

MEHR BEINFREIHEIT FÜR BANKEN

Beobachter warten gespannt auf die Anhörung des Fed-Chefs vor dem Kongress am Dienstag und Mittwoch. Die Frage ist, ob er sich dabei weitere Details zum Thema YCC entlocken lässt. Die Idee hinter YCC ist, dass sich kurz- und langfristige Zinssätze nicht zu sehr annähern sollten – die Zinskurve also nicht zu sehr abflacht. Denn das würde den Banken schaden. Sie gehen kurzfristige Verbindlichkeiten ein und legen das geliehene Geld längerfristig an. Je steiler die Zinskurve ist, desto größere Beinfreiheit haben die Banken für mehr Ausleihungen an Firmen und Verbraucher - eine zentrale Frage in der derzeitigen Rezession. “Wenn man nicht mehr deutlicher die Kurzfristzinsen senken kann, ist es eine naheliegende Idee, direkt auf das langfristige Zinsniveau einzuwirken”, führt NordLB-Experte Basse aus. “Und das macht man in Japan mit relativ großem Erfolg.”

Für John Vail, Chefstratege beim Vermögensverwalter Nikko AM, hat die Fed mit ihrem Signal einer jahrelangen Nullzinspolitik den Weg für die Steuerung der Zinsstrukturkurve im weiteren Verlauf des Jahres geebnet. “Diese Steuerung könnte sehr schwierig werden, wenn sich die US-Wirtschaft 2021 stark verbessert – tendenziell haben die USA ein höheres Wachstums- und Inflationspotenzial als Japan”, sagt der Experte. Zugleich zeige der Blick nach Japan, wo die Zinskurvenkontrolle seit 2016 in Kraft ist, auch die Gefahr einer derartigen Steuerung, sagt Commerzbank-Devisenexpertin Thu-Lan Nguyen. In der derzeitigen Krise habe die Bank von Japan keinen Spielraum mehr, ihre Geldschleusen noch weiter zu öffnen. “Irgendwo ist eine Grenze da, und da ist die Bank von Japan offensichtlich angekommen.”

“SCHLECHT FÜR DIE WÄHRUNG”

Sollte die Fed die Zinskurvenkontroll-Strategie tatsächlich wählen - wie sie etwa auch in Australien bereits verfolgt wird -, dürfte das an den Finanzmärkten für einigen Gesprächsstoff sorgen. Insbesondere dürfte der Dollar bei seinem Höhenflug auf Widerstände treffen. Denn wenn die Renditen der US-Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten begrenzt werden, dürften Investoren sich auf die Suche nach lukrativeren Anlagen machen. Analysten gehen davon aus, dass vor allem die Papiere mit drei bis fünf Jahren Laufzeit ins Visier geraten. “Wenn man die Zinskurve beeinflusst, ist das üblicherweise schlecht für die Währung, weil es keinen Anreiz gibt, die Anleihen zu kaufen, wenn man dafür keine Rendite bekommt”, erläutert Momtchil Pojarliev, Chefstratege für Währungen bei BNP Asset Management.

Commerzbank-Expertin Nguyen rechnet vor allem kurzfristig mit Effekten für den Dollar. Allerdings dürften sich diese in Grenzen halten, weil der Dollar zugleich als sicherer Hafen gelte und deswegen in turbulenten Zeiten gefragt sei. Bis Ende kommenden Jahres erwartet die Commerzbank einen Euro-Kurs von 1,16 bis 1,18 Dollar - derzeit liegt die Gemeinschaftswährung bei 1,12 Dollar. “Die Stärke des Dollar seit 2014/2015 war vor allem auf die Erwartung und Umsetzung einer Normalisierung der Geldpolitik in den USA zurückzuführen”, sagt sie. “Das ist in der Coronavirus-Krise vollkommen zurückgenommen worden.”

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