September 22, 2008 / 10:47 AM / 10 years ago

Letzte US-Investmentbanken geben Geschäftsmodell auf

Washington (Reuters) - Angesichts des Sturms auf den Finanzmärkten werfen die beiden letzten großen US-Investmentbanken ihr Geschäftsmodell über Bord und suchen Zuflucht bei der Notenbank Fed.

Goldman Sachs und Morgan Stanley gaben in der Nacht zum Montag ihre Verwandlung in gewöhnliche Geschäftsbanken bekannt, um Zugriff auf die Geldtöpfe der Fed zu bekommen. Die beiden bislang relativ ungezügelten Branchenführer müssen sich damit in Zukunft den deutlich strengeren Auflagen der Fed unterwerfen, können sich aber im Gegenzug auch im Privatkundengeschäft engagieren - etwa durch Übernahmen. Damit ist das Geschäftsmodell der US-Investmentbank faktisch ausgelöscht, das die Wall Street mehr als 20 Jahre lang dominierte.

Wie Reuters in der Nacht zum Montag erfuhr, bemühten sich die beiden Investmentbanken selbst bei der Fed um die Genehmigung für ihre Umwandlung. An der Börse waren in der vergangenen Woche ernsthafte Zweifel aufgekommen, ob die stark von den Finanzmärkten abhängigen Geldhäuser die Finanzkrise überleben würden. Nun sollen sie bereits in der Übergangszeit auf die Geldtöpfe der Fed zurückgreifen können. Die Aktien beider Banken gaben im Frankfurter Handel am Montagvormittag um jeweils rund sechs Prozent nach.

Bislang unterlagen die Investmentbanken lediglich den Auflagen der US-Börsenaufsicht SEC. Dieser Sonderstatus ermöglichte es ihnen, mit riesigen Summen geliehenen Geldes hohe Risiken einzugehen. In guten Zeiten konnten sie damit gigantische Gewinne einfahren - zuletzt jedoch brachte dieses Geschäftsmodell zunehmend Probleme. Nach der Umwandlung müssen sie wie andere Banken auch viel Geld bei der Fed hinterlegen und können deshalb nicht mehr mit einem so großen Hebel arbeiten wie bislang. Für das Geschäft der beiden in Deutschland dürfte sich zunächst nicht ganz so viel ändern - hier haben sie eine normale Banklizenz und unterliegen damit bereits der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der Bundesbank.

Branchenexperten begrüßten die Umwandlung in einer ersten Reaktion. “Das schafft einen Eindruck von größerer Sicherheit und Überwachung. Es rationalisiert das Aufsichtssystem. Es sollte sowohl für Goldman Sachs als auch für Morgan Stanley gut sein”, sagte Chip MacDonald, ein Fusionsexperte bei der Kanzlei Jones Day. Kirby Daley von Newedge Group in Hongkong bewertet die Umwandlung als Beleg dafür, dass die US-Regierung und die Banken selbst weiter große Gefahren am Finanzmarkt wittern. “Die Folgen der gesamten Maßnahmen sind einfach irre.”

Zu Jahresanfang gab es an der Wall Street noch fünf große Investmentbanken. Bear Stearns und Merrill Lynch retteten sich in die Arme der breiter aufgestellten Häuser JP Morgan und Bank of America, Lehman Brothers musste vergangene Woche insolvenz anmelden.

Wie Reuters weiter erfuhr, haben damit für Morgan Stanley die Fusionsgespräche mit der US-Regionalbank Wachovia an Dringlichkeit verloren, ein Zusammenschluss sei weniger wahrscheinlich geworden. Morgan Stanley setze jedoch die Gespräche mit anderen Parteien fort, hieß es am Sonntag. Das Institut verhandelt unter anderem mit einem chinesischen Staatsfonds über eine höhere Beteiligung.

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