January 17, 2018 / 1:06 PM / a month ago

Goldman Sachs zeigt Schwächen wie in der Finanzkrise

Bangalore (Reuters) - Der maue Handel und Milliardenkosten durch die US-Steuerreform haben der Investmentbank Goldman Sachs den ersten Quartalsverlust seit 2011 eingebrockt.

Unter dem Strich stand in den letzten drei Monaten des abgelaufenen Jahres ein Minus von 2,14 Milliarden Dollar zu Buche. Ein Jahr zuvor war es noch ein Gewinn von gut zwei Milliarden, wie das Institut am Mittwoch mitteilte. Vor allem in der einstigen Vorzeigedisziplin - dem Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen - schwächelte Goldman und schnitt so schlecht ab wie keine andere Großbank, die bislang ihre Zahlen vorgelegt hat. Hier halbierten sich die Erträge binnen Jahresfrist auf eine Milliarde Dollar - das schlechteste Ergebnis seit der Finanzkrise.

Trotzdem sieht Bankchef Lloyd Blankfein die Investmentbank auf einem guten Weg, die im September vorgestellten Wachstumsziele zu erreichen. An der Börse herrschte dagegen Ernüchterung, galten die “Goldmänner” doch lange als Könige des lukrativen Handelsgeschäfts, denen viele europäische Geldhäuser nacheiferten - auch die Deutsche Bank, die mit ihrer Bilanz Anfang Februar folgt und bereits einen Verlust angekündigt hat. Die Goldman-Aktie fiel im frühen Handel an der Wall Street um mehr als drei Prozent.

Im Gesamtjahr 2017 halbierte sich der Gewinn der Amerikaner auf fast 3,7 Milliarden Dollar. Die Erträge legten dagegen um 18 Prozent auf 7,37 Milliarden Dollar zu. Hier half das nach wie vor florierende Geschäft mit der Beratung bei Fusionen und Übernahmen.

Im Handel verwies Goldman nun wie die Konkurrenz auf die Zurückhaltung der Kunden und extrem niedrige Schwankungen an den Finanzmärkten. Besserung ist so schnell nicht in Sicht, wie andere Häuser bereits gewarnt haben. Hinzu kommt, dass Goldman stärker als andere Banken im Handel mit Rohstoffen wie Öl engagiert ist. Der Rückgang der Handelserträge sei vor allem dem Rohstoffsektor geschuldet, sagte Finanzchef Marty Chavez in einer Telefonkonferenz. Schon in den vergangenen Quartalen verbuchte Goldman in dem wichtigen Geschäft starke Einbußen und schnitt schlechter ab als die Konkurrenz.

ANDERE SIND BREITER AUFGESTELLT

Doch es kommt auch eine Sonderbelastung hinzu: Wie andere Großbanken kostet die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, durch die die Körperschaftssteuer in den USA auf 21 Prozent von 35 Prozent sinkt, auch Goldman erst einmal viel Geld. Das Institut bezifferte die Belastungen auf 4,4 Milliarden Dollar. Der Großteil der Summe entfällt nach früheren Angaben auf eine einmalige Steuer, um im Ausland erzielte Gewinne in die USA zu holen.

Andere Großbanken wie JP Morgan oder die Bank of America müssen zwar ebenfalls Milliardenkosten für die Steuerreform schultern und stemmen sich gegen den schwachen Handel. Sie sind jedoch breiter aufgestellt und profitieren von den höheren Zinsen in den USA und der gestiegenen Nachfrage nach Krediten. Die Bank of America verbuchte im vierten Quartal einen Gewinn von 2,4 Milliarden Dollar - trotz einer Belastung von 2,9 Milliarden durch die Steuerreform.

Auch Goldman hat sich zum Ziel gesetzt, unabhängiger vom schwankungsanfälligen Handel zu werden und setzt dazu neben der Vermögensverwaltung auch auf das Geschäft mit Verbraucherkrediten. Binnen drei Jahren sollen die jährlichen Erträge um bis zu fünf Milliarden Dollar und der Gewinn vor Steuern um 2,5 Milliarden Dollar zu steigern, hatte Goldman im September als Ziel ausgegeben.

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