31. August 2017 / 07:29 / vor 22 Tagen

"Harvey" verursacht Explosionen in überflutetem Chemiewerk

A police officer lays down a safety flare while blocking the road leading to the Arkema SA plant which was hit by floods caused Tropical Storm Harvey near Crosby, Texas, U.S. August 31, 2017. REUTERS/Adrees Latif

Houston/Washington (Reuters) - Die verheerenden Überschwemmungen durch Tropensturm “Harvey” haben in Texas Explosionen in einer Chemiefabrik ausgelöst.

In dem überfluteten Werk nordöstlich der Millionenstadt Houston detonierten Tanks mit Chemikalien zur Plastikherstellung. Der Betreiber Arkema sprach von zwei Explosionen und warnte, weitere seien wahrscheinlich, weil durch die Überschwemmungen die Kühlanlagen ausgefallen seien. Die austretenden Dämpfe seien “ungeheuer gefährlich”, warnte ein Vertreter des staatlichen Katastrophenschutzes Fema. “Harvey” überzog am Donnerstag vor allem den Norden des Bundesstaates Louisiana mit starken Regenfällen. In der besonders stark betroffenen texanischen Metropole Houston setzten Rettungskräfte die Suche nach Opfern fort. Trotz der Herabstufung von “Harvey” zu einem Sturmtief sprachen die Behörden angesichts vieler bis zum Bersten gefüllter Wasserreservoirs und des anhaltenden Hochwassers von Lebensgefahr. Der Wetterdienst warnte auch vor Starkregen in den Staaten Mississippi, Tennessee und Kentucky.

Um das Chemiewerk in Crosby ordneten die Behörden die Evakuierung innerhalb eines Umkreises von zweieinhalb Kilometern an. Ein Polizist wurde durch die Dämpfe verletzt. Ein Firmenvertreter sagte, acht weitere Lastwagen mit Chemikalien drohten ebenfalls zu explodieren. In der Fabrik werden organischen Peroxide gelagert, die zur Herstellung von Kunststoffen benutzt werden.

Auch andernorts blieb die Lage gespannt. “Was den Regen angeht, ist das Schlimmste für den Südosten von Texas noch nicht vorüber”, warnte Gouverneur Greg Abbott. Die Wetterdienste erklärten, auch den Rest der Woche würden die “katastrophalen und lebensbedrohlichen Überschwemmungen” in und um Houston, Beaumont, Port Arthur sowie in Louisiana anhalten. Bei dem Unwetter Sturm in der Region seit mehr als 50 Jahren kamen nach einer Zwischenbilanz der Behörden mindestens 35 Menschen ums Leben. 32.000 Menschen sind obdachlos. Viele verloren ihr Hab und Gut.

INFRASTRUKTUR BELASTET - REGIERUNG GIBT ÖLRESERVEN FREI

Die Katastrophe belastete auch die verbliebene Infrastruktur aufs Äußerste. Die Elektrizitätswerke gaben bekannt, in Texas und Louisiana seien fast 200.000 Kunden ohne Strom. “Unsere ganze Stadt ist unter Wasser”, schrieb der Bürgermeister von Port Arthur, Derrick Foreman, auf Twitter. In der Stadt liegt die größte Ölraffinerie der USA, die wegen des Sturms geschlossen werden musste. Als Folge steigen die Benzinpreise. Die US-Regierung reagierte mit der Freigabe von strategischen Ölreserven. 500.000 Barrel Rohöl würden an eine Raffinerie in Lake Charles in Louisiana geliefert, teilte das Energieministerium mit. Die Anlage, die von Phillips 66 betrieben wird, ist bislang nicht von dem Hochwasser betroffen.

Es ist das erste Mal seit 2012, dass die USA ihre strategischen Reserven anzapfen. Die Menge ist vergleichsweise gering: Der Tagesverbrauch das Landes liegt bei knapp 20 Millionen Barrel, was das 40-fache der jetzt freigegeben Menge ist. Insgesamt belaufen sich die US-Reserven auf 679 Millionen Barrel.

Angesichts der Schäden erklärte Gouverneur Abbott, sein Bundesstaat werde für den Wiederaufbau womöglich weit mehr als 125 Milliarden Dollar Hilfe von der Regierung in Washington benötigen. Die Summe, die 2005 New Orleans nach dem Hurrikan “Katrina” zur Verfügung gestellt wurde, werde vermutlich nicht ausreichen, denn das Gebiet sei größer als das vor zwölf Jahren. Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch Hilfen für die Flutopfer in Texas und Louisiana versprochen. Am Donnerstag werden Vizepräsident Mike Pence und mehrere Kabinettsmitglieder in der Region erwartet.

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