April 29, 2010 / 12:21 PM / 9 years ago

HP setzt mit Palm-Kauf auf Smartphone-Ära

HP-Logo außerhalb der Firmenzentrale im belgischen Diegem am 12. Januar 2010. REUTERS/Thierry Roge

New York (Reuters) - Der weltgrößte Computerhersteller Hewlett Packard steigt mit der Übernahme des Smartphone-Herstellers Palm in den heiß umkämpften Markt mit den Handy-Alleskönnern ein.

Der US-Konzern zahlt für den angeschlagenen Smartphone-Pionier 1,2 Milliarden Dollar. Palm erhält damit seine letzte Chance, sich auf dem Markt für Mobiltelefone zu behaupten. Um das Unternehmen für die Zukunft fitzumachen, will HP in allen Bereichen “schwer investieren”. Bisher beherrschen Apple mit dem iPhone und Research in Motion mit dem Blackberry den Markt, auf dem sich seit Anfang des Jahres auch Google mit seinem Nexus tummelt.

Die Wall Street reagierte auf die Ankündigung vom Mittwochabend überrascht. Analysten hatten eher vermutet, dass Palm an einen asiatischen Bieter wie den chinesischen Computer-Konzern Lenovo geht. Seit vielen Quartalen setzt Palm der harte Wettbewerb zu. Für das laufende Vierteljahr hat das Unternehmen seinen Ausblick gesenkt. Stagnierende Verkäufe hätten zu geringeren Bestellungen geführt, teilte der Konzern mit. Deswegen werde nur noch mit Erlösen zwischen 90 und 100 Millionen Dollar im vierten Quartal gerechnet. Zuvor hatte der Konzern unter Leitung des früheren Apple-Managers Jon Rubinstein noch 150 Millionen Dollar in Aussicht gestellt.

HP BEZAHLT PALM AUS PORTOTASCHE

Der US-Computerkonzern zahlt pro Palm-Aktie 5,70 Dollar. Das entspricht einem Aufschlag von 23 Prozent auf den Schlusskurs vom Mittwoch. HP will den Zukauf bis Ende Juli abschließen. Die Finanzierung wird für den Computerriesen kein Problem darstellen. Ende Januar hatte die Firma mehr als 13 Milliarden Dollar angehäuft.

Die Palm-Aktie sprang knapp 25 Prozent in die Höhe, während HP-Papiere knapp ein Prozent nachgaben. Es sei eine Riesenchance gewesen, Palm zu kaufen, und HP habe diese nicht verpassen dürfen, sagte Analyst Lawrence Harris von C.L. King & Associates. Andere Börsianer zeigten sich skeptischer. “Wenn HP weltweit eine Rolle in der mobilen Welt spielen will, ist ein 1,2 Milliarden Dollar schwerer Kauf von Palm nicht der richtige Weg. Palm hat außerhalb der USA keine Marke und keinen Vertrieb”, sagte John Strand von Strand Consult.

Experten zufolge wird HP mit den Palm-Handys Pre und Pixi vor allem den Druck auf das Smartphone-Geschäft von Nokia und Motorola erhöhen. Nokia werde am meisten betroffen sein, erklärte IDC-Analyst Francisco Jeronimo. Bisher beträgt der Marktanteil von Palm-Smartphones laut dem Marktforschungsinstitut Gartner 1,2 Prozent. Nokia kommt auf 41,1 Prozent, RIM auf 19,9 und Apple auf 14,4 Prozent.

HP zeigt sich zuversichtlich, dass sich der Kauf für sie auszahlt. “Kombiniert mit unserer Größe, globalen Reichweite und den Investitionen rechnen wir mit solidem Wachstum”, sagte der Vize-Chef der Computer-Sparte von HP, Todd Bradley. Marktforschern zufolge wird der Smartphone-Markt in diesem Jahr um mehr als 35 Prozent auf 247 Millionen Geräte steigen.

- von Gabriel Madway -

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