January 7, 2020 / 1:13 PM / 7 months ago

Soleimanis Begräbnis nach tödlicher Massenpanik verschoben

Dubai/Bagdad (Reuters) - Kurz vor der geplanten Beisetzung des iranischen Generals Kassem Soleimani in seiner Heimatstadt Kerman ist es dort am Dienstag zu einer Massenpanik gekommen.

Women hold pictures of Iranian Major-General Qassem Soleimani, head of the elite Quds Force, who was killed in an air strike at Baghdad airport, during a funeral procession and burial at his hometown in Kerman, Iran January 7, 2020. Mehdi Bolourian/Fars News Agency/WANA (West Asia News Agency) via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY

Medien zufolge wurden Dutzende Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Die Beerdigung sei daraufhin verschoben worden, berichtete die halbstaatliche Nachrichtenagentur ISNA. Ein neuer Termin wurde zunächst nicht genannt. Dem Trauerzug hatten sich Zehntausende Iraner angeschlossen, viele riefen “Tod Amerika”. Die Spannungen zwischen den Erzrivalen haben stark zugenommen, seit Soleimani am Freitag von US-Kräften im Irak gezielt getötet worden war. Unklarheit herrschte noch über die Zukunft des US-Einsatzes im Irak, nachdem das Parlament dort den Abzug aller ausländischen Truppen gefordert hatte. Rund 30 deutsche Soldaten wurden unterdessen aus dem Irak ausgeflogen.

Bei der Massenpanik in Kerman im Südosten des Landes kamen der Agentur Fars zufolge 40 Menschen ums Leben, etwa 210 Personen wurden demnach verletzt. Der Sarg mit Soleimanis Leichnam war zuvor durch die Straßen von Kerman geleitet worden - wie zuvor schon durch andere Städte im Iran und Irak. In Teheran war die Zahl der Trauernden Staatsmedien zufolge am Montag in die Millionen gegangen. Auch dort hatten viele schon ihre Empörung über Soleimanis Tod zum Ausdruck gebracht.

Als eine der wichtigsten Führungsfiguren der Islamischen Republik galt Soleimani vielen Iranern als Nationalheld, auch wenn sie nicht voll hinter der Teheraner Regierung stehen. Damit wirkte sein gewaltsamer Tod einend für das noch vor kurzem von regierungskritischen Protesten erschütterte Land.

CHEF DER REVOLUTIONSGARDEN: WERDEN HARTE RACHE ÜBEN

“Wir werden Rache üben, eine harte und endgültige Rache”, sagte der Chef der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Salami, vor den Trauernden in Kerman. Zuvor hatte die Agentur Fars unter Berufung auf einen hochrangigen Sicherheitsbeamten berichtet, der Iran prüfe 13 Vergeltungsszenarien. Selbst die schwächste Option käme noch einem “historischen Alptraum für die Amerikaner” gleich. Irans geistliches und staatliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei hatte Rache im vergleichbaren Ausmaß wie die Tötung Soleimanis geschworen, was am Dienstag von Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bekräftigt wurde.

Beobachtern zufolge könnte der Iran bei Vergeltungsmaßnahmen auf zahlreiche Verbündete in der Region zählen. Das Land hat seinen Einfluss im Nahen Osten maßgeblich dadurch ausgeweitet, dass Soleimani selbst als Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden eine Allianz aus Gleichgesinnten geschmiedet hat - im Nachbarland Irak über den Libanon und dem Jemen bis hin zum Gaza-Streifen. Der Iran selbst liegt zudem an einer der wichtigsten Öltanker-Routen. Am Dienstag warnten die USA erneut US-Schiffe im Golf vor möglichen Aktionen des Iran.

VERWIRRUNG ÜBER ANGEBLICHEN US-ABZUG AUS IRAK

Soleimani war auch eine treibende Kraft bei den Bemühungen des Iran, einen Abzug der US-Truppen aus dem Nachbarland Irak zu erreichen. Verteidigungsminister Mark Esper dementierte einen Bericht, wonach die USA nach dem Parlamentsbeschluss in Bagdad einen Rückzug vorbereiteten. Zuvor hatte Reuters unter Berufung auf einen Brief des Generals der US-Marineinfanterie, William Seely, berichtet, die Anti-IS-Militärkoalition wolle abziehen. “Ich weiß nicht, was das für ein Brief ist”, so Esper.

Die Bundesregierung reduziert unterdessen die Zahl deutscher Soldaten im Irak. Dies geschehe aus Sicherheitsgründen und auf Anweisung des Kommandos des von den USA geführten Anti-IS-Einsatzes im Irak, teilten Außenminister Heiko Maas und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit. Noch in der Nacht zum Dienstag wurden 32 im Stützpunkt Tadschi nördlich von Bagdad stationierte Soldaten mit einem Militärtransporter nach Jordanien ausgeflogen, wie die Bundeswehr mitteilte. Sie hatte bis dahin insgesamt rund 120 Soldaten im Irak - davon knapp 90 im relativ sicheren Kurdengebiet im Norden.

Großbritannien überprüft einem Sprecher von Premierminister Boris Johnson zufolge die Bedrohungssituation für die britischen Soldaten kontinuierlich. Johnson drang erneut darauf, die Spannungen abzubauen. Soleimani sei eine Bedrohung für britische Interessen gewesen.

IRANS VIZE-AUSSENMINISTER: ATOMDEAL IST NOCH NICHT TOT

Maas wollte noch am Dienstag in Brüssel mit seinen Kollegen aus Frankreich, Großbritannien und Italien sowie dem EU-Außenbeauftragten über die Probleme beim Atomabkommen mit Iran beraten, wie das Außenamt mitteilte.

Der Iran signalisierte unterdessen Bereitschaft, die Vorgaben des internationalen Atomabkommens nach mehreren Verstößen und einer angekündigten weiteren Abkehr doch wieder zu respektieren. “Der Atomdeal ist noch nicht tot”, sagte der stellvertretende Außenminister Abbas Arakchi laut der Agentur Irna. Der Iran sei bereit, sich wieder vollständig an die Vereinbarung zu halten. Voraussetzung dafür sei das Ende von Sanktionen und die Möglichkeit, von wirtschaftlichen Vorteilen des Abkommens zu profitieren. Die USA hatten nach ihrem einseitigen Ausstieg wieder Sanktionen verhängt, die im Zuge des Atomabkommens gelockert worden waren. Das Abkommen soll den Iran am Bau von Nuklearwaffen hindern, geht US-Präsident Donald Trump aber nicht weit genug.

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