January 7, 2020 / 5:29 PM / 20 days ago

Mindestens 50 Tote durch Massenpanik vor Soleimanis Beisetzung

Iranian people attend a funeral procession and burial for Iranian Major-General Qassem Soleimani, head of the elite Quds Force, who was killed in an air strike at Baghdad airport, at his hometown in Kerman, Iran January 7, 2020. Mehdi Bolourian/Fars News Agency/WANA (West Asia News Agency) via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY

Dubai/Bagdad (Reuters) - Durch eine Massenpanik sind während der Trauerfeierlichkeiten für den iranischen Topgeneral Kassem Soleimani in dessen Heimatstadt Kerman mindestens 50 Menschen getötet worden.

Weitere 213 Menschen seien in dem Gedränge Zehntausender Trauernder verletzt worden, meldeten die Nachrichtenagenturen ISNA und Fars am Dienstag. Die Beisetzung habe sich dadurch mehrere Stunden verzögert. Der Iran drohte den USA erneut mit Vergeltung für den tödlichen Drohnenangriff auf Soleimani in Bagdad. Es würden 13 Optionen geprüft, meldete Fars unter Berufung auf den Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Ali Schamchani. Selbst die schwächste werde sich als “historischer Alptraum” für die Amerikaner erweisen. Bundeswehr und Nato zogen aus Sicherheitsgründen einen Teil ihrer Soldaten aus dem Nachbarland Irak ab.

Dem Trauerzug für Soleimani schlossen sich Zehntausende Menschen an, viele riefen “Tod den USA”. Viele Iraner verehren Soleimani, der quer durch den Nahen Osten ein Netzwerk mit dem Iran verbündeter Milizen aufgebaut hatte, als Nationalhelden. Irans Gegner betrachten den General dagegen als einen der einflussreichsten Terroristen der Welt. Seine Tötung ließ die Spannungen zwischen den USA und dem Iran eskalieren und einte die noch bis vor kurzem von regierungskritischen Protesten erschütterte Islamische Republik wieder.

“Wir werden Rache üben, eine harte und endgültige Rache”, sagte der Chef der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Salami, vor den Trauernden in Kerman. Irans geistliches und staatliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei hatte Rache im vergleichbaren Ausmaß wie die Tötung Soleimanis geschworen, was Außenminister Mohammed Dschawad Sarif am Dienstag bekräftigte. Bei seinen Vergeltungsmaßnahmen kann der Iran nach Einschätzung von Beobachtern auf zahlreiche Verbündete in der Region zählen. Das Land hat seinen Einfluss im Nahen Osten maßgeblich dadurch ausgeweitet, dass Soleimani als Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden eine Allianz Gleichgesinnter geschmiedet hat - im Nachbarland Irak über den Libanon und dem Jemen bis hin zum Gaza-Streifen. Der Iran selbst liegt zudem an der weltweit wichtigsten Öltanker-Route durch die Straße von Hormus. Am Dienstag warnten die USA erneut US-Schiffe im Golf vor möglichen Aktionen des Iran.

Unklarheit herrschte unterdessen weiter über die Zukunft des US-geführten Anti-IS-Militäreinsatzes im Irak, nachdem das Parlament in Bagdad den Abzug aller ausländischen Truppen gefordert hat. US-Verteidigungsminister Mark Esper wies Berichte zurück, wonach die USA den Abzug ihrer Truppen planen. Die Bundeswehr zog etwa ein Viertel ihrer rund 120 Soldaten aus dem Irak ab. Dies geschehe aus Sicherheitsgründen und auf Anweisung des Kommandos des Anti-IS-Einsatzes, teilten Außenminister Heiko Maas und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit. Noch in der Nacht zum Dienstag wurden 32 im Stützpunkt Tadschi bei Bagdad stationierte Soldaten nach Jordanien ausgeflogen, wie die Bundeswehr mitteilte. Drei Soldaten aus dem Hauptquartier direkt in Bagdad wurden gemeinsam mit Kameraden aus anderen Nationen nach Kuwait verlegt. Weitere knapp 90 deutsche Soldaten, die im sichereren Kurdengebiet im Nordirak stationiert sind, blieben dagegen vor Ort. Auch die Nato zog einen Teil ihrer Soldaten ab oder verlegte sie innerhalb des Landes.

“ATOMDEAL NOCH NICHT TOT”

Bundesaußenminister Heiko Maas forderte bei einem Treffen mit seinen Kollegen aus Frankreich und Großbritannien in Brüssel eine gemeinsame europäische Antwort auf die jüngste Ankündigung des Iran, weitere Auflagen des Atomabkommens nicht mehr einzuhalten. Frankreich hat für die kommenden Tage eine Entscheidung der Europäer darüber angekündigt, ob sie den in der Vereinbarung enthaltenen Streitschlichtungsprozess starten. Nach dem Abkommen kann jeder der Vertragspartner die sogenannte Gemeinsame Kommission anrufen, wenn er glaubt, dass ein anderer Partner gegen die Vereinbarung verstößt. Die Kommission hat dann 15 Tage Zeit, um den Streit zu schlichten. Sie kann diese Frist aber auch ausdehnen, wenn alle Beteiligten dem zustimmen. Wird die Frist dagegen nicht verlängert, eskaliert der Fall, was am Ende zur Wiedereinsetzung der UN-Sanktionen gegen den Iran führen kann - falls der UN-Sicherheitsrat nicht dagegen entscheidet.

Aus dem Iran kam unterdessen erneut Bereitschaft, die Auflagen des Abkommens doch wieder zu respektieren. “Der Atomdeal ist noch nicht tot”, sagte der stellvertretende Außenminister Abbas Arakchi laut der Agentur Irna. Der Iran sei bereit, sich wieder vollständig an die Vereinbarung zu halten. Voraussetzung dafür sei das Ende von Sanktionen und die Möglichkeit, von wirtschaftlichen Vorteilen des Abkommens zu profitieren. Die USA hatten nach ihrem einseitigen Ausstieg wieder Sanktionen verhängt, die im Zuge des Atomabkommens gelockert worden waren. Das Abkommen soll den Iran am Bau von Atomwaffen hindern, es geht US-Präsident Donald Trump aber nicht weit genug.

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