7. September 2017 / 05:07 / vor 17 Tagen

"Irma" verwüstet Karibik - Florida geht in Deckung

A man carrying an umbrella walks on a street as Hurricane Irma howls past Puerto Rico after thrashing several smaller Caribbean islands, in Fajardo, Puerto Rico September 6, 2017. REUTERS/Alvin Baez

Puerto Rico (Reuters) - Der Rekord-Hurrikan “Irma” hat in der Karibik mindestens zehn Menschen getötet und nimmt nun das dicht besiedelte Florida ins Visier.

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern zerstörte der stärkste je gemessene Atlantik-Sturm am Mittwoch fast alle Gebäude auf mehreren Inseln. “Wir sind nach Barbuda geflogen und haben völlige Verwüstung gesehen”, sagte der Ministerpräsident von Barbuda und Antigua, Gaston Browne, der BBC. Neun von zehn Häusern seien beschädigt oder zerstört, die Hälfte der 1800 Bewohner obdachlos. Fernsehbilder von Saint Martin zeigten im Hafen aufgetürmte Jachten und überflutete Straßen und Wohnungen. Allein dort starben mindestens acht Menschen, es wurden aber weit mehr Opfer befürchtet. “Irma” zieht nun weiter in Richtung Kuba und wird am Wochenende in Florida erwartet.

Den USA droht damit innerhalb von zwei Wochen nach “Harvey” der zweite verheerende Hurrikan. “Harvey” hat 60 Menschen das Leben gekostet und Schäden von bis zu 180 Milliarden Dollar angerichtet. Die US-Behörden riefen wegen “Irma” nun erneut den Notstand aus und begannen mit der Evakuierung der Südspitze von Florida. Sie forderten alle Touristen auf, die Urlaubsregion Florida Keys zu verlassen. Insgesamt könnten zunächst bis zu 100.000 Menschen ihre Häuser räumen müssen. Airlines sagten Flüge in der Region ab. Auch das Feriendomizil “Mar-a-Lago” von Präsident Donald Trump könnte von “Irma” heimgesucht werden. Trump hatte den Budget-Streit mit dem Kongress am Mittwoch vorerst beigelegt, um eine Ausgabensperre zu vermeiden. Diese hätte die US-Behörden im Kampf gegen Sturmschäden gelähmt.

In Erwartung einer Störung der US-Ölproduktion durch “Irma” decken sich Anleger mit dem Rohstoff ein. Dies verteuert die Sorte Brent um 0,8 Prozent auf 54,64 Dollar je Fass.

HÄLFTE DER PUERTO RICANER OHNE STROM

”Irma“ ist dem Nationalen Hurrikan-Zentrum (NHC) der USA zufolge der stärkste Hurrikan, der jemals außerhalb der Karibik und des Golfs von Mexiko verzeichnet wurde. Am Mittwochabend hatte das Sturmzentrum Puerto Rico im Norden gestreift und offenbar zu einem Stromausfall bei der Hälfte der rund eine Million Einwohner geführt. Auch Haiti, die Dominikanische Republik und die Bahamas könnte ”Irma“ heimsuchen. ”Der Wind, den wir hier erleben, ist stärker als jeder, den wir bisher hier erlebt haben“, sagte Gouverneur Ricardo Rossello dem Sender CNN. ”Wir erwarten große Schäden.

Diese würden aber nicht vergleichbar sein, mit denen auf Antigua oder Barbuda. Die Insel sollte evakuiert werden, wenn der nachrückende Hurrikan “Jose” ebenfalls Kurs auf Barbuda nehme, sagte Ministerpräsident Browne. Die Insel sei schon jetzt kaum mehr bewohnbar. Die niederländische Marine erklärte, “Irma” habe im niederländischen Teil von Sint Maarten (Saint Martin) enorme Schäden angerichtet. Marine-Hubschrauber übermittelten Bilder von zerstörten Häusern, Hotels und Schiffen. Der Flughafen der Insel sei nicht erreichbar.

Kuba könnte am Freitag direkt von “Irma” getroffen werden. Die Behörden sprachen eine Warnung für die zentralen und östlichen Inselteile aus. In der Hauptstadt Havanna bildete sich Schlangen vor Geschäften und Tankstellen, wo sich Einwohner mit Lebensmitteln und Benzin versorgen wollten.

Meteorologen zufolge dürfte der Hurrikan dann am Samstag oder Sonntag die USA erreichen. Unklar ist allerdings, inwieweit er sich dann abgeschwächt hat. Derzeit ist er in der höchsten Kategorie “5” eingestuft. Das NHC rechnet im besten Fall damit, dass er auf “4” zurückgeht. Floridas Gouverneur Rick Scott zufolge könnte “Irma” schwerere Schäden anrichten als der Wirbelsturm “Andrew” 1992 - bis heute einer der teuersten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA.

Mit “Katia” und “Jose” bildeten sich am Mittwoch bereits zwei weitere Hurrikans. US-Metereologen erwarteten allerdings nicht, dass “Katia” das US-Festland erreichen wird. “Jose” könnte dagegen der Spur der Verwüstung von “Irma” folgen.

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