11. September 2017 / 05:21 / vor 15 Tagen

"Irma" überschwemmt Florida - Schäden unkalkulierbar

Flooding in the Brickell neighborhood as Hurricane Irma passes Miami, Florida, U.S. September 10, 2017. REUTERS/Stephen Yang

Tampa/Miami (Reuters) - Nach seinem verheerenden Zug über den Süden Floridas hat der abgeschwächte Wirbelsturm “Irma” auch im Zentrum und Norden des US-Bundesstaates weite Landstriche unter Wasser gesetzt.

Der zeitweise als einer der stärksten Atlantikstürme überhaupt eingestufte Hurrikan zog am Montag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde über die Metropolen Tampa und Orlando hinweg. Zuvor hatte er vor allem an der Westküste der Halbinsel gewütet: Dächer wurden abgedeckt, Straßen überflutet und Bäume entwurzelt. Umgeknickte Strommasten führten zu massiven Stromausfällen. Präsident Donald Trump rief für den “Sunshine State” den Katastrophenfall aus. Rund 200.000 Menschen harrten weiter in Notunterkünften aus. Die Versicherungsbranche machte sich auf Milliarden-Schäden gefasst.

Das US-Hurrikan-Zentrum stufte den Wirbelsturm am Montag auf die Kategorie 1 zurück. Bis “Irma” im Laufe des Tages den Norden Floridas und den Süden Georgias erreicht, dürfte es sich nur noch um einen Tropensturm handeln. Am Sonntag war “Irma” noch mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 Kilometern pro Stunde über das südliche Florida hinweggezogen. Wegen der massiven Überschwemmungen und Stromausfälle blieben die Anordnungen zu Großevakuierungen in Kraft. Mit rund 6,5 Millionen Menschen war rund ein Drittel der Bevölkerung Floridas zum Verlassen der Häuser aufgefordert worden. Viele Menschen suchten bei Verwandten in anderen Landesteilen Schutz, Notunterkünfte waren zum Teil überfüllt. Über fünf Millionen Haushalte und Unternehmen waren ohne Strom. Es dürfte nach Einschätzung der Energieversorger Wochen dauern, bis die Schäden an Stromleitungen und -anlagen behoben sind.

“WIR SIND NOCH EINMAL DAVONGEKOMMEN”

“Ich habe das Gefühl, dass wir noch einmal davongekommen sind”, sagte Jonathan Brubaker aus Bradenton südlich von Tampa. Der 51-Jährige hat in seinem verbarrikadierten Haus an der Westküste ausgeharrt, Taschenlampen und Kerzen immer griffbereit.

Im Laufe des Montag wollten sich die Rettungskräfte und Behörden einen ersten Eindruck von den Schäden verschaffen. Das Militär bereitete einen Großeinsatz mit Hubschraubern für die stark beschädigte Inselkette Florida Keys vor. Gouverneur Rick Scott wollte sich im Laufe des Tages vor Ort ein Bild von den Verwüstungen machen.

Am Sonntag hatte die Polizei von den Florida Keys das erste Todesopfer gemeldet. Ein Mann sei ums Leben gekommen, als er mit seinem Pickup-Truck im Sturm gegen einen Baum gefahren sei. Auf seinem Weg zu der Inselkette zwischen Kuba und dem US-Festland hatte “Irma” in der Karibik mindestens 38 Menschen das Leben gekostet, zehn davon auf Kuba. Kleinere Inseln wurden praktisch vollständig verwüstet, Kuba von elf Meter hohen Wellen getroffen. Der Reiseveranstalter TUI kündigte an, rund 600 Urlauber aus dem Norden Kubas so schnell wie möglich nach Hause zu fliegen.

HOCHHÄUSER IN MIAMI GERATEN INS SCHWANKEN

Weil sich der Sturm in Florida anders als zunächst erwartet westlich in Richtung Golf von Mexiko bewegte, wurde das dicht besiedelte Gebiet rund um Miami nicht direkt getroffen. Wegen seiner riesigen Ausmaße war der Wirbelsturm aber auch in der Metropole an der Südostküste noch deutlich zu spüren: Drei Baukräne kippten um, auf den Wassermassen zwischen Bürogebäuden bildeten sich Wellen mit Schaumkronen. Die Hochhäuser standen wie Inseln in den Fluten und schwankten im Sturm. “Man fühlt sich wie auf einem Schiff”, sagte ein Bewohner eines Apartments im 35. Stock am Telefon.

Am Montag blieb der internationale Flughafen von Miami noch für Linien- und Charterflüge gesperrt. Nach Angaben einer Flug-Webseite wurden am Montag 3582 Flüge in den USA gestrichen, die meisten wegen des Wirbelsturms. Delta kündigte an, rund 800 Flüge abzusagen. Delta hat ein Drehkreuz in Atlanta im Bundesstaat Georgia. Die dort zu erwarteten Böen machten einen sicheren Betrieb unmöglich, teilte die Fluggesellschaft mit.

Die versicherten Schäden in den USA könnten zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar liegen, schätzte der Fachdienst Air Worldwide. Auch die Ratingagentur Moody’s und der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück gehen von erheblichen Schäden für die Branche aus.

Papst Franziskus rief angesichts der jüngsten Hurrikan-Serie dazu auf, den Klimawandel zu bekämpfen. “Man kann die Folgen des Klimawandels sehen, und Wissenschaftler haben klar gesagt, welchen Weg wir einschlagen müssen”, sagte der Papst auf dem Rückflug von Kolumbien. “Wenn wir nicht umkehren, werden wir untergehen.” Sollte jemand Zweifel haben, sollte er Wissenschaftler fragen. “Dann kann jeder für sich entscheiden, und die Geschichte wird ihr Urteil darüber fällen.” US-Präsident Trump hatte am 1. Juni den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verkündet, obwohl er nur kurz zuvor bei einem Besuch im Vatikan vom Papst eindringlich aufgefordert worden war, dies nicht zu tun.

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